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Regelstreit : Ferrari und die neue Formel 1

Sorgfältig gepflegt: Mythos Ferrari Bild: AFP

Der Sportwagenhersteller Ferrari lehnt sich gegen die neuen Regeln der Formel 1 auf, die nach Ansicht der Italiener die großen Rennställe benachteiligen. Unternehmenspräsident Luca di Montezemolo könnte auf die Idee kommen, eine eigene Rennserie zu gründen.

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          Die Ankündigung, wegen der geplanten Regeländerungen Ende 2009 die Formel 1 zu verlassen, stellt beim italienischen Sportwagenbauer Ferrari die gesamte Unternehmensstrategie in Frage. Bisher rühmte man sich nicht nur, als einziger Rennstall ununterbrochen in den sechzig Jahren der Rennserie "Formel 1" teilgenommen zu haben. In erster Linie stellt die Formel 1 für Ferrari das wichtigste Vermarktungsinstrument dar. Bisher hat Ferrari auf klassische Werbung für seine Autos verzichtet und dafür eine dreistellige Millionensumme in seinen Rennstall investiert. Der Unternehmenspräsident Luca di Montezemolo bestreitet zwar ein direktes Verhältnis von Rennsiegen und Absatzzahlen. Sorgfältig wird jedoch der Mythos gepflegt, der im Moment auf 206 Rennsiegen, 16 Weltmeistertiteln als Konstrukteur sowie 15 Einzelweltmeistern auf Ferrari basiert und das Prestige der Ferrari-Sportwagen entscheidend prägt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Seit Montezemolo 1991 die Chefposition am Stammsitz in Maranello bei Modena eingenommen hat, bemüht man sich auch konsequent, den Käufern von Straßensportwagen technische Entwicklungen aus den Rennwagen anzubieten. Das Extra des automatisierten Schaltgetriebes heißt direkt "die Formel-1-Schaltung". Analog zum Lenkrad der Rennfahrer mit den vielen Drehknöpfen erhalten die Ferrari-Kunden nun ein "Manettino", an dem sie die Elektronik von Motor und Stabilitätssystem auf "Nässe", Sport oder Rennen einstellen können.

          Strenge Regeln nur für große Rennställe

          Umso mehr ist Montezemolo nun erbost darüber, dass die Formel 1, zu deren Entwicklung Ferrari wertvolle Beiträge geleistet hat, künftig durch ein neues Regelwerk von Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), aus Sicht des Unternehmens kaputtgemacht werden soll. Mosley plant von 2010 an ein zweistufiges Reglement: Die großen Rennställe, die bisher mit Hilfe von Sponsoren bis zu 350 Millionen Euro für eine Rennsaison aufbringen, sollen weiterhin strengen Regeln unterworfen sein, etwa dem Limit von 18 000 Umdrehungen in der Minute für den Motor, Maßvorschriften für die Flügel oder dem Verbot von Testfahrten während der Rennsaison. Dagegen sollen kleine Rennställe, die ein Ausgabenlimit von umgerechnet 45 Millionen Euro akzeptieren, in den Genuss von größeren Freiheiten kommen, mit denen in jedem Fall die Rundenzeiten um zwei Sekunden besser werden.

          Vermarktungstalent: Luca di Montezemolo

          Die großen Rennställe würden damit vor eine schwierige Alternative gestellt: Entweder sie treiben weiterhin großen Aufwand, werden aber dann alle zwei Wochen von kleinen Amateur-Rennställen vorgeführt. Oder aber sie bescheiden sich mit Budgets, die im Vergleich zu heute minimal wirken, verlieren aber damit insgesamt den Anschluss an andere Rennserien. Für ein Unternehmen wie Ferrari, das immer in der Königsklasse Rennen fahren will, ist auch diese Perspektive nicht hinnehmbar. Einsparungen habe es schließlich ohne Budgetvorschriften auch in der laufenden Rennsaison gegeben.

          Klagen angekündigt

          Den Meinungen, die in Medien oder Betriebsräten deutscher Autokonzerne gegen die bisherigen Ausgaben für die Formel 1 wettern, stellen die Italiener ihre Argumente für das System der Formel 1 entgegen: Wer die Ausgaben für die Formel 1 drastisch verringern wolle, müsse sich auch dazu bekennen, dass dies ein Abbau von Arbeitsplätzen in den Rennställen bedeute, die bisher 600 hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigen.

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