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Vettel und Ferrari : Das Ende der Flitterwochen

Mann in Rot: Wie gut passt Sebastian Vettel zu Ferrari? Bild: AFP

Die Liebesbeziehung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari währt nun fast ein Jahr. Noch kann der Deutsche Zweiter der Formel-1-WM werden – aber in der nächsten Saison wäre das wohl schon nicht mehr genug.

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          Vormittag im halb renovierten Fahrerlager des Autodromo Carlos Pace in Interlagos, São Paulo. Die Ingenieure, die PR-Kräfte, die Fahrer sitzen jetzt hinter Glas und freuen sich, dass die Brasilianer ihnen mehr Platz gegeben haben. Im kommenden Jahr soll noch aufgestockt werden. Der Rohbau der zweiten Etage steht schon, und so wirkt der Paddock wie einst die Hotels in Griechenland, in denen sich unten schon Gäste tummelten, während die Eigentümer sich freuten, dass ihnen die unfertigen Beton-Höhlen auf dem Dach die Steuer sparen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Bei Ferrari sitzt Kimi Räikkönen, der Finne, und bespricht sich mit ein paar Männern in Rot. Vor der Glasscheibe stehen ein knappes Dutzend Fotografen. Die Auslösefrequenz schnellt in die Höhe, als Sebastian Vettel dazu kommt. Vettel setzt sich an den Kopf des Tisches um über das Rennen am Sonntag (Start: 17 Uhr MEZ / Live auf RTL, bei Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) Die Sache scheint so klar wie der erste Blick durch die neuen Scheiben. Der Chef ist da. In der Weltmeisterschaft hat Vettel 251 Punkte gesammelt, ist Dritter. Räikkönen, Fünfter, bringt es auf 123. In Malaysia, Ungarn, Singapur hat Vettel gewonnen in seinem ersten Jahr bei Ferrari. Räikkönen, 2007 Weltmeister mit der Scuderia, bis heute der letzte, nirgends.

          „Was gibt´s da zu erklären?“

          Knapp zwei Stunden später. Räikkönen beantwortet Fragen, das Interesse der Journalisten ist überschaubar. Ob er erläutern könne, was er meinte, als er vor wenigen Tagen bei einer Ferrari-Show in Mugello sagte, es gebe jetzt, mit dem Teamkollegen Vettel, „keine Politik mehr“ im Team, wird Räikkönen gefragt. „Was gibt‘s da zu erklären? Es ist, wie es ist. Das Team ist gewachsen. Wir haben noch viel zu tun, aber wir treffen die richtigen Entscheidungen. Das Team arbeitet besser zusammen – als Mannschaft. Fragen Sie, wen Sie wollen hier: das werden Ihnen alle sagen.“

          Die sechs Sätze zur Atmosphäre sind ungewöhnlich für den geborenen Lakoniker Räikkönen. Sie lassen tief blicken in den Wandel, den das Team hinter sich hat, seit der Spanier Fernando Alonso nach fünf erfolglosen Anläufen auf den WM-Titel gegangen ist. Vettel, mit dem sich Räikkönen schon vor dessen Wechsel bestens verstand, ist der Mann, der es besser machen soll als Alonso. Als Vettel im ersten Rennen im Ferrari, Mitte März in Melbourne, Dritter wird, Räikkönen aber nach einem missratenen Boxenstopp aufgeben muss, sagt Teamchef Maurizio Arrivabene: „Ich habe gemischte Gefühle. Großartig für Sebastian. Aber wir müssen uns um Kimi kümmern. Wir haben zwei Fahrer, es tut mir leid für ihn.“ Ein dreiviertel Jahr ist vergangen, Räikkönens Saison nicht unbedingt glücklicher verlaufen. Aber er, der rundheraus geschlagene Pilot, preist am Ende der Saison den Teamgeist.

          Zur Zeit ein wenig betrübt? Kimi Räikkönen
          Zur Zeit ein wenig betrübt? Kimi Räikkönen : Bild: dpa

          Ende September, in Japan, hatte Arrivabene Vettels Beitrag zur Aufbruchstimmung mit dem größtmöglichen Lob geadelt. Der Deutsche sei „in gewisser Weise“ besser als das historische Vorbild Michael Schumacher, weil er im Gegensatz zum siebenmaligen Rekordchampion nicht so introvertiert sei. Am Tag darauf musste Arrivabene sagen, er habe sich unglücklich ausgedrückt, Schumacher keinesfalls kritisieren wollen. „Eine Riesengeschichte aus Nichts“ sei da konstruiert worden. Richtig – einerseits. Andererseits zeigt es, wie sehr sie bei Ferrari inzwischen davon überzeugt sind, dass Vettel der Mann ist, der die Scuderia wieder zum besten Rennstall der Welt macht, zu dem, was sie mit Schumacher war.

          In São Paulo sitzt Vettel in der Pressekonferenz des Internationalen Automobilverbandes Fia. War er vielleicht ein bisschen sehr selbstkritisch nach seinem missratenen Rennen in Mexiko vor zwei Wochen? War er wirklich nur wegen Fahrfehlern ausgeschieden, oder hatte es ein Problem mit dem Auto gegeben? „Nein, mit dem Auto gab es kein Problem. Es war, wie ich es nach dem Rennen gesagt habe: Mein Fehler.“ Vettel wird nach der größten Stärke und der größten Schwäche im Team gefragt in dieser Saison. „Die Stärke ist, dass ich mich habe mitreißen lassen von der Leidenschaft für Ferrari – im Team und von den Fans in aller Welt. Das ist rote Magie. Die Schwäche?“

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