https://www.faz.net/-gtl-vf40

Rekordstrafe in der Formel 1 : McLaren-Chef will auf Berufung verzichten

  • Aktualisiert am

„Was nützt uns eine Schlammschlacht?” Bild: dpa

McLaren-Mercedes wird die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar wegen der Spionage-Affäre der Formel 1 möglicherweise akzeptieren und auf eine Berufung verzichten. Das deutete Ron Dennis an. Die Qualifikation für den Großen Preis von Belgien gewann Ferrari-Pilot Kimi Raikkönen.

          2 Min.

          McLaren-Mercedes wird die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar wegen der Spionage-Affäre der Formel 1 möglicherweise akzeptieren und auf eine Berufung verzichten. Das deutete McLaren-Boss Ron Dennis zwei Tage nach dem Schock-Urteil von Paris an. Eine Entscheidung muss das Team bis zum kommenden Freitag getroffen haben.

          „Wenn ich mich dazu entschließe, dieses Kapitel zu beenden, dann tue ich es im Interesse des Sports. Denn was nützt uns eine Schlammschlacht?“, sagte der Engländer am Samstag in Spa, wo am Sonntag (14 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker) der Große Preis von Belgien stattfindet.

          Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen gewann am Samstagnachmittag die Qualifikation für den Großen von Belgien gewonnen. Der Finne setzte sich vor seinem Teamkollegen Felipe Massa durch. Dritter wurde Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso vor seinem McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton.

          Kimi Räikkönen sicherte Ferrari den ersten Startplatz

          Nico Rosberg im Williams kam auf Rang 6, Nick Heidfeld im BMW wurde Siebter, Ralf Schumacher im Toyota Zwölfter. Vor dem 14. von 17. Saisonläufen am Sonntag führt der Brite Hamilton mit einem Drei-Punkte-Vorsprung vor dem Spanier Alonso. Nach dem Ausschluss von McLaren-Mercedes in der Marken-WM liegt Ferrari klar vor BMW.

          Motiv: einer noch härteren Strafe entgehen

          Auch der Gang vor ein Zivilgericht komme wohl nicht in Frage. Das sei laut Dennis sehr mühsam: „Die Affäre würde dann die nächsten zwei Jahre über dem Sport hängen und uns von der eigentlichen Arbeit, Rennen zu gewinnen, abhalten.“

          Den Silberpfeilen waren nach zehnstündiger Anhörung vom World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes (FIA) neben der Geldstrafe zudem alle Punkte in der Konstrukteurs-WM 2007 aberkannt worden (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Spionageaffäre in der Formel 1). Die in der WM-Wertung führenden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso waren straffrei ausgegangen, weil sie laut FIA-Präsident Max Mosley „kooperiert haben“.

          „Haben nichts Ungerechtes getan“

          Mit dem Verzicht auf die Berufung will Dennis vermutlich auch einer noch härteren Strafe entgehen. Mosley hatte nach dem Urteil mitgeteilt, dass im Dezember über eventuelle Sanktionen für die kommende Saison entschieden wird: „Sollten die Rennautos von McLaren-Mercedes für 2008 aber in Ordnung sein, wird es keine weitere Bestrafung geben.“

          McLaren ließ verlauten, dass das Team keinen Wettbewerbsvorteil durch die Nutzung geheimer Dokumente des Erzrivalen Ferrari erlangt habe. Laut Dennis hat der Rennstall nach der Urteilsbegründung sieben Tage Zeit, um über einen Einspruch zu entscheiden. Er werde in den nächsten Tagen den Anteilseignern des Teams seine Empfehlung in dieser Angelegenheit aussprechen.

          40 Prozent der McLaren-Anteile hält Motorenpartner Mercedes, 30 Prozent ein Konsortium aus Bahrain, und jeweils 15 Prozent sind im Besitz von Geschäftsmann Mansour Ojjeh und Dennis selbst.

          Wenn er jetzt dem Sport zuliebe einen Preis von 100 Millionen Dollar zu zahlen habe, so Dennis, dann zahle er ihn: „Für mich ist nur eines wichtig: Jeder soll wissen, dass wir nichts Unrechtes getan haben.“

          Der McLaren-Teamchef musste zwar zugeben, dass „alles, was in der Urteilsbegründung steht, wahr ist“, aber: „Ich kann nirgendwo einen eindeutigen Beweis dafür erkennen, dass wir irgendeine Information von Ferrari verwendet haben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zeit gewinnen durch ein Medikament?

          Tuberkulose-Impfstoff : Die Zwischenlösung im Kampf gegen Covid-19

          Ein alter Impfstoff gegen Tuberkulose soll nun Ärzte und Pflegekräfte vor schweren Verläufen von Covid-19 schützen. Damit er wirksamer ist, wurde er jetzt aufgerüstet. Doch der Wirkstoff ist nur eine Zwischenlösung.
          Ein Chinese kehrt aus einem Beerdigungsinstitut in Wuhan mit einer Urne zurück, die die Asche eines Angehörigen enthält.

          Corona-Pandemie : Wie glaubwürdig ist Chinas Statistik?

          Hat die Regierung in Peking die Zahl der Infizierten und Toten in der Corona-Pandemie geschönt? Der seit Langem bestehende Verdacht erhält neue Nahrung durch einen amerikanischen Geheimdienstbericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.