https://www.faz.net/-gtl-8ap09

Motorenstreit in der Formel 1 : Fressen und gefressen werden

  • -Aktualisiert am

Nichts wie weg: Red Bull drohte mit Ausstieg aus der Formel 1, nun kommen alle wieder zur Vernunft Bild: AFP

Red Bull muss eine weitere Saison mit Renault-Motoren fahren. So kann das Team Zeit überbrücken. Doch im Haifischbecken Formel 1 ist sich jeder selbst der Nächste – und das ist das Problem.

          3 Min.

          Es gehört zu den Absurditäten in der Formel 1, dass Dinge möglich sind, die eigentlich unmöglich erscheinen. Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz wird in dem vom ihm finanzierten Magazin „Speedweek“ mit den Worten zitiert, dass der Verbleib von Red Bull in der Formel 1 noch nicht gesichert sei, weil er nicht wisse welche Motoren er 2016 bekomme, und weil langsam ein Punkt erreicht sei, an dem er genug habe. Zugleich verschickt der Rennstall im Stundentakt Pressemitteilungen, in denen er Partnerschaften mit neuen und alten Sponsoren für die nächsten drei Jahre verkündet: Mit einem Uhrenhersteller, einem Technologiekonzern, einer Felgenfirma und dem Produzenten für Sicherheitsgurte.

          Fakt kann deshalb nur sein: Red Bull und sein italienischer Satellit Toro Rosso werden der Formel 1 erhalten bleiben. Das bestätigte am Freitag vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner: „Wir haben eine Vereinbarung für Motoren geschlossen, die in den kommenden Tagen bestätigt werden soll.“ Dabei sah es lange nicht danach aus. Die Verantwortlichen von Red Bull hatten die Scheidung von Motorenpartner Renault beantragt – allerdings ohne einen Ersatz in der Hinterhand zu haben.

          Gekränkter Mateschitz

          Red Bull interpretierte einen Handschlag mit Niki Lauda, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Mercedes-Rennstalls, als Vertrag. Doch das Mercedes-Team in Brixworth und Brackley hatte kein Interesse daran, den potentiell stärksten Konkurrenten mit dem besten Motor im Feld aufzurüsten. Das gleiche passierte Red Bull mit Ferrari und Honda. Die Vorstände nickten ab, das Rennteam legte sein Veto ein. Und das Werksteam setzte sich am Ende durch.

          Mateschitz fühlte sich gekränkt. Statt den viermaligen Weltmeister und den Besitzer von zwei Teams zu hofieren, machten die Motorenhersteller Red Bull zum Spielball ihrer Interessen. Die Drohung, dass Red Bull und Toro Rosso aussteigen, machte nur bei Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Fia-Präsident Jean Todt Eindruck. Die Konkurrenz hätte Red Bull keine Träne nachgeweint. Ein Gegner weniger, dafür mehr Geld in der Kasse. Jeder ist sich selbst der nächste. So ist das in einem Haifischbecken. Es geht ums Fressen und Gefressen werden.

          Red Bull setzte Ecclestone und Todt ein Ultimatum: „Entweder es kommt ein neues Motorenformat, oder wir sind weg.“ Der österreichische Limonadehersteller rannte bei den alten Granden damit offene Türen ein. Die Herren über die Finanzen und Regeln waren über Nacht zu Königen ohne Reich geworden. Sie hatten sich mit der komplexen Hybridformel in die Hand der Automobilhersteller begeben, die bestimmen konnten, wer Motoren bekommt, zu welchem Preis und in welcher Ausbaustufe.

          Ecclestone und Todt griffen tief in die Trickkiste, um die Autokonzerne wieder einzufangen. Sie drohten mit einem Billig-Motor. Die Fia schrieb einen V6-Turbo aus, der nicht mehr als sechs Millionen Dollar kosten sollte, aber mit rund 900 PS den Hybridantrieben Konkurrenz machen würde. Vier Hersteller bewarben sich um den Auftrag. Mercedes, Ferrari, Renault und Honda liefen Sturm gegen den Plan. Wie hätten sie der Öffentlichkeit auch erklären sollen, dass ihre 100 Millionen Euro teuren Meisterwerke der Technik gegen einen ganz normalen Turbomotor von der Stange verlieren?

