https://www.faz.net/-gtl-80pmm

Ferrari vor Formel-1-Start : Warum Vettel viele an Schumacher erinnert

  • -Aktualisiert am

„Vom Mythos alleine können wir nicht leben“: Sebastian Vettel ist für die Gegenwart und Zukunft Ferraris zuständig Bild: dpa

Mit Sebastian Vettel hofft Ferrari wieder auf eine glorreiche Zukunft in der Formel 1. Die Vorbereitung auf die neue Saison macht dem runderneuerten Rennstall Mut. Das liegt vor allem an Vettel – und den Parallelen zu Michael Schumacher.

          5 Min.

          Noch befindet sich Ferrari in den Flitterwochen. Ein neuer Fahrer namens Sebastian Vettel. Ein neues Management, das sämtliche Pläne des alten über Bord geworfen hat. Eine neue Struktur, die die Fehler der alten ausradieren soll. Ein neues Betriebsklima, das auf heile Welt baut. Ein neues Auto, das den Rückstand auf Mercedes halbiert hat. Und demnächst auch noch eine neue Rennfabrik, in Sichtweite des Hauptsitzes.

          Ferrari hat die Reset-Taste gedrückt. Der neue Geist wird das Team über die ersten Rennen tragen. Sebastian Vettel ist ein Teil davon. Der viermalige Weltmeister strahlt eine positive Energie aus. Noch wirkt die Faszination Ferrari. Noch fühlt sich Vettel wie im Spielzeugladen. Für einen Mann, der privat alte Autos sammelt und auch restauriert, sind Begriffe wie Mythos, Tradition und Geschichte keine leeren Worte. Und davon bekommt er in Maranello an jeder Straßenecke eine Extradosis. Vettel weiß aber auch: „Vom Mythos allein können wir nicht leben. Wir müssen schon hinklotzen. Das Ziel ist es, Mercedes einzuholen und irgendwann auch zu überholen.“

          Teamchef Maurizio Arrivabene fühlt sich bei Vettel an „einen anderen Deutschen“ erinnert. Wen der graumelierte Italiener meint, ist klar. Vettel arbeitet wie Michael Schumacher, er denkt wie der Rekordweltmeister, er ist genauso diszipliniert und fokussiert wie sein großes Vorbild. Arrivabene kommt zu dem Schluss: „Ich verstehe jetzt, warum er viermal Weltmeister war.“

          Ferraris Neuzugang spricht bereits besser Italienisch, als es Schumacher, Ferraris Abonnement-Weltmeister, je konnte. „Ich frage Seb in Englisch, er antwortet auf Italienisch. Er spricht schon sehr gut“, lobt der Chef. Vettel weiß, wie wichtig es gerade bei Ferrari ist, mit dem Team in der Landessprache zu kommunizieren. Damit ist er einer von ihnen. Sein Credo: „Es gehört einfach dazu, wenn ich hier fahre.“ Offenbar geht es ihm mit dem Lernen nicht schnell genug. Der Schüler soll schon zwei Lehrer verschlissen haben.

          Ferraris wichtige Personalrochaden

          Fernando Alonso brauchte keinen Italienisch-Kurs. Als Spanier fand er sich von Anfang an in der Sprache seines früheren Arbeitgebers zurecht. Und doch schaffte er es nicht, das Team bis zum Schluss mitzureißen. Alonso überzeugte durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Pilot. Alle bei Ferrari wussten, dass man die beiden Titelchancen 2010 und 2012 nur ihm zu verdanken hatte.

          Doch je länger Alonso warten musste, umso ungeduldiger wurde er. Und mit der Ungeduld verschlechterte sich das Betriebsklima. Der Druck prasselte von allen Seiten auf das Team ein. Vom ehemaligen Präsidenten Luca di Montezemolo, von Alonso, von den Medien. Zum Schluss waren alle nur auf Besitzstandswahrung aus. Keiner übernahm Verantwortung, aus Angst, Fehler zu machen. Jeder gab dem anderen die Schuld.

          Formel 1 : Vettel: „Wollen mit Ferrari zweite Kraft werden“

          Die Personalrochaden waren deshalb eine absolute Notwendigkeit. Ferrari musste alte Seilschaften auflösen und denen eine Chance geben, die sich übergangen fühlten. Nach dem Vorbild der glorreichen Schumacher-Tage gibt es jetzt mit James Allison wieder einen Technikchef, der die gesamte Entwicklung unter sich hat. Weil Auto und Antriebseinheit nicht zu trennen sind. Das Mercedes-Motto „Alles unter einem Dach“ war Ferrari ein Vorbild. Und Vettel bringt neue Hoffnung. In seinem Windschatten blüht auch Kimi Räikkönen wieder auf. Alonso war der Teamkollege, der ihn 2010 sein Cockpit gekostet hat.

          Vettel ist sein Kumpel. Alonso konnte mit jedem Auto leben. Er ist einer der wenigen Fahrer, der einem untersteuernden Auto seinen Willen aufzwingen kann. „Weil Fernando den extremsten Fahrstil von allen hat“, sagt der frühere Teamkollege Felipe Massa. Vettel braucht ein Auto wie Räikkönen. Eines, bei dem er die Vorderachse spürt. Damit ergänzen sich die beiden ehemaligen Weltmeister. Der Teamchef will bei Räikkönen ein neues Feuer entdeckt haben. „Kimi lacht auffallend oft. Als ich ihn zum ersten Mal so sah, machte ich mir Sorgen. Ich fragte ihn: Bist du krank?“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gegenwind: Der amerikanische Präsident Joe Biden am  28. November am Flughafen von Nantucket

          Nord Stream 2 : Platzt der deutsch-amerikanische Deal?

          Im Senat kämpfen einige Republikaner für neue Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Sie wollen Präsident Joe Biden die Möglichkeit nehmen, Ausnahmen zu erteilen. Doch Berlin versucht zu überzeugen.

          Atomabkommen mit Iran : Zweifel an Teherans Beteuerungen

          In Wien beginnt eine neue Verhandlungsrunde um eine Neuauflage des Atomabkommens mit Iran. Die beteiligten Staaten reagieren auf Beteuerungen Teherans äußerst skeptisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.