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Formel 1 : Warum Red Bull mit Ausstieg droht

Haben nur noch selten etwas zu lachen: Teamchef Christian Horner (links) und Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz Bild: dpa

Die Silberpfeile sind auch in dieser Formel-1-Saison einsame Spitze. Das einstige Weltmeister-Team Red Bull fährt nur noch weit hinterher. Nun droht der Brausekonzern mit Ausstieg.

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          Zumindest äußerlich wirkte Dietrich Mateschitz an diesem Wochenende wie ein glücklicher Mann. Er ließ sich mit den Streckenposten am Red-Bull-Ring in Spielberg fotografieren, scherzte mit den Kellnerinnen im Motorhome seines Teams, plauderte und lächelte. Doch all das ist in diesen Tagen nur Fassade. Im Inneren brodelt es in dem 71 Jahre alten Österreicher, das zumindest hat er in den vergangenen Tagen immer wieder zum Ausdruck gebracht. „Wir verlieren die Lust, wir sind schlechte Edelkomparsen“, sagte er.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein Sieg, keine Pole Position, nicht einmal ein Platz auf dem Podium: Das ist die bisherige Bilanz von Red Bull in der Formel 1. Beim achten Saisonrennen in Österreich kam Daniel Ricciardo als Zehnter ins Ziel, Daniel Kwyat wurde Zwölfter. Beide hatten schon vor dem Start schlechte Aussichten. Weil die Mechaniker dieser Saison schon den fünften Motor in ihre Boliden eingebaut hatten, wurden sie in der Startaufstellung um jeweils zehn Plätze nach hinten versetzt.

          Laut Reglement sind lediglich vier Antriebseinheiten bei den neunzehn Rennen erlaubt. Das Renault-Aggregat allerdings ist fehleranfällig und dazu noch beinahe 100 PS schwächer als die Konkurrenzmodelle von Mercedes und Ferrari. Trotzdem zahlt Red Bull rund zwanzig Millionen Euro pro Jahr an Renault für die Miete. Der Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Am kommenden Donnerstag kommt es in der Red-Bull-Fabrik in Milton Keynes nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum nächsten Krisentreffen mit Konzernvertretern.

          „Da werden wir verschiedene Szenarien besprechen, es gibt keine Tabus“, sagt Helmut Marko, einer der Direktoren des Rennstalls und engster Vertrauter von Teambesitzer Mateschitz. Marko will einen Rückzug aus der Formel 1 nicht ausschließen: „Darüber werden wir sprechen.“ Allerdings hat sich Red Bull vertraglich bis 2020 an die Rennserie gebunden. Steigt der Brauseverkäufer vorher aus, wäre eine Konventionalstrafe fällig. Angeblich beträgt sie bis zu 500 Millionen Euro.

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          „Es ist einfach, glücklich zu sein, wenn du ganz leicht vier Weltmeisterschaften gewinnst, und dich beschwerst, wenn es nicht mehr so ist“, sagt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. „Aber so ist die Formel 1, und das macht die Faszination dieses Sports aus. Wenn alles vorhersagbar ist, dann wäre es kein Rennen mehr.“ Die Verantwortlichen von Red Bull aber sehen sich als Opfer des neuen Reglements, das im vergangenen Jahr mit den neuen Sechs-Zylinder-Turbo-Antriebseinheiten eingeführt worden ist.

          „Wir haben heute eine Motoren-Formel“, sagt Marko und klagt: „Design-Genies wie unser Adrian Newey werden in ihren Ideen kastriert.“ Das will Red Bull nicht länger hinnehmen und droht. „Red Bull ist in keiner guten Situation. Sie sind in einer Sackgasse, in der es nur wenige Möglichkeiten gibt“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Aber man kann nicht immer nach neuen Regeln rufen, wenn es mal nicht läuft.“

          Möglicherweise kommt erst einmal neues Personal. Der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Gerhard Berger zeigte sich an diesem Wochenende auffallend oft in Red-Bull-Freizeitkleidung, tauchte sogar am Kommandostand auf und verteilte Ratschläge. „Red Bull und Porsche oder Audi wäre absolut eine Konstellation, die Mercedes fordern kann“, sagt Berger, obwohl der VW-Konzern zuletzt öffentlich der Formel 1 eine Absage erteilt hatte.

          Berger, erst Grand-Prix-Pilot, dann mitverantwortlich im Formel-1-Team von BMW, ist sehr gut vernetzt. Er wird als Nachfolger von Red-Bull-Teamchef Christian Horner gehandelt. Der Brite zog sich zuletzt mehr und mehr zurück, fällt häufig durch schlechte Laune und bissige Kommentare auf. Englische Medien behaupten, dass Horner der Favorit für die Nachfolge von Chefvermarkter Bernie Ecclestone sei.

          Am Freitagabend rief der große Zampano der Serie verschiedene Teamvertreter in sein graues Motorhome im Fahrerlager von Spielberg. Ecclestone sprach von seinen Bedenken, von den negativen Folgen, die ein Rückzug von Mateschitz und seiner Rennställe Red Bull und Toro Rosso nach sich ziehen würde.

          Der Brite weiß, dass schon jetzt mehr über die Krisensymptome der Formel 1 gesprochen wird als über vieles andere: sinkende Zuschauerzahlen an den Rennstrecken; Mittelklasse-Rennställe wie Sauber und Force India, die weiter ums Überleben kämpfen; Grand-Prix-Wochenenden, bei denen schon vorher so gut wie sicher ist, dass ein Mercedes das Rennen gewinnen wird. „Der Didi ist sauer und enttäuscht“, sagt Niki Lauda, Aufsichtsratschef von Mercedes. „Schön und gut. Aber wenn er geht, dann kommt eben der Nächste.“ Wirklich?

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