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Sebastian Vettel : In einer neuen Umlaufbahn

Nicht ganz offiziell, aber für einen Tag wird Heppenheim zu Vettelheim Bild: AFP

Sebastian Vettel hat das Potential, das neue Gesicht der Formel 1 zu werden - und damit sein Vorbild Michael Schumacher abzulösen. Sie sind hart zu sich selbst, beide sind Grenzgänger. An diesem Sonntag wird Vettel in Heppenheim gefeiert.

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          Viele Jahre hing er als Bild in seinem Kinderzimmer, genau über der Kommode mit den Pokalen und neben den feuerfesten Rennanzügen: Michael Schumacher, der siebenmalige Weltmeister. Ein deutscher Formel-1-Mythos. Sein Vorbild. Auf dem Foto steht er in seinem Rücken und legt die rechte Hand beinahe schon väterlich auf seine Schulter. Damals, 1999 auf der Kartbahn in Kerpen-Blatzheim, war Sebastian Vettel gerade zwölf Jahre alt. Ein Junge, der die Geschwindigkeit liebte und Träume hatte. Seit einer Woche steht sein Name in einer Liste mit Juan Manuel Fangio, Jackie Stewart, Ayrton Senna und Schumacher. Als Weltmeister in der Formel 1. Ein Grund, um in Tränen auszubrechen. „Außerhalb des Cockpits hat da auf einmal alles aufgehört zu existieren“, sagt der Dreiundzwanzigjährige.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Rekordtempo ist aus ihm ein Mann geworden, die weichen Linien in seinem Gesicht sind härteren Zügen gewichen. In seinem dritten kompletten Jahr in der Königsklasse des Motorsports hat sich Vettel endgültig in eine neue Umlaufbahn katapultiert. „Es wirkt, als würde er im Auto tanzen“, erkannte schon früh Peter Sauber, seinerzeit Anteilseigner bei BMW Sauber. Vieles erinnert derzeit an Schumacher, Zeitzeugen kommt es sogar schon vor wie eine Wiederholung der Geschichte. „Sebastian Vettel ist ein junger Wilder, der ständig Druck macht“, sagt Mika Häkkinen, der 1998 und 1999 den Titel gewann. „Er hat keine Angst, er geht über alle Grenzen, wie es auch Schumacher getan hat.“

          Grenzgänger, die den gleichen Antrieb besitzen. Vettel wirkt nur auf den ersten Blick wie ein cooler Siegertyp. Sein herzhaftes Lachen verbirgt all den Ehrgeiz, den beinahe schon bedingungslosen Willen, das Streben nach Perfektion und die Disziplin. Schon als Knirps setzte er sich selbst bei Schneeregen in sein Kart und raste über den Erftlandring in Kerpen. Und joggte morgens um den Parcours. So etwas hatte man dort zuvor erst einmal erlebt. Beim jungen Schumacher. Er und Vettel sind Seelenverwandte. Beide sind hart zu sich selbst, aber der Jüngling wirkt dabei nicht so verbissen wie der Senior. „Ich verstehe mich wirklich gut mit Sebastian“, sagt der Einundvierzigjährige. „Wir sind seit vielen Jahren Freunde.“

          Um 14.20 Uhr betrat Sebastian Vettel endlich die Bühne in seiner Heimatstadt Heppenheim
          Um 14.20 Uhr betrat Sebastian Vettel endlich die Bühne in seiner Heimatstadt Heppenheim : Bild: dpa

          Die Musterschüler des Motorsports, die Meister aller Klassen. Zwei Menschen, verbunden in der Leidenschaft. „Für manche ist das vielleicht eine langweilige Vorstellung, im Kreis zu fahren, aber uns macht es unheimlich Spaß“, sagt Vettel, der am Montag in Salzburg auftrat, am Dienstag in der Rennwagenfabrik von Milton Keynes (bei London) und Freitag und Samstag schon wieder in seinem Red Bull saß, um in Abu Dhabi die neuen Pirelli-Reifen zu testen.

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