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Ferrari vor Formel-1-Start : Warum Vettel viele an Schumacher erinnert

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Vettel bekommt ein besseres Auto

Maurizio Arrivabene ist die personifizierte Lockerheit. Und die versucht er auf sein Team zu übertragen. Bei den Testfahrten in Barcelona setzte er sich auf die Haupttribüne und unterhielt sich mit den Zuschauern. Andererseits betrieb Ferrari riesigen Aufwand, sein Auto in der Boxengasse mit Stellwänden vor den Blicken Neugieriger zu schützen. Eine kritische Stimme: „Wenn Ferrari näher an den Fans dran sein will, dann sollen sie auch ihr Auto zeigen. Das eine passt nicht zum anderen.“ Arrivabene erinnert mit seinen prägnanten, manchmal flapsigen Antworten an Flavio Briatore.

Auch der hatte ein feines Gespür dafür, was bei den Medien ankommt. Und wusste, wie man ein Produkt verkauft. Eine typische Fragestunde mit Arrivabene bringt klare Ansagen statt diplomatischer PR-Phrasen. Das Testprogramm? „Wir sind mit allem im Plan. Alle Ziele wurden erfüllt.“ Die Mercedes-Dominanz? „Haben wir so erwartet.“ Das Mindestziel von zwei Siegen? „Ein ambitioniertes Ziel. Wir müssen zuschlagen, wenn Mercedes in Schwierigkeiten gerät.“ Der Motor? „Wir haben uns in diesem Bereich verbessert.“ Seine Fahrer? „Zwei total unterschiedliche Typen. Der eine spricht kaum, der andere viel.“

Ein neuer Name bei Ferrari: Vettel wechselte von Red Bull zu den Italienern Bilderstrecke
Ein neuer Name bei Ferrari: Vettel wechselte von Red Bull zu den Italienern :

Das Technikbüro hat ein besseres Auto gebaut als im vergangenen Jahr. Es ist kompakter, leichter, aerodynamisch effizienter. Die Motorentruppe um Chefingenieur Lorenzo Sassi hat den V6-Turbo spürbar aufgerüstet. Die Antriebsquelle gibt mehr Leistung ab, sie nutzt die elektrische Energie besser, die Power ist besser über das Drehzahlband verteilt, und der Benzinverbrauch wurde reduziert. Mit einem Satz: Das ganze Paket ist berechenbarer. Räikkönen bilanziert: „Wir haben uns im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert und mit den meisten unserer Schwachpunkte aufgeräumt.“

Nach Messungen von Mercedes hat Ferrari über den Winter 1,1 Sekunden aufgeholt. Ein Ingenieur in Rot kommentiert süffisant: „Wir hätten ja auch geschlagen gehört, wenn uns nicht einmal das gelungen wäre.“ Und dennoch beträgt der Rückstand auf einer Strecke wie Barcelona rund acht Zehntelsekunden. Das ist immer noch ein Klassenunterschied. Und der wird schwer aufzuholen sein. Ferrari hat zwar für Auto und Motor ein ehrgeiziges Entwicklungsprogramm angekündigt, doch auch Mercedes steht nicht still. Präsident Sergio Marchionne kündigte an, dass er nach dem Großen Preis von Spanien am 10. Mai von seinem Rennstall einen großen Sprung erwarte. Arrivabene antwortet ergeben: „Wir werden kontinuierlich Sprünge machen. Aber wenn Sergio das sagt, dann ist das ein Befehl für uns.“

Ferraris schöne neue Welt

Nach dem Datenstudium aller Testfahrten liegt Ferrari mit Williams und Red Bull praktisch gleichauf auf dem zweiten Platz hinter Mercedes. Wobei Red Bull noch einen Pfeil im Köcher hat. Vettels früheres Team musste sein letztes Aerodynamik-Paket zurückhalten, weil die geplante kurze Nase des Autos den Crashtest noch nicht geschafft hat. Williams wird im Rennen vom neuen Mercedes-Motor profitieren. Er kann jetzt jederzeit die volle elektrische Leistung von 160 PS abrufen.

Ferraris schöne neue Welt kann deshalb schnell wieder in Ernüchterung umschlagen. Wenn man feststellt, dass man vielleicht wieder nur Vierter ist, wenn auch mit etwas weniger Rückstand als im vergangenen Jahr. Dann muss die neu zusammengewürfelte Truppe zeigen, dass sie krisenfest ist. Vettel käme dabei die gleiche Aufgabe zu wie Michael Schumacher in seinem ersten Ferrari-Jahr 1996. Nach einer Pannenserie im Sommer forderten die Medien die Ablösung von Rennleiter Jean Todt. Schumacher stellte sich hinter seinen Chef und seine Mannschaft und glättete mit zwei Siegen in Spa und Monza die Wogen.

Ferraris Jagd auf die Silberpfeile

Die Nagelprobe ist der Europa-Auftakt in Spanien. Sollte die erste große Entwicklungsstufe keine Besserung bringen und Mercedes weiter einsam sein Rennen an der Spitze fahren, dann wird sich bei den Verfolgern Torschlusspanik breitmachen. Ferrari und Red Bull haben in diesem Jahr noch einmal richtig Geld in das Unternehmen Weltmeisterschaft gesteckt. Verlieren ist praktisch verboten. Weil es zu teuer geworden ist.

Die Jagd auf die Silberpfeile wird dann wieder auf das politische Parkett verlegt. Die Gegner von Mercedes fordern schon seit einem halben Jahr neue Regeln. Red Bull will ein anderes Auto, Ferrari einen anderen Motor. Mercedes-Außenminister Niki Lauda schüttelt den Kopf: „Dann wird wieder einer vorne sein, weil er besser gearbeitet hat als die anderen. Und wer garantiert Ferrari und Red Bull, dass sie es sind?“

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