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Rosberg gegen Hamilton : Dieses Duell kann Mercedes den Titel kosten

In Belgien krachte es zwischen Nico Rosberg (rechts) und Lews Hamilton Bild: dpa

Das Duell der beiden Mercedes-Piloten Rosberg gegen Hamilton zehrt an den Nerven und könnte den Titel kosten. Motorsportchef Wolff droht beiden Piloten im Fall weiterer Kollisionen sogar mit Entlassung.

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          Keine Begrüßung, kein Blickkontakt, nichts - so saßen Nico Rosberg und Lewis Hamilton am Donnerstagnachmittag in Monza auf dem Podium und sollten erzählen, was sie gerade so fühlen und denken. Ungefähr ein Meter trennte die beiden Mercedes-Fahrer bei der offiziellen Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Italien an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET), zwischen sie wurde Ferrari-Pilot Fernando Alonso plaziert - als eine Art menschlicher Puffer. Oder sogar mehr?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ich bin hier nicht der Friedensrichter“, sagt der Spanier, und zumindest für einen Moment mussten sogar die beiden Rivalen an seiner Seite lächeln. Knapp zwei Wochen sind vergangen, seitdem Nico Rosberg seinem Teamkollegen beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps den Hinterreifen aufgeschlitzt und ihm somit das Rennen zerstört hat.

          Ein Krisengipfel wurde einberufen, Rosberg entschuldigte sich öffentlich und sagte nun: „Wir haben eine gesunde Rivalität im Team. Das ist der Grund, warum wir dort sind, wo wir sind.“ An der Spitze der Szene eben. Doch angesichts der Dominanz von Mercedes in dieser Saison wirken die Protagonisten allzu angespannt.

          Nach dem Crash in Belgien soll Rosberg eine Geldstrafe in sechsstelliger Höhe bezahlt haben. „Das Team hat seine Maßnahmen ausgesprochen - aber die bleiben im Team“, sagt Niki Lauda, der Vorstandsvorsitzende des Rennstalls, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Und fügte hinzu: „Rennfahrer sind eine ganz besondere Spezies, grundsätzlich kannst du denen nur immer wieder sagen, dass sie sich mit unnötigem Risiko selbst schaden.“

          Podium mit Puffer: Fernando Alonso trennt die beiden Mercedes-Rivalen Nico Rosberg (links) und Lewis Hamilton

          In Belgien hatte Rosberg Glück, er konnte weiterfahren, Hamilton schied aus. „Aber was ist beim nächsten Mal?“, fragt Lauda. „So etwas darf nicht mehr vorkommen, das haben wir deutlich gemacht.“ Ob er denke, dass das Verhältnis der beiden Fahrer dadurch weiter Schaden genommen habe? „Natürlich gab es erhebliche Animositäten, aber das ist ausgeräumt. Monza ist für uns nun ein Rennen wie jedes andere.“ Der Realitäts-Check aber findet erst auf der Rennstrecke statt.

          Sollte es zu weiteren Kollisionen kommen, droht Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beiden Piloten nun sogar offen mit Entlassung. „Wir müssten Entscheidungen treffen und als Konsequenz eine andere Fahrerpaarung haben“, sagte der Österreicher im Interview dem britischen Sender BBC am Freitag. „Wenn wir nicht in der Lage sind, beide dazu zu bringen, dem Teamgeist von Mercedes zu folgen, dann müssen wir uns das eingestehen.“

          Sieben Grand Prix stehen noch aus, in der Gesamtwertung liegt Rosberg derzeit mit 220:191 Punkten gegenüber Hamilton in Führung. „Das ist alles nicht in meinem Kopf. Ich freue mich auf das, was kommt, ich spüre viel Energie in mir“, sagt der Brite. Er wird angreifen auf dem Autodromo Nazionale in Monza, der letzten verbliebenen Hochgeschwindigkeitsstrecke im Formel-1-Zirkus.

          Drei Viertel des 5,793 Kilometer langen Kurses werden mit Vollgas gefahren, das Tempo an der schnellsten Stelle: mehr als 350 Kilometer in der Stunde. Bedingungen, die den beiden Silberpfeil-Piloten entgegenkommen, schließlich werden ihre Boliden von der besten Antriebseinheit der Szene beschleunigt.

          „Rennfahrer sind eine ganz besondere Spezies“: Niki Lauda

          Doch der Crash in Belgien ist für die Verantwortlichen von Mercedes eine Warnung, denn Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo macht sich als Dritter der Fahrerwertung noch immer Hoffnung auf den Weltmeistertitel. 64 Punkte trennen den Australier derzeit von Rosberg, doch allein beim Saisonfinale in Abu Dhabi wird der Sieger mit 50 Punkten belohnt. „Der Mann ist gefährlich“, sagt Lauda. „Auf den müssen wir aufpassen, auch wenn wir noch immer das schnellste und beste Auto haben.“

          Doch das hatten in der Vergangenheit schon andere - und wurden trotzdem nicht Weltmeister. Im Jahr 2007 etwa führte die Rivalität zwischen Lewis Hamilton und Fernando Alonso bei McLaren dazu, dass sich beide gegenseitig immer wieder die Rennwochenenden kaputtmachten - und am Ende Kimi Räikkönen im Ferrari Weltmeister wurde. „Die Sache ist damals sicher nicht so ausgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt der Spanier. Alonso kehrte dem Rennstall nach der Saison den Rücken, Hamilton wurde ein Jahr später erstmals Champion.

          Er kennt sich aus mit Psychospielchen, das haben auch andere Teamkollegen von ihm erlebt. „Es gibt ein paar Dinge, die er mit mir angestellt hat“, sagt McLaren-Fahrer Jenson Button. Den anderen aus der Fassung bringen, ihn verunsichern, vielleicht provozieren - die Rennen werden schon lange nicht mehr nur auf dem schmalen Band Asphalt ausgetragen. „Die mentale Verfassung spielt natürlich eine Rolle im Sport“, sagt Rosberg nun. Ob er darauf vorbereitet sei, sagt er nicht.

          Noch zu Saisonbeginn bezeichneten sich Rosberg und Hamilton als Freunde, doch das gehört längst der Vergangenheit an. Ob sie sich weiterhin vertrauen? „Vertrauen ist ein großes Wort, und es ist nicht unbedingt etwas, dass für das Rennfahren gilt“, sagt Hamilton. Beide wissen genau, dass nur einer von ihnen Weltmeister werden kann. Der andere wird als Verlierer aus dieser Saison hervorgehen. „Für uns als Team kann das doch nur gut sein“, sagt Lauda. „Einer der beiden will dann unbedingt Revanche nehmen - und das wird uns alle nochmals pushen.“ Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

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