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Formel 1 : Rosberg wahrt seine Chance

  • -Aktualisiert am

Nico Rosberg fährt vorneweg und Lewis Hamilton führt trotzdem: Das Mercedes-Duell geht in die letzte Runde Bild: AFP

Nico Rosberg gewinnt den Großen Preis von Sao Paulo. Damit verringert er den Abstand auf den Gesamtführenen Lewis Hamilton auf 17 Punkte. Dem Engländer reicht aber ein zweiter Platz im Abschlussrennen in Abu Dhabi zum WM-Sieg.

          Spannung erzeugt noch mehr Spannung. Das ist die Botschaft von Nico Rosberg nach seinem Sieg beim Großen Preis von Brasilien am Sonntag in São Paulo. Mit 1,5 Sekunden Vorsprung gewann der Mercedes-Pilot vor seinem Rivalen im Kampf um den WM-Titel, Lewis Hamilton, in einem packenden, bis in die letzte Runde führenden Duell. Der fünfte Saison-Erfolg reduziert seinen Rückstand in der Fahrerwertung auf 17 Punkte. Damit gewinnt der Zweikampf wieder an Dramatik. Denn beim Finale in zwei Wochen in Abu Dhabi gibt es doppelte Punkte zu gewinnen, so wurde es vor Saisonbeginn auf Wunsch von Formel-1-Manager Bernie Ecclestone festgelegt. Hamilton, der bislang zehn Grand Prix für sich entscheiden konnte, müsste bei einem weiteren Erfolg von Rosberg also Rang zwei belegen, um zum zweiten Mal Weltmeister werden zu können.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zweiter? Nur das nicht. Hamilton wollte mit zwei Siegen zum Titel fahren. Das war seine Ansage am Donnerstag, am Freitag und vor allem am Samstag, kurz nachdem er das Startplatzrennen um die Pole Position gegen Rosberg hauchdünn verloren hatte. 0,033 Sekunden. Ist da ein Unterschied auszumachen zwischen den Piloten? Haben Sie es im Auto gespürt, vorne oder hinten zu sein in diesem Duell des Jahres?

          „Nein“, die Antwort kam unisono nach dem aufregenden Spiel: Hamiltons Vorlage beantwortet Rosberg sechs Mal mit einer Antwort wie im Hase- und- Igel-Spiel: Ich bin schon da! Über eine Runde ist Rosberg mit zehn Pole Positionen der König des Sprints 2014. Er winkte ab. Was zählt ist der Sonntag, das Rennen, Hamiltons Terrain. Nur zwei von neun Pole Positionen konnte Rosberg in Siege verwandeln, Hamilton sechs von sieben: „Es macht richtig Spaß, wenn der Teamkollege vor einem ist.“ Wenn man ihn jagen kann, am besten in einen Fehler.

          Hamiltons Fehler

          Ein paar Rennen lang hat man die Uhr danach stellen können. Irgendwann tauchte Hamilton formatfüllend im Rückspiel von Rosberg auf. Am Sonntag war das wieder so. Rosberg zog leicht in Führung, lag gut zwei Sekunden vorne, als der Engländer beschleunigte. Bis auf Schlagdistanz kam er heran und wäre wohl zur Attacke gekommen, wenn der Deutsche nicht in der 27. Runde zur Box abgebogen wäre, mit einer Sekunde Vorsprung. Auf der Rennstrecke von Interlagos ist es nicht so leicht, einen schnellen Teamkollegen im identischen Auto zu überholen. Aber auf freier Bahn, während Rosberg die Reifen wechselte, bot sich Hamilton die Chance der Stunde.

          Jetzt aber, volle Attacke! Prompt unterbot er die bis dahin gültige Bestzeit und schoss mit der Aussicht auf die Führung in eine zweite Runde. „Hamilton fliegt. So wird er an Rosberg vorbeikommen“, frohlockte der BBC-Reporter, bevor ihm die Luft wegblieb bei Ansicht des nächsten Bildes: Ein Mercedes quer auf der Piste, die Hände des Fahrers am Lenkrad überkreuz beim vergeblichen Gegenlenken, „Hamilton off“, Hamilton im Abseits. Die großen asphaltierten Auslaufzonen des Motodroms José Carlos Pace hielten ihn im Rennen. Der Champion von 2008 kehrte zurück auf die Piste, ließ die Reifen wechseln und bekam die Quittung für den Ausflug: 7,6 Sekunden Rückstand. Feierabend? „In jedem Fall“, sagte Hamilton, „hat mich der Dreher die Chance auf den Sieg gekostet.“

          Unter Druck des Jägers

          Beim Branchenführer ist ein solcher Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Auto eigentlich ein Fall für den Verwaltungsmodus: Kontrolliert ins Ziel bringen. Wenn doch die Unterschiede, ohne Fahrfehler, allenfalls Sekundenbruchteile betragen. „Das habe ich gemacht“, berichtete Rosberg. Aber Hamilton hat ein Kick selten geschadet. Fehler spornen ihn an, treiben ihn im Handumdrehen wieder ans Limit und zu dem Versuch, darüber hinaus zu gehen. Auf gleichen Reifen wie Rosberg unterwegs, ließ Hamilton die Hoffnung seiner Fans Runde um Runde wieder wachsen. „Die Reifen bauten extrem ab“, erzählte Rosberg. Und der Abstand schwand beim Zuschauen. Von sieben, sechs, fünf Sekunden über zwanzig Runden bis auf 0,5 nach dem dritten Boxenstopp. Nach 52 Runden begann das Rennen um den Sieg von neuem.

          Rosberg unter Druck des Jägers Hamilton, beide eine gute halbe Minute vor den Schnellsten des Rests mit Felipe Massa im Williams auf Rang drei weit vor Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull), der Fünfter wurde. Das war ein kleines Fest für die Landsleute des Brasilianers, Massas Parkversuch zum Reifenwechsel beim falschen Team (McLaren) eine Schmonzette. Die knisternde Spannung ging von der Spitze aus. Hält Rosberg über zwanzig Runden durch, wenn Hamilton ihm quasi im Getriebe steckt? Spielen ihm die Nerven einen Streich, wenn er an den Vorteil des Briten denkt? Wer eine Sekunde oder weniger hinter dem Vordermann herfährt, darf ein Heckflügelelement beim Angriff in der eigens dafür angezeigten Überholzone flach stellen, den Luftwiderstand senken.

          Dann geht’s nochmal voran hinauf zur Zielgeraden. „Ich habe von Austin gelernt“, sagte Rosberg, „wo ich ihn beim letzten Mal zu nah ran ließ. Diesmal ist es mir gelungen, ihn aus der Gefahrenzone zuhalten.“ Die lag unterhalb von 0,5 Sekunden. Rosberg siegte, weil er selbst unter größtem Druck keinen einzigen Fehler machte. „So kann es weitergehen.“ Bei Hamilton auch. Er kann sich sogar einen zweiten Fehler leisten. Noch einmal Zweiter und er ist Weltmeister.

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