https://www.faz.net/-gtl-yvtw

Red Bull im Sport : Die schnellste Werbekolonne der Welt

Beflügelt: Sebastian Vettel ist spätestens seit seinem WM-Titel der wichtigste Werbeträger von Red Bull Bild: picture alliance / dpa

Erst fördert Getränkehersteller Red Bull Klippenspringer, Surfer oder Snowboarder. Dann entdeckte der Konzern die Formel 1. Spätestens nach dem WM-Titel von Sebastian Vettel ist der Sport das größte Marketinginstrument.

          4 Min.

          Dieser Mann liebt den Gigantismus. Am Salzburger Flughafen ließ er direkt neben der Landebahn einen riesigen Glaspalast bauen und nannte ihn Hangar 7. Dietrich Mateschitz hat darin jede Menge fliegende und rasende Kisten gestellt. Kunstflugzeuge, Formel-1-Boliden, Rallyefahrzeuge. Beinahe ist es so etwas wie ein Museum der Geschwindigkeit, wie eine Ausstellung des Spektakels. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben des 66 Jahre alten Österreichers, den Freunde „Didi“ und andere beinahe schon ehrfurchtsvoll „DM“ nennen. Die Marke, mit der er die Welt erobert hat, ist Red Bull. Dieser Sirup soll den Menschen rund um den Globus so etwas wie Lebensleichtigkeit einflößen. Dabei steckt hinter der Marke längst mehr als ein Getränk, Red Bull steht für ein Sportsystem.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor einer Woche konnte jeder das Ergebnis sehen. Sebastian Vettel stieg auf das Siegerpodest von Abu Dhabi und hielt die WM-Trophäe in die Kameras. Mit dabei: der rote Bulle auf dem Overall und der passende Werbespruch während der anschließenden Pressekonferenz. „Ich bedanke mich bei allen, die mir Flügel verliehen haben“, sagte Vettel. Kein Zweifel, der neue Weltmeister der Formel 1 ist spätestens jetzt der wichtigste Werbeträger von Red Bull.

          Klippenspringer, Windsurfer, Snowboarder und BMX-Piloten

          Vettel kommt aus dem eigenen Juniorprogramm, seit zehn Jahren wird der Heppenheimer vom Brausehersteller gefördert. Er ist der erste Deutsche, der es aus einem Konzern an die Spitze einer global-populären Sportart geschafft hat. Der scheinbar dafür stehen könnte, dass eine große Karriere jenseits von Sportverbänden und -organisationen möglich ist. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Auch der ADAC und seine Sportstiftung haben Vettel in den Jahren 2003 und 2004 mit jeweils 50.000 Euro unterstützt.

          Auch im Fußball hat sich Red Bull etabliert - mit dem französischen Stürmerstar Thierry Henry in New York
          Auch im Fußball hat sich Red Bull etabliert - mit dem französischen Stürmerstar Thierry Henry in New York : Bild: picture alliance / dpa

          Beinahe 600 Athleten stehen inzwischen weltweit bei Red Bull unter Vertrag. Junge Menschen, die Verrücktheit, Leidenschaft und ein wenig Anarchie ausstrahlen sollen. Zu Beginn des Engagements von Red Bull im Sport waren es vor allem Klippenspringer, Windsurfer, Snowboarder und BMX-Piloten. Erst danach wandte sich Mateschitz dem Massensport zu und verpflichtete für seine Mission etwa auch Fußball-Nationalspieler Mario Gòmez und die Amerikanerin Lindsay Vonn, Frontfrau des Skisports. In Thalgau bei Salzburg hat er für seine Athleten ein modernes Trainingszentrum aufgebaut. Es ist der Mittelpunkt des Red-Bull-Sportimperiums. Aber einer mit einem dunklen Flecken. Geleitet wird es ausgerechnet von Bernd Pansold, der von 1968 bis 1990 als Arzt beim SC Dynamo Berlin arbeitete und dort unter anderem verstrickt war in das DDR-Staatsplanthema 14.25 - „Leistungssteigerung mit unterstützenden Mitteln“. Doping bei Minderjährigen.

          3,5 Milliarden Euro für Marketing

          Rund ein Drittel des Jahresumsatzes von rund 3,5 Milliarden Euro gibt Red Bull für das Marketing aus. Mateschitz besitzt Fußball-Klubs in New York, Salzburg und Leipzig, unterhält Talentakademien in Ghana und Brasilien. Er ließ auch eigene Events wie das Kunstflugspektakel Air Race kreieren. Je spektakulärer, desto besser. Sport ist das große Werbemedium der Marke. Einmal stellte Mateschitz beinahe schon provokant die Frage: „Braucht Red Bull den Sport, oder braucht der Sport Red Bull zur Finanzierung?“ 2005 kaufte er die schwächelnden Rennställe Jaguar und Minardi und benannte sie um in Red Bull und Toro Rosso. Heute ist es die schnellste Werbekolonne der Welt.

          Weitere Themen

          Ansage aus München

          FC Bayern in Champions League : Ansage aus München

          Als zweite Mannschaft überhaupt will der FC Bayern seinen Titel in der Champions League verteidigen. Doch die Voraussetzungen sind schwieriger geworden.

          Topmeldungen

          Die Ministerpräsidenten im Oktober 2019

          Abdankung der Parlamente : Mehr Macht? Für wen?

          Solange sich der Bundestag als Kanzlerwahlverein, Mehrheitsbeschaffer und Personalreserve für die Regierung versteht, ist er eben nicht das Herz der Demokratie.

          Wahl in Amerika : Die Tücken bei der Stimmabgabe

          Der Wahlkampf geht noch zwei Wochen, aber in vielen Staaten wird bereits gewählt – auch in den Swing States Ohio und Michigan. Dabei wird es den Wählern nicht immer einfach gemacht.
          Keiner weiß, wie viele die Fahrt über den Atlantik überleben: Ein leeres Holzboot treibt am Freitag vor den Kanarischen Inseln auf dem Meer.

          Neue Migrationsrouten : Ein zweites Moria auf den Kanaren?

          Zweitausend Migranten innerhalb von zwei Wochen: Immer mehr Menschen versuchen, über die gefährliche Atlantikroute auf die spanischen Kanaren zu gelangen. Die Inseln sind überfordert. Sie fordern Unterstützung vom Festland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.