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Lauda warnte: „Eine Meisterschaft mit zwei komplett unterschiedlichen Motortypen wäre das Ende der Formel 1.“ Am vergangenen Dienstag wurde in Paris darüber abgestimmt. Der Billig-Motor ging mit Pauken und Trompeten unter. Doch als Druckmittel hat er seine Wirkung nicht verfehlt. Die Fia, Ecclestone und die Teams haben sich darauf verständigt, dass die Formel 1 frühestens ab 2017, spätestens aber ab 2018 ein neues Motorenformat bekommt. Es soll sich um einen effizienten Motor auf Hybridbasis handeln, der aber einfacher, billiger und lauter ist. Neueinsteiger sollen die Chance erhalten, sofort konkurrenzfähig zu sein und nicht wie Honda Jahre warten zu müssen.

          Die Fia und die vier Motorenhersteller mussten sich verpflichten, bis zum 15. Januar 2016 die Eckdaten des neuen Motors zu bestimmen. Trotzdem ist der Billig-Motor noch nicht vom Tisch. Der Fia-Weltrat wird das Votum der Formel 1-Kommission auf seiner nächsten Sitzung am 2. Dezember wahrscheinlich nicht anerkennen. Und Red Bull wird darauf bestehen, dass dieser Motor auch kommt. Der Druck auf die Hersteller soll so lange aufrechterhalten werden, bis das neue Triebwerk im Reglement verankert ist. Red Bull hätte dann seinen Frieden. Hauptsache raus aus der Hybrid-Sackgasse, die den Motor zum entscheidenden Puzzlestein im Paket macht. Mit dem neuen Antrieb bekäme das Chassis wieder Bedeutung. Doch erst einmal müssen Red Bull und Toro Rosso bis 2018 überleben.

          Renault hängt selbst in der Luft

          Toro Rosso ist mit 2015er Ferrari-Motoren versorgt. Das A-Team hat nur noch eine Option: zurück zu Renault. Wie inzwischen bekannt wurde, hat Red Bull den Vertrag mit Renault nie richtig gekündigt. Es gab lediglich eine Absichtserklärung, 2016 getrennte Wege zu gehen. Renault selbst hängt noch in der Luft.

          Es könnte daraus die absurde Situation entstehen, dass Renault aus der Formel 1 aussteigt, seine Motorenabteilung in Viry-Chatillon aber wegen des Vertrages mit dem ungeliebten Partner noch eine Saison lang offenhalten muss. Und sich mit Ilmor verbündet, um das Triebwerk mit externer Hilfe zu entwickeln. Ein Problem müssen die Formel-1-Chefs noch lösen. Red Bull braucht auch 2017 einen Motor. Und das wird nicht mehr Renault sein. „Dann müssen eben Ferrari oder Mercedes für ein Jahr aushelfen“, sagt Lauda.

          Weitere Themen

          Rekord-Pokalsieg für Alba

          Basketball : Rekord-Pokalsieg für Alba

          Alba Berlin hat sein Finaltrauma überwunden und mit dem zehnten Pokaltriumph den Rekord von Bayer 04 Leverkusen eingestellt. Der Hauptstadtklub bezwang Oldenburg mit 89:67.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.
          Jetzt wird’s ernst, und wer auf frischer Tat ertappt wird, kommt aus dem Schlamassel kaum heraus.

          So wehrt man sich : Wie Sie Bußgelder vermeiden

          Wie man sich am besten gegen Vorwürfe wehrt, man sei zu schnell gewesen, habe keinen Abstand gehalten oder sei bei Rot über die Ampel. Nur wer in flagranti erwischt wird, hat wenig Chancen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.