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Schumachers Abschied : Der Verlust

Ein Mann geht seinen Weg Bild: AFP

Beinahe zwei Jahrzehnte hat die Formel 1 von Michael Schumacher profitiert. Vermutlich wird er die Rennserie schon bald nicht mehr vermissen. Aber gilt das auch umgekehrt?

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          Weltmeister, Teamchefs, TV-Experten, Fanartikelverkäufer, Rennstreckenbetreiber - eine ganze Branche verabschiedet Michael Schumacher und merkt vielleicht noch gar nicht, wen sie da verliert: eine Weltmarke, ein Idol, einen der größten Sportler überhaupt, den womöglich besten Rennfahrer in der Geschichte. Und damit einen Verkaufsschlager und Quotenbringer. Beinahe zwei Jahrzehnte hat die Formel 1 von Schumacher gelebt, von ihm profitiert, mit ihm verdient. Vor allem in Deutschland könnte der eine oder andere ein paar Tränen vergießen, wenn er an die schöne Vergangenheit denkt. Volle Tribünen, volle Kassen: Schumacher hat die Raserei hierzulande populär gemacht, mit seinem Aufstieg machte das Fernsehen plötzlich fette Gewinne, Sponsoren und Konzerne entdeckten das PS-Spektakel für sich, und überall schossen Kartbahnen aus dem Boden. Schumachers Erfolge waren der Nährboden für Talente wie zum Beispiel Sebastian Vettel.

          Der Fünfundzwanzigjährige ist der jüngste zweimalige Weltmeister in der Geschichte der Formel 1, manch einer traut ihm sogar zu, die Rekorde seines Vorbildes zu brechen - und doch wird aus Vettel kein neuer Schumacher mehr. Im vergangenen Jahr raste der Heppenheimer von Erfolg zu Erfolg, trotzdem interessierten sich mindestens genauso viele Menschen für den Kerpener, für seinen Kampf gegen das Altern und die Jugend der Welt. Ein Mann bewegt noch immer eine ganze Sportart. Das war die Hoffnung in Hockenheim und am Nürburgring, wo der Rekordweltmeister nicht mehr an den Start gehen wird. Schumacher diente als Verkaufsargument, ihn wollten die Fans sehen, er hat den Veranstaltern zuerst Millionengewinne beschert und sie zuletzt animiert, an eine bessere Zukunft zu glauben. Nun droht 2013, das ist nicht abwegig, eine Saison ohne einen Grand Prix in Deutschland.

          Zeit, Abschied zu nehmen: Michael Schumacher

          Schumacher hat nach seiner ersten Karrierephase 2006 bewiesen, dass er ohne die Formel 1 über die Runden kommt. Den geliebten Adrenalinkick holte er sich beim Fallschirmspringen oder bei Motorradrennen. Das wird er vermutlich wieder machen und dabei die Formel 1 schon bald nicht mehr vermissen. Aber gilt das auch umgekehrt? Schumacher riskiert nichts mit seinem Rückzug. In der Formel 1 aber sollten die Alarmglocken läuten. Denn was kommt nach ihm?

          Der Serie bleiben in Vettel, Alonso, Hamilton, Button und Räikkönen zwar fünf Weltmeister, und die Formel 1 macht, abgesehen von Afrika, auf jedem Kontinent Station. Trotzdem wird sie erst erfahren, was sie wert ist, wenn die Vergleiche mit Schumacher, seinen 91 Siegen und sieben Titeln, enden. Das wird Jahre dauern, eher Jahrzehnte.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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