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Formel 1 in Baku : Wutproben für Siegpiloten – und Ricciardo siegt

Ricciardo gewinnt überraschend in Baku. Bild: AFP

Hamilton provoziert Vettel, der begeht ein Revanche-Foul beim Formel-1-Rennen in Baku: Am Ende siegt Ricciardo – und der Deutsche baut die WM-Führung aus.

          Irgendwann würde es sehr, sehr eng werden zwischen den beiden. Das hatte Niki Lauda schon geahnt, der Aufsichtsratchef des Mercedes-Teams. Am Sonntag war es so weit. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel boten während des Großen Preises von Aserbaidschan alles, was zwei Sieger- und Alphatypen beim Kampf um die Formel-1-Weltmeisterschaft drauf haben: Hohe Fahrkunst, aufregende Manöver, Fouls, Emotionen, Missgeschicke und verbale Attacken. Der Unterhaltungswert stieg von Runde zu Runde. Der Frust der Fahrer auch. Hamilton wurde im Mercedes statt zu gewinnen Fünfter, Ferrari-Pilot Vettel Vierter. In der Fahrerwertung führt der Deutsche nun mit 14 Punkten vor dem Briten nach einem Rennen, das Daniel Ricciardo im Red Bull vor Valtteri Bottas im Silberpfeil und dem Kanadier Lance Stroll im Williams gewann.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was für eine Stadtrundfahrt. Mit bis zu 350 Kilometern pro Stunde schossen die Boliden durch Baku. Aber Hamilton wirkte anfangs so, als sei es ein schöner Giro, die Sonntagsnachmittags-Tour zur Entspannung. Die Hektik am Start ließ er mit einer soliden Abfahrt aus seiner 66. Pole-Position hinter sich. Und alles, was anfangs in seinem Rücken geschah: Kimi Räikkönen war im Ferrari beim Anbremsen der zweiten Kurve auf der Außenbahn teilweise vor Hamiltons finnischen Teamkollegen Bottas gezogen. Weil der Landsmann auf der Innenseite über einen Kerb rumpelte, sein Rennwagen leicht ausgehoben wurde und die Linie verlor, drückte er den Ferrari gegen die Streckenbegrenzung. Bottas humpelte mit einem platten rechten Vorderreifen und lädiertem Frontflügel zum Wechsel an die Box: Letzter. Räikkönen fiel auf Rang fünf zurück. Und doch gab es auch einen Lichtblick im Ferrari-Lager. Vettel rückte von Rang vier in die Position des ersten Hamilton-Verfolgers.

          Eine Jagd im Stadtgebiet? Hamilton hat das lange nicht so empfunden. Aber ob er einen Blick für die Altstadt hatte? Das Kulturerbe passierte er 51 Mal, mit ständig steigendem Tempo. So distanzierte er Vettel, bis der Ferrari-Star in der zehnten Runde mit der zu diesem Zeitpunkt schnellsten Tour antwortete. Da keimte Hoffnung im Lager der Roten. Und sie wuchs, als der Russe Kwiat im Toro Rosso auf offener Strecke liegenblieb. Hamilton eingefangen vom Sicherheitsfahrzeug in der 13. Runde: Nach einem eiligen Boxenstopp auch der Spitzenpiloten erlebte das Publikum samt des autokratischen Staatschefs Alijew den „fliegenden“ Neustart in der 18. von 51 Runden. Mit Vollgas in die Altstadt, da klettert der Puls: Aber schon entfernte sich Hamilton aus der Schlagdistanz. Statt den Briten anzugreifen, musste Vettel um seinen Rang fürchten. Perez jagte ihn die lange Gerade hinunter und wäre um ein Haar vorbeigekommen. Da war es kein Glück, dass diesem neuen Versuch unmittelbar ein Dritter folgte, also wieder alle Distanzen bis auf das Mindestmaß schrumpften, weil kleine Trümmerteile auf der Piste nach Leichtkontakt-Manövern die Piloten gefährdeten.

          Wie das dem Führenden vorkam? Irgendwie irritierend. Jedenfalls ging Hamilton kurz vor der nächsten Freigabe überraschend vom Gas. Vettels Bremsweg reichte nicht und – rumms – prallte er leicht in das Heck des Mercedes, zog dann auf halbe Höhe, deutete mit gestrecktenen Armen sein Unverständnis an und traf schließlich mit dem rechten Vorderrad das linke des Silberpfeils. Eine Revanche im Eifer des Gefechts. Vettel war sehr aufgebracht. „Er hat einen Bremstest mit mir gemacht“, behauptete er noch Minuten später. „Wir sind der Meinung, dass Hamilton das total unnötig gemacht hat“, sagte der Ferrari-Sprecher, „das ist ziemlich gefährlich.“

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