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Formel 1 : Mit Vollgas in die Zukunft

Lewis Hamilton hat die Konkurrenten nicht nur auf der Strecke abgehängt. Bild: Reuters

Keine Gratwanderung war spezieller als die 71. Weltmeisterschaftstour der Formel 1 – die Saison 2020. Im nächsten Jahr scheint der Rennkalender business as usual zu zeigen. Doch es stellen sich einige Fragen.

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          Die Formel 1 hat seit 1950 mehr als nur ein paar bemerkenswerte Runden gedreht, aber vermutlich war keine Gratwanderung spezieller als die 71. Weltmeisterschaftstour, die Saison 2020. Vom Startabbruch unmittelbar vor Öffnung der Zuschauertore im März in Melbourne über den Neustart in der Steiermark Anfang Juli bis zum Saisonende nach 17 Rennen am 3. Advent in Abu Dhabi: Die Saison, die nicht nur von Abermillionen Dollar, Pferdestärken und Treibstoff befeuert wurde, sondern von mehr als 80.000 Corona-Tests über die Runden gebracht wurde, soll ein Solitär bleiben. Die Räder mussten sich drehen, sonst hätte wohl mancher Rennstall dicht- gemacht. Dafür wurden weite Teile der Welt gemieden, gefahren wurde nur in Europa, auf der asiatischen Seite Istanbuls und am Persischen Golf.

          Im kommenden Jahr scheint der Rennkalender dann business as usual zu zeigen: 23 Rennen in aller Welt, mehr denn je, Tendenz in Zukunft weiter steigend. Doch der Rechtfertigungsdruck sinkt nicht, auch, aber nicht nur wegen der nicht bewältigten Pandemie. Gerade erst hat BMW den Ausstieg aus dem Formel-Rennsport bekanntgegeben und mit der Erkenntnis begründet, selbst in der rein elektrisch betriebenen Formel E finde ein Technologietransfer in die Serie nicht mehr statt. Honda verlässt die Formel 1 Ende der kommenden Saison, wieder einmal. Die Zukunft des Motorsports im Allgemeinen und der Formel 1 im Besonderen hängt auch davon ab, welche Ausfahrten die Gesellschaften aus der Pandemie nehmen.

          Die Reiseroute der Formel 1 steht einstweilen. Kommendes Jahr geht es erstmals nach Saudi-Arabien. Nicht nur dort wird der neue Formel-1- Chef, Ferraris einstiger Rennleiter Stefano Domenicali, den Kurs der Serie erläutern müssen, die sich in diesem Jahr unter den Regenbogen der Vielfalt gestellt hat und für „Black Lives Matter“ gefahren ist. Eine spannende Frage, die in dieser Saison aufgeworfen wurde: Wie stark drückt Lewis Hamilton, der einzige Superstar des Rennsport, aufs Gaspedal in Fragen gesellschaftlichen Engagements? Auch hier hat der Engländer so gut wie alle anderen abgehängt.

          Gleichzeitig dominieren Hamilton und Mercedes das sportliche Geschehen weiter. Ein grundlegender Richtungswechsel im kommenden Jahr ist nicht zu erwarten. Hamilton hält, die ausstehende Vertragsverlängerung vorausgesetzt, Kurs auf den achten Weltmeistertitel. Wer soll ihn aufhalten? Teamkollege Valtteri Bottas gelingt es nicht. Der junge George Russell, Hamiltons Krankheitsvertretung im zweiten Rennen in Bahrein vor einer Woche, hat gezeigt, welch großes Talent in ihm steckt. Er wird ein weiteres Jahr bei Williams geparkt.

          Im Grunde eine absurde Situation. Chefpiloten suchen den schnellen Aufstieg. Womöglich eine Gelegenheit für Mick Schumacher, im gleichfalls unterlegenen Haas im Vergleich mit Russell zu zeigen, was in ihm steckt. Schumachers Debüt sorgt für Schlagzeilen in Deutschland, einstweilen. Sportlich wird es für ihn darum gehen, dem Ende des Feldes davonzu- fahren, den Teamkollegen zu schlagen, die Aufstiegschance zu nutzen, wenn sie kommt. Sebastian Vettel startet derweil beim in Aston Martin umbenannten Team Racing Point ins Ungewisse. Später Neustart der Karriere oder Epilog? Der deutsche Formel-1- Zuchauer wird es nur noch im Bezahlfernsehen verfolgen können. Nach mehr als 30 Jahren ist RTL in Abu Dhabi ausgestiegen. Mit einer Fahrt in den Sonnenuntergang.

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