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Schumachers Wochenende : Stehen, reden, rasen

Ob ihm die Raserei noch Spaß bereitet? „Ich setze mir meine eigenen Ziele”, sagt Schumacher Bild: dpa

Der spezielle Rhythmus eines Formel-1-Wochenendes: Vier Tage an der Seite von Mercedes-Pilot und Rekordweltmeister Michael Schumacher beim Großen Preis von Spanien in Barcelona.

          DONNERSTAG, 10.30 Uhr: In Genf steigt Michael Schumacher in sein Privatflugzeug und nimmt Kurs auf Spanien. Erstmals in dieser Saison ist seine Frau Corinna dabei. Auch seine Managerin Sabine Kehm und Physiotherapeut Kai Schnapka sind mit an Bord. Eine Stunde später landen sie in Girona, siebzig Kilometer sind es noch bis zum Circuit de Catalunya. Schumacher sitzt selbst am Steuer, er mag es nicht, nur der Beifahrer zu sein.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          13 Uhr: Eine erste Besprechung mit den Ingenieuren und Technikern. Es geht um das neue Setup, die Veränderungen am Auto seit dem Rennen in der Türkei vor zwei Wochen. Routine. Mehr nicht.

          15.30 Uhr: Auf einem Roller fährt Schumacher die Strecke ab. 4,655 Kilometer, neun Rechtskurven, sieben Linkskurven. Er sucht nach Bodenwellen, mustert den Asphalt, geht im Kopf noch einmal die Ideallinie durch. Niemand stand in Barcelona öfter auf der Pole Position (sieben Mal) als er, kein anderer Fahrer hat den Großen Preis von Spanien häufiger gewonnen (sechs Mal). Auch bei den letzten Wintertests vor dem Saisonbeginn setzte er hier die Bestmarke.

          16.30 Uhr: Erster Auftritt vor der Weltpresse. Schumacher trägt Jeans, Turnschuhe und ein graues Hemd mit Sponsoren-Aufdrucken. Darunter zeichnen sich Muskeln ab, für einen Zweiundvierzigjährigen ist er außerordentlich gut trainiert. „Ich fühle mich noch immer stark genug, was meinen körperlichen Wert angeht“, sagt er. Aber einige zweifeln mehr und mehr an seinem Anspruch, noch mit den Besten der Branche mithalten zu können. Nach Platz zwölf in der Türkei rieten ihm einige Experten aus England schon wieder zum Rücktritt. David Coulthard, Johnny Herbert oder Eddie Jordan. Womöglich begleichen sie nun alte Rechnungen, die ersten beiden hat Schumacher zumeist auf der Strecke hinter sich gelassen. Das Team von Jordan verließ er schon nach seiner Premiere in der Formel 1 wieder und machte sich dadurch keine neuen Freunde. Ob ihm die Raserei noch Spaß bereite? Schumacher lächelt die Frage beiseite. „Für mich persönlich ist der Druck nicht größer geworden. Ich setze mir meine eigenen Ziele“, sagt er. „Ich bin mir mehr als sicher, dass ich es dieses Jahr noch auf das Podium schaffe.“

          Donnerstag: Vespa-Pilot Schumacher

          17.17 Uhr: Die Fans schreien nach ihm und skandieren seinen Namen: „Michael! Michael!“ In der Boxengasse ist ein kleines bisschen Hysterie ausgebrochen. Hunderte drängen sich an die rote Absperrung, die Sicherheitsleute haben Probleme, sie zurückzuhalten. Alles nur für ein Autogramm mit dem großen Idol, für ein Foto und ein kleines bisschen Nähe. Schumacher lächelt, erst nach fünfzehn Minuten verschwindet er wieder. Er muss zur nächsten Besprechung mit dem Team.

          19.28 Uhr: Schumacher steigt in einen schwarzen Mercedes und fährt ins Zentrum von Barcelona. Dreißig Kilometer, dann sitzt er in einer Bar im 26. Stock eines Designhotels mit Blick auf das Meer und gibt dem Hauptsponsor Petronas ein Interview. Es ist der letzte Pflichttermin für diesen Tag. Alles andere ist Vergnügen. Abends geht er mit Corinna in einem Restaurant essen.

          FREITAG, 9 Uhr: Besprechung mit den Ingenieuren. Wieder geht es um das Setup, die Balance und mögliche Verbesserungen.

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