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Reaktionen der Fahrer : „Wir haben keine Macht“

  • -Aktualisiert am

„Wir haben diskutiert. Ich habe meine Überzeugung dargelegt und daran festgehalten“: Mark Webber schweigt nicht in der Bahrein-Frage Bild: dpa

Formel-1-Fahrer sind die einflussreichsten Glieder in der Kette. Dennoch wollen viele nicht über die Situation in und die Rückkehr nach Bahrein reden. Es sind allenfalls die Alten, die freien, die sich trauen.

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          Was sollen sie auch sagen? Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso, in diesen Tagen mit der Schwäche des Ferraris ausgelastet, schwieg, als es am Donnerstag politisch wurde in der obligatorischen Fragerunde der Formel 1. Was er denn denke über die Rückkehr der Formel 1 nach Bahrein?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Offensichtlich nichts. Vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag auf der Rennstrecke von Sepang hat der Spanier nur Gedanken für die Evolution seines schwachen F2012, nicht aber für eine Revolution in Bahrein oder seine mögliche Rolle als Zirkusattraktion. Immerhin, Jenson Button (McLaren) nahm die Frage an die drei Weltmeister in der ersten Reihe auf und sprach: „Für uns ist das ein sehr schwieriges Thema“, sagte der Sieger des ersten Saisonrennens am vergangenen Sonntag in Melbourne.

          Der Weltmeister von 2009 ist eine gelassener Zeitgenosse, millionenschwer, ein gemachter Mann. Die Bahrein-Frage warf ihn nicht aus der Kurve, aber er lenkte ab: „Wir müssen auf den Internationalen Automobil-Verband (Fia) schauen. Wir werden tun, was er uns sagt.“

          Die selbstbewussten Egos unterwürfig? Formel-1-Fahrer sind die einflussreichsten Glieder in der Kette. Sie können Rennställe mit ihrer Steuerkunst zu erfolgreichen Einheiten schweißen oder Seriensieger an die Wand fahren. Sie wissen das. Aber die Fahrer-Vereinigung GPDA ist sich in der Regel nur bei einem Thema einig. Wenn es den Piloten um ihre Sicherheit im Cockpit geht. Nico Hülkenberg, gerade erst als Stammpilot von Sahara Force India wieder in die Formel 1 zurückgekehrt, argumentiert im Fall Bahrein mit der Ohnmacht des gemeinen Piloten.

          „Die Frage stellt sich mir nicht. Wir Fahrer können die Entscheidung sowieso nicht beeinflussen. Dazu haben wir nicht die Macht. Ich vertraue der Fia, dass sie die richtige Entscheidung trifft. Ich liebe das Rennfahren, und deshalb hätte ich es gerne, wenn wir überall fahren. Wenn es nicht sein soll, dann nehme ich es hin. Ich mache mir keinen Kopf darüber.“ Was Nico Rosberg denkt, ist am Donnerstag nicht zu ergründen. Der Mercedes-Mann wartet die Frage erst gar nicht ab: „Ich möchte nichts dazu sagen.“

          „Wenn wir uns umschauen in der Welt, dann findet man wahrscheinlich andere Rennplätze, die man aus den gleichen Gründen in Frage stellen könnte. Aber das tun wir nicht“: Michael Schumacher

          Mark Webber schon. Der Red-Bull-Pilot, Teamkollege von Weltmeister Sebastian Vettel, wagte es vor einem Jahr als einziger Grand-Prix-Fahrer, Widerstand öffentlich zu formulieren. Prompt bekam der Australier Gegenwind zu spüren: „Es stimmt, man ist auf mich zugekommen“, sagte Webber am Donnerstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir haben diskutiert. Ich habe meine Überzeugung dargelegt und daran festgehalten.“ Diesmal würde er gerne fahren: „Aber ich beobachte die Situation.“

          Es sind die Alten, die freien, die sich trauen. Während Alonso also schwieg und Button auswich, nahm Michael Schumacher (Mercedes) vor der Weltpresse eine Position ein: „Ich bin ehrlich gesagt entspannt bei dem Gedanken, dahin zu gehen. (...) Ich habe einige gute Freunde (in Bahrein), und ich bin sicher, dass es für sie ein sehr wichtiger Event ist und dass sie nur jeden glücklich machen wollen. Wenn wir uns umschauen in der Welt, dann findet man wahrscheinlich andere Rennplätze, die man aus den gleichen Gründen in Frage stellen könnte. Aber das tun wir nicht.“

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