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Schumachers Comeback : Der Retter der Formel 1

Rückkehr des Heroes: Schumacher fährt wieder Bild: AP

Der Sitz ist bereits angepasst, ein Aufbautraining wird folgen. Und heute schon wird er in einem alten Boliden aus dem Jahr 2007 üben. Die Formel-1-Welt spielt verrückt wegen der Rückkehr ihres Helden Michael Schumacher.

          Vielleicht war ihm überhaupt nicht bewusst, welches Ausmaß seine Entscheidung annehmen würde. Vielleicht hat Michael Schumacher nicht einmal darüber nachgedacht, welche Erwartungen in seine Rückkehr in die Formel 1 projiziert werden. Es sind beinahe schon existenzielle Vorstellungen. „Er wird nach all dem sportpolitischen Chaos der Retter der Formel 1 sein“, sagt Niki Lauda, der 1982 nach zwei Jahren Pause selbst in die Königsklasse des Motorsports zurückgekehrt war und 1984 sogar zum dritten Mal Weltmeister wurde.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der 40 Jahre alte Schumacher aber hat sich nur zu einem Comeback auf Zeit entschlossen, zum ersten Mal beim Grand Prix in Valencia am 23. August und voraussichtlich bis zum Saisonende wird er den verletzten Felipe Massa bei Ferrari ersetzen. Verlockende Aussichten. Für alle, die sich für die Formel 1 interessieren oder kräftig daran verdienen.

          Problemstelle Nacken

          Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Noch am Mittwoch hat er nun in Maranello eine Sitzprobe für das neue Modell unternommen. Heute schon soll er auf der Ferrari-Hausstrecke in Maranello erste Übungsrunden in einem Boliden aus dem Jahr 2007 fahren, um sich wieder an die Fliehkräfte zu gewöhnen. Testfahrten im aktuellen Auto sind wohl nur für einen PR-Termin möglich, den Ferrari vermutlich vor dem Rennen in Valencia wahrnehmen wird. „Zwar kann ich hier keine aktuellen oder letztjährigen Autos fahren, aber ich möchte eben so viel wie möglich fahren, und da ist das schon mal eine gute Option“, erklärte Schumacher vor Fahrtantritt auf seiner Internetseite.

          Grund zur Freude auch für Bernie Eccelstone (r., nach einem Schumacher-Sieg im Jahr 2000): Die Rückkehr Schumachers lenkt von den Problemen der Formel 1 ab

          Zudem wird sich Schumacher in einem Simulator des Mutterkonzerns Fiat in Orbassano nahe Turin vorbereiten, er stählt seine Muskulatur und wird in den kommenden Tagen eine medizinische Untersuchung überstehen müssen. Beispielsweise wird die Sehschärfe werden ermittelt, zudem orthopädische Tests durchgeführt. „Das einzige Risiko, das ich sehe, ist der Nacken“, sagt Sabine Kehm, die persönliche Pressesprecherin von Schumacher. Im Februar hatte sich der gebürtige Kerpener bei einem Motorradunfall verletzt und musste danach lange pausieren. Johannes Peil, der als Chefarzt der Sportklinik in Bad Nauheim seit neun Jahren mit Schumacher zusammenarbeitet, lobt jedoch dessen Willen und Fitness. „Wenn Michael nicht so hart in all den vergangenen Monaten gearbeitet hätte, wäre das alles gar nicht möglich.“ Auch Ferrari teilt mit: „Michael Schumacher ist bereit. In den kommenden Tagen wird er ein spezifisches Trainingsprogramm absolvieren, und danach wird seine Teilnahme am Valencia-Rennen bestätigt.“

          Die Formel-1-Welt spielt verrückt

          Keine Einwände also, nur Vorfreude. Bayern-Präsident Franz Beckenbauer verspricht, dass auch er wieder die Formel 1 schauen werde, Box-Weltmeister Witali Klitschko verweist auf sich selbst und die Tatsache, dass man selbst nach vier Jahren Pause mit einem Titelgewinn zurückkehren könne. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel – einst vom Boulevard „Bubi-Schumi“ genannt – freut sich auf die Duelle auf der Strecke. Sie werden folgen, ganz vorne an der Spitze. Zumindest glauben das die Wettanbieter, die die Chancen von Schumacher auf einen Sieg in Valencia besser bewerten als jene von Jenson Button, dem derzeitigen WM-Führenden. Dazu passt die Hochrechnung vom Donnerstag, dass Schumacher sogar noch Weltmeister werden könnte. Einzige Bedingung: Sieben Siege und null Punkte für Button in den kommenden sieben Rennen. Die Welt spielt verrückt.

          Beinahe überall in Europa waren zuletzt die Zuschauerzahlen an den Rennstrecken gesunken. Ein Debakel kündigte sich für den Großen Preis von Europa in Spanien an. Nachdem Renault aufgrund eines fahrlässigen Vergehens beim Boxenstop vom Internationalen Automobil-Verband (Fia) für das kommende Rennen gesperrt wurde und damit auch Volksheld Fernando Alonso nicht an der Startampel stehen wird, kommt Schumacher wie gerufen. Auch für die übertragenden Fernsehsender. „Valencia 2009 wird ein historisches Rennen“, sagt Manfred Loppe, der Sportchef von RTL. „Schumacher, der Champion ist zurück, Vettel, sein Thronfolger fordert ihn heraus – das hat es noch nie gegeben.“

          Schumacher muss noch seinen Führerschein verlängern

          Kaum einer kennt Schumacher besser als Balbir Singh. Der gebürtige Inder war zehn Jahre lang sein Masseur und Physiotherapeut, hat für ihn gekocht und ihm vor den Rennen einen schützenden Schirm gehalten. Irgendwann ist aus ihrem Dienstverhältnis eine Freundschaft geworden. „Die Formel 1 brauchte wieder einen Heroe – und genau so einer ist Michael“, sagt Singh, der inzwischen für Force India arbeitet. Seine Hilfe sichert er dennoch zu. „Wenn Michael mich braucht, dann werde ich für ihn da sein.“ An seine Stärken glaubt Singh noch immer: „Körperlich und mental ist er anderen Fahrern im Feld noch immer überlegen.“

          Aber selbst ein siebenmaliger Weltmeister muss sich vor seiner Rückkehr in den spektakulärsten Kreisverkehr der Welt mit ganz profanen Dingen beschäftigen. Sein Führerschein, die für die Formel 1 erforderliche Superlizenz, muss verlängert werden. Aber daran wird seine Wiederkehr nicht scheitern. Das hat die Fia am Donnerstag bestätigt. Auch Vater Rolf Schumacher freut sich deshalb. „Er wird gebraucht. Das ist doch super. Wenn er wieder Motorrad fahren würde, hätte ich mehr Sorgen.“

          Massa geht es immer besser

          Schumacher hat sich nach der Erklärung auf seiner Homepage öffentlich nicht mehr geäußert. Aber ihn beschäftigt nicht nur die eigene Rückkehr, er interessiert sich auch für den Heilungsprozess seines langjährigen Teamkollegen Felipe Massa.

          Die Nachrichten, die am Donnerstag aus dem Krankenhaus in Budapest kamen, dürften ihn beruhigt haben. „Ich will heimgehen. Ich fühle mich komplett gut“, soll der Brasilianer nach Angaben seines persönlichen Arztes Dino Altmann gesagt haben. „Er macht alles, was ein gesunder Mensch macht. Er isst, er läuft, er spricht. Heute hat er auch geduscht.“ Am Samstag wollen die Ärzte entscheiden, wann Massa das Krankenhaus verlassen darf.

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