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Sebastian Vettel : Das abgeklärte Wunderkind

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Autogramme im Blitzlicht: der Fahrschüler Vettel wurde bislang in seinen Sommerurlauben nicht erkannt Bild: dpa

Sebastian Vettel war schon als Knirps im Kart ein Tüftler. In der Formel 1 geht er noch akribischer vor. Er will Weltmeister werden, den Weg dorthin kennt er noch nicht. Eines aber steht schon fest: Er ist ein anderer Typ als Michael Schumacher.

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          Nach vier Rennen in dieser Saison suchte man seinen Namen noch vergeblich im Gesamtklassement der Formel 1. Sebastian Vettel fehlte, weil er viermal nicht ins Ziel gekommen war. Seit dem vergangenen Wochenende rangiert er auf dem neunten Platz - dank des sensationellen Triumphs in Monza. 714 Tage nach Michael Schumachers letztem Sieg beim Großen Preis von China im Jahr 2006 stand wieder ein deutscher Formel-1-Fahrer ganz oben auf dem Podest (Siehe: Formel 1 in Italien: Vettel jüngster Grand-Prix-Sieger aller Zeiten).

          Dass es ausgerechnet der Jüngste der fünf deutschen Piloten sein würde, kam auch für Experten überraschend. Denn Vettel fährt für das kleinste Team im Feld. Am Tag seines Sieges beschäftigte Toro Rosso 175 Mitarbeiter. Er selbst zählt mit 22 Formel-1-Einsätzen noch zu den Fahrschülern. Am Tag seines Sieges in Monza war er 21 Jahre und 73 Tage alt.

          Vettel ist ein offenerer Typ als Schumacher

          Der Heppenheimer mit Wohnsitz Walchwil in der Schweiz hat in seiner so rasant verlaufenen Karriere schon einige Rekorde angehäuft. Er ist der jüngste Fahrer der Geschichte mit einem Sieg, mit einer Pole Position, mit Führungskilometern und mit einem WM-Punkt. Doch das Wunderkind kommentiert die frühe Rekordflut gelassen: „Es gab vor mir einen Jüngsten, und es wird auch nach mir einen geben.“

          Abgeklärt mit 21: Sebsatian Vettel

          Der Vergleich mit Deutschlands Motorsport-Ikone Michael Schumacher liegt auf der Hand, doch er wird Vettel nicht gerecht. „Mit Michael kann sich keiner vergleichen.“ (Siehe: Formel-1-Kommentar: Ein neuer Schumi? Abwarten!) Vettel ist zudem ein ganz anderer Typ als der siebenmalige Weltmeister: lockerer, offener, nicht so verbissen auf ein Ziel fixiert. „Ich habe auch das Ziel, Weltmeister zu werden, aber ich kenne den Weg dorthin noch nicht.“ (Siehe: Sebastian Vettel: „Ich habe den Ehrgeiz, Weltmeister zu werden“ )

          Dass er noch keinen offiziellen Fanklub hat, findet er amüsant

          Deshalb macht er sich auch keine Gedanken darüber, dass er im nächsten Jahr in einem Red Bull und nicht in einem Auto eines der Spitzenteams sitzen wird. „Wer weiß schon, wie die Reihenfolge im nächsten Jahr mit dem neuen Reglement aussehen wird. Ganz vorne wird es kein Erdbeben geben, aber dahinter liegt das Feld so eng zusammen, dass es zu Verschiebungen kommen kann.“

          Der sechste deutsche Grand-Prix-Sieger nach den Schumacher-Brüdern, Heinz-Harald Frentzen, Graf Berghe von Trips und Jochen Mass bringt eine authentische Note in die Scheinwelt der Formel 1. Er sagt, was er denkt, und er hat oft die Lacher auf seiner Seite. Er reist nicht mit dem Flugzeug nach Monza, sondern mit dem Auto. Er wohnt nicht im Hotel, sondern mit Vater und Mutter im Motorhome auf einem Parkplatz. Er macht in der Sommerpause Urlaub in Skandinavien und nicht in einer der üblichen Jetset-Destinationen. Dass ihn auf seiner Tour durch Schweden und Finnland nicht ein Mensch erkannt hat, findet er amüsant. Dass er noch keinen offiziellen Fanklub hat, auch. „Hin und wieder kriege ich komische Post, so in der Art: Können wir uns mal auf einen Kaffee treffen?“

          Kein Simulator? „Zu Fuß erkenne ich mehr“

          Doch der Sonnyboy hat auch ein zweites Gesicht. Bei Toro Rosso sagen sie, dass der Kleine mit dem Bubengesicht ganz schön hartnäckig sein kann, wenn er mit dem Auto nicht zufrieden ist (Siehe: Sebastian Vettel: „Geh raus und gib es ihnen“). Sobald er im Cockpit festgeschnallt wird, ist Schluss mit lustig. Als in Spa Teamkollege Sebastien Bourdais ausnahmsweise mal schneller war, ließ sich Vettel in einer der kurzen Pausen während des Abschlusstrainings die Daten ins Auto reichen. Auf der Geraden verlor er regelmäßig drei Kilometer pro Stunde auf den Franzosen. „Da habe ich den Zettel zerknüllt und weggeworfen.“

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