https://www.faz.net/-gtl-7qrr0

Schumachers Krankenakte gestohlen : Größtmögliche Verletzung der Privatsphäre droht

  • Aktualisiert am

Michael Schumacher Bild: AFP

Neue Sorgen für Familie Schumacher: es droht die Veröffentlichung von Details aus der gestohlenen Kranken-Akte. Die Polizei ermittelt. Managerin Kehm kündigt juristische Maßnahmen an, sollten die privaten Informationen publik werden.

          2 Min.

          Eine Woche nach der Verlegung von Michael Schumacher in eine Reha-Klinik hat der Diebstahl seiner Krankenakte für Erschütterung gesorgt. „Seit einigen Tagen werden einigen Medienvertretern gestohlene Dokumente/Daten zum Kauf angeboten, von denen der Anbieter behauptet, es handele sich um die Krankenakte von Michael Schumacher“, teilte seine Managerin Sabine Kehm am Montagabend mit. Fakt sei, dass die Unterlagen gestohlen wurden, betonte Kehm in ihrer Mitteilung. Die Polizei sei bereits eingeschaltet worden. Es wird ermittelt.

          Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise in Grenoble meldete, hat das dortige Universitätsklinikum den Diebstahl in der vergangenen Woche angezeigt - nach Schumachers Verlegung in ein Krankenhaus in der Schweiz. Die Zeitung „Dauphiné Libéré“ berichtete, auch Schumachers Schweizer Anwälte hätten Anzeige erstattet. Laut der Regionalzeitung wurden die ersten zwei Seiten einer rund zehnseitigen Akte gestohlen. Das Computersystem des Klinikums werde auf einen möglichen Hackerangriff oder unbefugten Zugang untersucht.

          Kehm stellte unmissverständlich klar, was passiert, wenn diese höchst sensiblen und absolut privaten Inhalte an die Öffentlichkeit gelangen sollten. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Ankauf solcher Unterlagen/Daten sowie deren Veröffentlichungen verboten sind“, erklärte sie in ihrem Statement. „Daten aus der Krankenakte sind höchst vertraulich und dürfen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden“, schrieb Kehm und kündigte in jedem Einzelfall Strafanzeige an, falls gegen die Wahrung der Intimsphäre verstoßen werde.

          Bislang drangen in den fast sechs Monaten kaum Details über Schumachers Zustand nach außen. Auch wenn Fremde schon versucht hatten, sich Zugang zu verschaffen. Gleich zu Beginn hatte sich ein Mann als Priester verkleidet, um zu Schumacher zu gelangen. Später hatten zwei Personen versucht, ins Zimmer auf der Intensivstation des Uni-Hospitals in Grenoble zu gelangen, um Schumacher zu fotografieren. Vor allem zu Beginn lauerte ein riesiges Medienaufgebot vor dem Krankenhaus.

          Hintergründe des Diebstahls unklar

          Schumachers Frau Corinna appellierte an die Fernseh-Teams und Journalisten, das Gelände zu verlassen und die Ärzte in Ruhe arbeiten zu lassen. Von ihr und der Familie gab es zu keinem Zeitpunkt Statements zum Zustand des mittlerweile 45-Jährigen, der sich bei seinem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatte. Wenn, dann gab und gibt Managerin Kehm Informationen zu dem siebenmaligen Formel-1-Weltmeister bekannt. Völlig unklar ist bislang, wie die Akte nun in die Hände eines Fremden gelangen konnte.

          Schumacher lag bis vergangenen Montag in der Universitätsklinik von Grenoble, dort war er nach seinem Skiunfall am 29. Dezember eingeliefert und monatelang behandelt worden. Vor einer Woche teilte Managerin Kehm mit, dass Schumacher nicht mehr im Koma liege und nach Lausanne in eine Reha-Klinik gebracht worden sei. „Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll“, hatte sie damals geschrieben.

          Das Statement zum Diebstahl der Schumacher-Akte

          Die Krankenakte von Michael Schumacher wurde gestohlen. Die dpa dokumentiert das Statement von Sabine Kehm, der Managerin des Formel-1-Rekordweltmeisters.

          „Seit einigen Tagen werden einigen Medienvertretern gestohlene Dokumente/Daten zum Kauf angeboten, von denen der Anbieter behauptet, es handele sich um die Krankenakte von Michael Schumacher.“

          „Wir können nicht beurteilen, ob die Unterlagen echt sind. Fakt ist jedoch: Die Unterlagen sind gestohlen. Der Diebstahl wurde angezeigt. Ermittlungsbehörden sind eingeschaltet.“

          „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Ankauf solcher Unterlagen/Daten sowie deren Veröffentlichungen verboten sind. Daten aus der Krankenakte sind höchst vertraulich und dürfen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden.“

          „Gegen die Veröffentlichung von Inhalten aus der Krankenakte werden wir daher in jedem Einzelfall Strafanzeige wegen der Verwirklichung aller in Betracht kommender Straftatbestände stellen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

          Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.