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Sebastian Vettel : Alles oder nichts

  • -Aktualisiert am

In Monza muss Sebastian Vettel schnell die Kurve kriegen, um noch auf den Titel hoffen zu dürfen Bild: AFP

Der Große Preis von Italien am Sonntag (14.00 Uhr) erscheint wie die letzte Chance für Sebastian Vettel, das Blatt im Titelkampf der Formel 1 noch einmal zu wenden. Doch er startet nur von Platz sechs. War der Druck für Vettel je größer?

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          Man weiß wenig über Sebastian Vettels Privatleben. Nur so viel ist sicher: Vier Lebensabschnittsgefährtinnen hat er schon verschlissen in den vergangenen zwei Jahren. Julia 2008, Kate und Kate’s Dirty Sister 2009. In dieser Saison musste schon Luscious Liz, die leckere Liz, dran glauben. Manche konnten bei der Entwicklung unter Partnern eben nicht Schritt halten, andere waren schlicht unzuverlässig. Liz vertraute Vettel nicht mehr, wenn er „es mal fliegen lassen wollte“.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Jetzt schlägt sein Herz für Randy Mandy, die „scharfe“ Mandy. So hat er seinen Red Bull genannt. Vettel hat seine Ansprüche. Es muss schnell vorangehen in seiner Karriere. „Ich will Formel-1-Weltmeister werden“, sagt er. Lieber heute als morgen. Und da ist die Beste gerade gut genug. Mit Randy Mandy konnte zuletzt keine im Fahrerlager mithalten. Weder das Spitzenmodell von McLaren noch die verblasste „Göttin“ von Ferrari.

          Sie ist „das beste Auto im Feld“, sagen Vettels Gegner. Aber inzwischen zweifeln sie gerne, ob dieses Duo zur Führung taugt. Vettel ist erst 23. Zuletzt hatte er Randy Mandy für einen Augenblick nicht im Griff. Sie bändelte in Belgien heftig mit Jenson Button und seinem McLaren an, warf den völlig überraschten Champion aus der Bahn. Nun behaupten die Rivalen, ihr junger Kollege habe, weil sich die Fehler häuften, noch nicht die Weltmeisterreife für so ein Geschoss.

          „Ich will Formel-1-Weltmeister werden” - doch dafür muss Sebastian Vettel schnell siegen
          „Ich will Formel-1-Weltmeister werden” - doch dafür muss Sebastian Vettel schnell siegen : Bild: dpa

          „Er hat eben eine gute Erziehung“

          Ohne beste Beziehungen kommt man auch in der Formel 1 nicht weit. Vettel knüpft sie in Sekundenschnelle. Mit kleinen Gesten. Der Jungstar, ein Pilot von Weltklasse, ist freundlich, frei von Eitelkeiten. Er schaut den Menschen in die Augen, beim Bäcker, bei der Analyse der Renndaten mit den Ingenieuren, bei der Autogrammstunde. „Er hat eben eine gute Erziehung“, sagt Helmut Marko, ein Vettel-Förderer bei Red Bull und Verbindungsmann zum milliardenschweren Besitzer Dietrich Mateschitz. Das haben sie gespürt im Fahrerlager.

          In zwei Jahren stieg er vom Testpiloten bei BMW nicht nur zum jüngsten Grand-Prix-Sieger der Formel 1 (2008 im Toro Rosso) und zum erstbesten WM-Kandidaten bei Red Bull auf. Mit seinem beschwingten, lockeren Auftritt nahm Vettel die Szene für sich gefangen. „Er hat in jungen Jahren eine außergewöhnliche Reife bewiesen“, fügt Marko hinzu: „Damit meine ich seinen Speed, die Fahrzeugkontrolle, sein Wissen um die Technik, die Fähigkeit, den Wagen abzustimmen. Ihm ist ein komplexer Auftritt gelungen.“ Denn selten hat ein Pilot so schnell ein so gutes soziales Netzwerk geknüpft. Jetzt muss es eine harte Probe bestehen. Der missratene Angriff des Heppenheimers verwandelte beim Großen Preis von Belgien nicht nur Buttons Boliden in einen Schrotthaufen.

          Das Manöver warf den Hessen sowohl in der offiziellen Fahrer- als auch in der inoffiziellen Sympathiewertung zurück. 31 Punkte liegt er hinter dem führenden Engländer Lewis Hamilton (182/McLaren), 28 hinter seinem Teamkollegen Mark Webber. In England glaubt man an einen Sturz vom „Übertalent“ (Hamilton) auf die Ebene des „Crash-Kid-Dummy“. Weil nur noch sechs Rennen bis zum Saisonende auf dem Programm stehen, erscheint der Große Preis von Italien an diesem Sonntag nun wie eine letzte Chance, die Brüche zu kitten, das Blatt zu wenden, die Beziehung zu retten. War der Druck je größer?

          „Das müssen wir klären“

          Vettel schüttelt den Kopf: „Der Druck ist wie immer.“ Das sagen sie alle in solchen Situationen. Und schotten sich ab. Vettel aber hüpft nach den teils bohrenden Fragen zu seinem Fehler von Spa ins prallgefüllte Tagesprogramm seines Arbeitgebers. Aufgabe sechs von acht an seinem Elf-Stunden-Tag in Monza: Autogramme schreiben vor der Box von Red Bull. Vettel signiert, wie er fährt. In einem Affentempo. Karten mit seinem Konterfei, Schlüssel, Mercedes-Bücher, er versucht sich als Aktmaler und spricht mit den Menschen, die nach ihm gieren. Zwanzig Minuten sind Pflicht. Vettel bleibt 35.

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