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Sebastian Vettel : Der Weltmeister startet die Aufholjagd

  • -Aktualisiert am

Alarmstufe Rot? Bei Red Bull haben die Mechaniker derzeit mehr zu tun als die Fahrer. Bild: dpa

Red Bull hat die ersten Probleme gelöst, doch der Abstand vor allem zu Mercedes scheint enorm. Formel-1-Champion Sebastian Vettel ist darum bemüht, das Positive zu sehen.

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          Die Arbeitstage von Red Bull beginnen spät. An den drei Testtagen von Bahrein ging der Rennwagen des Weltmeister-Teams jeweils mit mindestens einer Stunde Verspätung auf die Strecke. Dafür waren die Nächte umso länger. „Unsere Mechaniker sehen die Garage öfter als das Bett“, sagte Sebastian Vettel. Es wird viel geschraubt bei Red Bull, immer wieder kommen neue Teile an – aus der Red Bull-Fabrik in Milton Keynes und aus Paris vom Motorenhersteller Renault.

          Noch ist der Red Bull RB10 eine Baustelle. Immerhin zeigt er sich jetzt öfter auf der Rennstrecke als in Jerez. Da schafften Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo 21 Runden an vier Tagen. Jetzt sind es nach drei Tagen schon 73. „Fahren ist schon mal besser als Stehen. Weil wir Daten und Informationen sammeln und somit schneller lernen“, sagt Vettel. In seinen Worten schwingt Zuversicht mit, auch wenn Vettel zugibt: „Wir stehen noch vor einem riesigen Berg.“

          Technikchef Newey hatte hoch gepokert

          Unter der Verkleidung des Boliden wurde es beim Testauftakt zu heiß, die Zuleitung zu den Batterien ließ entweder zu viel oder zu wenig Strom durch. Das konnte sowohl die Batterien zerstören als auch die Elektromotoren beschädigen. In der Software zwischen Motor und Turbolader gab es immer wieder Abstimmungsprobleme. Sie wurden durch die Temperaturprobleme noch verschärft.

          Technikchef Adrian Newey hatte wie so oft hoch gepokert. Das macht er gerne. Er geht lieber einen Schritt zu weit und rüstet dann zurück als umgekehrt. Der Red Bull war nun in Bahrein mit größeren Öffnungen im Heck bestückt. Das hilft beim Ablassen der heißen Abluft der Kühler. Die Taille des Autos im Bereich der Hinterräder wurde nur geringfügig breiter. Da kämpft Newey um jeden Millimeter. Weil es Abtrieb kostet. Die Temperaturen unter der dunkelblauen Außenhaut des RB10 aber sind jetzt im Griff.

          Die Startschwierigkeiten sind gravierend

          Gravierender sind die Startschwierigkeiten, mit denen der Motorenhersteller Renault kämpft. „Wir arbeiten mit an der Lösung der Probleme“, sagte Teamberater Helmut Marko. Red Bull ist vertraglich zwar langfristig an die Franzosen gebunden, aber es gibt Ausstiegsklauseln für den Fall, dass die Leistung nicht stimmt. Doch wo soll Red Bull hin? Ferrari und Mercedes werden ihren größten Konkurrenten auf der Strecke kaum mit Motoren beliefern; Honda ist bis 2016 exklusiv an McLaren gebunden. Von BMW, Audi und Hyundai ist noch nichts zu sehen. Es geht das Gerücht um, Red Bull baue notfalls in der Cosworth-Motorenschmiede seine eigene Antriebseinheit. Doch das wäre ein großes Risiko. Die neuen Triebwerke sind selbst für Autokonzerne eine Herkulesaufgabe.

          Doch Renault sieht sich gut gerüstet. Auf dem Prüfstand spulen die einstigen Turbo-Pioniere problemlos Renndistanzen ab, auf der Strecke aber sind sie noch weit davon entfernt. Die Ursache dafür könnten Vibrationen und andere Temperaturen als im Labor sein. Einsatzleiter Remi Taffin versichert: „Wir haben die Probleme von Jerez zum Großteil gelöst. Jetzt ist eine Grundlage da, auf der wir aufbauen können. Wie erwartet tauchen jetzt neue Probleme auf, aber sie sind nicht mehr so gravierend wie die am Anfang.“ Marko pflichtet bei: „Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch viel Rückstand aufzuholen.“

          Die Formel 1 zerfällt in drei Ligen

          Die Aufholjagd geht ins Geld. Bis jetzt wurden bereits 100 Millionen Euro in die Entwicklung der neuen Motorentechnik investiert. Doch Taffin bestreitet, dass Red Bull Renault die Pistole auf die Brust gesetzt hat: „Dazu brauchen wir Red Bull nicht. Den größten Druck üben wir auf uns selbst aus.“ Im Augenblick zerfällt die Formel 1 in drei Ligen. Vorneweg die Mercedes-Kundschaft, knapp dahinter Ferrari, mit weitem Abstand Renault. „Ich kann nur hoffen, dass wir dieses Jahr nicht drei getrennte Meisterschaften erleben. Der Windkanal sagt uns, dass wir ein exzellentes Auto haben. Es wäre fatal, wenn uns da der Motor einen Strich durch die Rechnung machen würde“, sagt Lotus-Chef Gérard Lopez, dessen Team auch von Renault abhängig ist.

          Wer den bisher besten Eindruck hinterlässt? Mercedes legte in Bahrein Rundenzeiten auf die Bahn, die 6,1 Sekunden schneller waren als die von Red Bull; McLaren fährt Versuche mit allen vier Reifentypen; Williams simuliert bereits ein richtiges Rennen mit Boxenstopps und Starts; Ferrari ist bereits darum bemüht, den Fahrern den maximalen Fahrkomfort zu geben, damit sie sich auf das konzentrieren können, auf das es in diesem Jahr ankommt: Sprit sparen, Reifen schonen und die neue Antriebstechnik so zu verstehen, dass man die ganzen Systeme optimal nutzt. „Wir befinden uns bereits im Feintuning“, sagt Fernando Alonso.

          Daran ist bei Red Bull noch nicht zu denken. Die Motoren werden aus Sicherheitsgründen nur mit gedrosselter Drehzahl betrieben. Vettel erzählte vor seiner Abreise aus Bahrein: „Ich fahre immer mit dem gleichen Reifentyp. Mit der Abstimmungsarbeit fangen wir erst nächste Woche an. Die Rundenzeiten spielen keine Rolle. Wir befinden uns erst in der Lernphase.“ Die Konkurrenz ist schon einen Schritt weiter. Wenn nicht sogar zwei.

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