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Rückblick und Ausschau : Ferrari würde gerne von vorn beginnen

  • -Aktualisiert am

Grund zur Freude: Michael Schumacher wurde in Ungarn Zweiter Bild: dpa/dpaweb

Oft fuhr Ferrari in dieser Formel-1-Saison nur hinterher. Die Reifen waren die größte Problemzone der Italiener. Doch jetzt, nachdem sich die Bridgestone-Gummis verbessert haben, ist es bei nur noch sechs ausstehenden Rennen wohl zu spät.

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          So beliebt war Ferrari schon lange nicht mehr bei der Konkurrenz. Normalerweise schlägt der Scuderia Neid oder Mißtrauen entgegen, wenn sie die Formel 1 dominiert - oder Schadenfreude, wenn sie der Spitze hinterherhetzt. In Budapest sagte WM-Spitzenreiter Fernando Alonso vor dem Großen Preis von Ungarn großzügig: „Ich würde mich wirklich freuen, wenn Michael Schumacher hier gewinnen würde.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Und nachdem es immerhin zu Rang zwei für den Titelverteidiger gereicht hatte, meinte Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug: „Natürlich freue ich mich, daß Ferrari wieder oben dabei ist.“ Die italienische Renngemeinschaft ist nach der anhaltenden Formkrise kein rotes Tuch mehr für die Rennställe McLaren-Mercedes und Renault, sondern ein roter Hoffnungsschimmer. In ihrem Zweikampf um die Weltmeisterschaft könnte Ferrari dem Rivalen Punkte wegschnappen, wenn man schon selbst nicht zum Triumph in der Lage ist.

          Verhaltene Zuversicht bei Ferrari

          Aber hat Ferrari schon die Klasse, diese Rolle zu übernehmen? Von einer realistischen WM-Chance der Italiener spricht ohnehin niemand mehr. Sie selbst bleiben trotz der starken Vorstellung auf dem Hungaroring vorsichtig. Michael Schumachers Trainingsbestzeit und sein zweiter Platz im Rennen kamen zu unvermittelt, als daß sie schon als Durchbruch an die Spitze angesehen würden. „Ich hoffe, daß es nicht auf Ungarn beschränkt bleibt, aber ich weiß nicht, ob wir jetzt überall so stark sein werden“, sagte der siebenmalige Weltmeister.

          Ferraris Reifen rollen in dieser Saison oft hinterher

          „Wir haben Fortschritte gemacht, aber nur, wenn wir sie ausbauen, können wir ein starkes Saisonende haben“, behauptete Technikchef Ross Brawn. Ihre Vorsicht erklärt sich durch ihre Erfahrungen in dieser Saison. Schon einige Male glaubten die Ferrari-Techniker, ihrem Ziel nahe zu sein. Aber die Testergebnisse ließen sich nicht in den Rennen umsetzen. Und man wußte einfach nicht, warum.

          Fehler im vergangenen Herbst

          Nicht, daß der Rennwagenbau Ferrari vor allzu große Rätsel stellte. Chassis, Motoren und Aerodynamikteile werden mit wissenschaftlicher Genauigkeit konstruiert und gebaut. Die große Unbekannte sind die Reifen oder genauer gesagt das Zusammenspiel der Gummis mit den wichtigen Rennwagenbauteilen. Ein Rennwagen muß nicht mehr den optimalen Anpreßdruck entwickeln, sondern nur so viel, wie die Reifen aushalten - auf Dauer aushalten - muß man hinzufügen. Denn seit dieser Saison dürfen die Pneus nach dem Qualifikationstraining und während des Rennens nicht mehr gewechselt werden. Die Reifen nur auf Haltbarkeit hin zu entwickeln, macht aber auch keinen Sinn, weil sie dann keine schnelle Rundenzeit in der Qualifikation zuließen.

          „Es ist wie ein Cocktail, den man mischen muß“, beschreibt Ferrari-Generaldirektor Jean Todt die Situation und fügt an: „Langsam, ganz langsam finden wir heraus, was wir benötigen.“ Die von Michelin ausgerüstete Konkurrenz von McLaren und Renault war da viel schneller. Ferrari beging schon im vergangenen Herbst den entscheidenden Fehler. Um mehr Zeit für die Entwicklung des neuen Modells F2005 zu haben, begann die Scuderia die Saison mit dem auf das neue Reglement angepaßten Vorjahresauto.

          Reifen zu langsam auf Betriebstemperatur

          Der Rückstand in der Weltmeisterschaft, so die Annahme, würde mit dem formidablen F2005 schnell aufgeholt sein, dessen Motoren- und Aerodynamikwerte neue Bestmarken setzten. Der Plan wäre wohl aufgegangen, wenn auch 2005 bis zu drei Reifenwechsel pro Grand Prix erlaubt worden wären. Aber die neuen Anforderungen an die Lebensdauer der Pneus schufen völlig neue Verhältnisse.

          Ferrari geriet ins Schleudern. Um sicher über die Runden zu kommen, entschieden sich die Italiener zu Saisonbeginn für harte Reifenmischungen von Bridgestone. Diese Gummis kamen aber zu langsam auf Betriebstemperatur. Also versuchte man es mit weicheren Mischungen. Aber zunächst hatte das nur die Folge, daß sich der Belag zu schnell abrieb. Der Modellwechsel in Bahrein vom Boliden 2004 zum Boliden 2005 verlängerte den Gewöhnungsprozeß zusätzlich, weil die Reifen auf das neue Chassis wieder anders reagierten. Zwischendurch funktionierte die Verbindung Reifen und Monoposto, wie in Imola, als Michael Schumacher fast noch Alonso den Sieg streitig gemacht hätte. Aber meist lagen die besten Michelin-Teams, McLaren und Renault, außer Reichweite. Mal fehlte eine Sekunde pro Runde, in Silverstone, am Tiefpunkt, waren es fast zwei.

          „Es ist eine Schande“

          In Hockenheim vor einer Woche ging es spürbar aufwärts. Nach Wochen der Verzweiflung verhalf der neu konstruierte Reifen Michael Schumacher zu Rundenzeiten, die weniger als eine Sekunde niedriger waren als die Räikkönens. Doch nach 20 Runden baute das Gummikonstrukt dramatisch ab. Immerhin blieb Rang fünf. In Ungarn konnte der Ferrari-Star Raikkönens Tempo 20 Runden lang sogar mithalten, ehe seine Pneus wiederum nachließen, diesmal aber schon weniger. Ein deutlicher Fortschritt. Und schon an diesem Montag sitzt Testpilot Luca Badoer in Monza am Steuer eines F2005, um für den nächsten Grand Prix in Istanbul neue Mischungen auszusortieren.

          Vier Tage lang wird er insgesamt etwa 40 verschiedene Gummilegierungen testen, während bei der Konkurrenz die Räder stillstehen. Ferrari hat sich der Vereinbarung der neun anderen Rennställe über eine dreiwöchige Testpause nicht angeschlossen. „Wir machen keinen Urlaub, wir müssen das Tempo der ersten Runden in Budapest über eine ganze Renndistanz halten“, sagt Jean Todt. Ob das in dieser Saison noch gelingt? „Wenn wir einen Monat vor der Saison wären, wäre ich optimistisch. Es ist eine Schande, daß schon 13 Rennen vorbei sind.“

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