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Formel 1 : Ricciardo hat in Monaco „Spaß“

  • -Aktualisiert am

Durch diese engen Gassen musst Du rasen: Daniel Ricciardo gelingt es am besten Bild: Reuters

Daniel Ricciardo sichert Red Bull die Pole Position beim Großen Preis von Monaco. Der Australier ist schneller als die Mercedes-Piloten Rosberg und Hamilton. Sein zuletzt siegreicher Teamkollege Verstappen landet hingegen in den Leitplanken.

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          Wenn man aus dem Mienenspiel auf die Gedanken schließen könnte. In einem Fall war das am Samstag einfach: Daniel Ricciardo strahlte. Und plauderte freimütig über seinen Coup  mit Ansage von Monte Carlo. „Es macht so einen Spaß.“ Schon im freien Training hatte der Australier die besondere Qualität seines Red Bull mit einer Bestzeit angedeutet. Am Samstag fuhr er dank einer enormen Leistungssteigerung im dritten Durchgang des Qualifikations-Rennens für den Großen Preis von Monaco (Sonntag 14 Uhr/RTL, Sky und F.A.Z.-Liveticker) auf die Pole-Position.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nur Nico Rosberg im Mercedes kam ihm relativ nahe als Zweiter. „Schade, dass es nicht ganz geklappt hat“, sagte der Führende der Fahrerweltmeisterschaft, „aber ich sehe trotzdem eine gute Chance für das Rennen.“ Der Deutsche, der seit Kindesbeinen an in Monaco lebt,  hatte guten Grund, zufrieden zu sein. Probleme mit der Benzintemperatur störten die Konzentration. Teamkollege Hamilton musste gar  von der Boxenausfahrt zurückgeschoben werden zu Beginn des letzten Durchgangs, ehe der Brite wieder Fahrt aufnahm und im letzten Moment von Rang zehn auf drei vorfuhr. Aber ein dritter Startplatz in Monaco? Das ist eher ein Malheur, wenn es bei der kurzen Anfahrt bis zur ersten Kurve, rund 200 Meter, nicht für ein Überholmanöver reicht.

          Gut gefahren: Daniel Ricciardo
          Gut gefahren: Daniel Ricciardo : Bild: AP

          Dann folgt in der Regel eine Art Automobil-Prozession durchs Fürstentum, wenn auch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von  etwa 150 Kilometern pro Stunde. Dieser Film mag vor dem geistigen Auge Hamiltons abgelaufen sein, als er Rede und Antwort stehen sollte, aber nur leise und widerwillig antwortete. „Ich versuche zu retten, was zu retten ist.“

          Das Motto gilt vorerst für ein Rennen, bei Hamilton vor dem sechsten von 21 Grand Prix aber sicher (noch) nicht für die gesamte Saison. Sebastian Vettel aber wird sich langsam fragen müssen, ob das „Überholmanöver“ von Red Bull nicht endgültig eine große Schwäche bei Ferrari aufgedeckt hat. Das Chassis von Ricciardos Boliden ist offensichtlich deutlich besser als das des Ferraris, mit dem Vettel Vierter wurde, um fast eine Sekunde langsamer auf seiner schnellsten Runde.

          „Am Anfang waren wir gut dabei“, sagte Vettel: „Aber die Strecke wurde immer schneller, das Auto fing immer mehr an zu rutschen. Es war deutlich unkomfortabler.“ Die Zeit-Differenz  liegt vor allem an der besseren, mechanisch erzeugten Traktion des Red Bull. Der schwächere Antrieb spielt auf dem engen Kurs von Monaco keine so wichtige Rolle wie auf Speed-Strecken. Zudem hat Renault die Antriebseinheit peu á peu verbessert. Falls Ferrari in den nächsten Wochen nicht aufrüstet, wird Red Bull wohl die Verfolgerrolle übernehmen.

          Vorteil auf „harten Reifen“

          Erstmals seit zweieinhalb Jahre startet ein Auto des Brauseverkäufers wieder von der Pole-Position. Mit besten Aussichten, sollte der Sprint bis zur ersten Kurve gelingen, Monaco als Sieger zu verlassen. „Wir haben im dritten Training und in den ersten zwei Durchgängen des Qualifikationstrainings nicht alles gezeigt“, sagte Sportdirektor Helmut Marko. Trotzdem fuhr Ricciardo im zweiten Abschnitt eine Bestzeit auf den „harten Reifen“. „Da tun wir uns dann strategiemäßig etwas leichter“, sagte Marko.

          Denn das Rennen muss mit den Pneus begonnen werden, mit denen im zweiten Durchgang die jeweils beste Zeit gefahren wurde. Alle anderen Konkurrenten setzen auf die weichere Variante. Vermutlich kann der Australier auf den härteren Reifen einen längeren ersten Stint fahren. Der Spielraum ist jedenfalls gegeben. Aber diesmal bietet sich Red Bull nicht die Chance, mit zwei unterschiedlichen Strategien auf Sieg zu setzen. Denn  das Glückskind von Barcelona, Max Verstappen, seit zwei Wochen der jüngste Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte, zerstörte im ersten Durchgang beim Touchieren der Leitplanke die rechte Vorderradaufhängung des Red Bull und prallte einen Augenblick später in die Streckenbegrenzung. Er wird das Rennen von Rang 20 aufnehmen müssen.

          „Ich habe mich verbremst. Wenn es im Rennen Regen gibt, kann das helfen.“ Der Wetterbericht bestärkt den Niederländer: Es soll ein Gewitter geben. Das würde Nico Hülkenberg nichts ausmachen. Er war der Überraschungsgast des Tages in der ersten Klasse. Dort wo Verstappen hätte landen müssen, steht der Rheinländer mit seinem Force India: auf Rang fünf.

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