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Ratlosigkeit bei den „Roten“ : Ferrari will die Formel 1 am liebsten in die Wüste schicken

  • -Aktualisiert am

Nichts wie raus hier! Bild: dpa/dpaweb

Der Ausgang des Formel-1-Rennens von Melbourne ist ein Indiz dafür, daß Michael Schumacher wohl den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt verpaßt hat. Es drängt sich der Verdacht auf, daß sich der entthronte Weltmeister nicht mehr in Bestform befindet.

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          Michael Schumacher stapfte aufgebracht in die Garage. Der Fußweg war zu kurz gewesen, um der Enttäuschung Herr zu werden. Ein paar hundert Meter hinter ihm lag sein Ferrari in der Zielkurve - oder besser das, was von dem Formel-1-Boliden übriggeblieben war. Sein Versuch, Jenson Button einzuholen, hatte einen Haufen Schrott hinterlassen. Jetzt wollte er seinem Rennstall Bericht erstatten. Aber irgendwie stimmte etwas nicht. Schumacher zögerte und erkannte die Wirklichkeit. Upps, hier bin ich falsch - und verließ die Toyota-Box wieder.

          Spötter mögen ein sicheres Zeichen darin sehen, daß der siebenmalige Weltmeister den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt verpaßt hat, wenn er nicht mal mehr die Ferrari-Garage auf Anhieb findet (Siehe auch: Formel 1 in Australien: Michael Schumacher zerlegt Ferrari). Aber auch bei ernsthafterer Betrachtung der Dinge drängt sich der Verdacht auf, daß sich Michael Schumacher im Alter von 37 Jahren nicht in Bestform befindet. Ja, der aktuelle Ferrari läßt sich schwer fahren, aber es gab Zeiten, da holte der Kerpener das Optimum aus den begrenzten Möglichkeiten, ohne Fehler zu begehen.

          Mit 37 Jahren nicht mehr in Bestform

          Bestenfalls Rang vier wäre für Michael Schumacher in Melbourne möglich gewesen, rechnet man sein Renntempo, das Potential seines Ferrari und den Rennverlauf hoch (Siehe auch: Formel-1-Liveticker). Als er sich Ende der 33. Runde von 57 Umläufen Jenson Button für ein Überholmanöver zurechtlegte, befand sich der Ferrari-Star an sechster Position. "Ich war dicht hinter Jenson. In seinem Windschatten verlor ich etwas Anpreßdruck, plötzlich untersteuerte das Auto heftig, und mir ging die Straße aus. Daß ich auf den Grünstreifen kam, war mein Verhängnis. Das hätte ich besser gestalten können." Erst schien es, als könnte Schumacher den Ferrari auf dem Grünstreifen sogar noch ausbalancieren, doch dann brachte eine Bodenwelle den Monoposto endgültig aus der Bahn. Er scherte links weg, direkt in die Leitplanke.

          Totalschaden

          Womit der Endpunkt eines für Ferrari frustrierenden Wochenendes erreicht war. In der Qualifikation gelang dem Deutschen nur die elftschnellste Zeit, sein Teamkollege Felipe Massa blieb nach einem Unfall gar nur Rang 16 im Training. Im Rennen wurde der Brasilianer Opfer einer Startkollision, Michael Schumacher kam zunächst auch nur langsam nach vorne. Verwirrend für den Beobachter: Seine Rundenzeiten blieben phasenweise mehr als zwei Sekunden hinter den Spitzenwerten von Alonso zurück, manchmal lagen sie auf ähnlichem Niveau. Schumachers Erklärung des Phänomens: "Wir hatten Probleme, die Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen."

          „Fahren wie auf Glatteis“

          Auf 70 bis 100 Grad Celsius (variiert nach Strecke) erhitzt, kleben die Gummis am besten auf dem Asphalt. Im kühlen Melbourne mit 19 Grad Luft- und 26 Grad Streckenbelagstemperatur sind diese Werte schwerer zu erreichen als in der Wüstenhitze von Bahrein. Damals kämpfte Schumacher mit Alonso um den Sieg. In Australien potenzierte der turbulente Rennverlauf Ferraris Schwierigkeiten, Hitze zu entwickeln. Durch vier Safetycar-Phasen kühlten die Reifen häufiger und länger aus als üblich. Alle Teams litten unter diesem Effekt, Renault am wenigsten, Ferrari am meisten. "Fahren wie auf Glatteis", so beschrieb Michael Schumacher die Folgen. In der Anfangsphase kam er zweimal leicht von der Strecke ab, fing seinen Monoposto aber jeweils gerade noch ab. Beim zweiten Verbremser konnte allerdings Tonio Liuzzi den Tempoverlust des siebenmaligen Weltmeisters zu einem Überholmanöver nutzen. Der Italiener setzte seinen Rennwagen von Toro Rosso, dem von Minardi zum B-Team von Red-Bull aufgestiegenen Rennstall, vor den Ferrari.

          Was für eingefleischte Fans der Scuderia ein peinliches Erlebnis gewesen sein mochte, nahm Ferraris Generaldirektor Jean Todt äußerlich gelassen hin. "Mein Stolz hält das aus, wenn Michael von einem Fahrer mit einem Kundenmotor von uns überholt wird", sagte der Franzose und fügte an: "Die höchste Form von Stolz ist Demut." Mehr ärgerte ihn, sich für die falsche Reifenmischung entschieden zu haben. "Wir hatten eine Spezifikation, die besser gepaßt hätte und mit der andere Bridgestone-Rennställe weniger Probleme hatten. Aber wir hatten diesen Reifen nie getestet und wollten das Risiko nicht eingehen", sagte Todt.

          Stimmt das Paket tatsächlich?

          Und so beklagt Ferrari nach hoffnungsvollem Saisonstart schon wieder einen großen Rückstand zu Renault. 15:42 steht es im Teamwettbewerb, 11:28 heißt es zwischen Schumacher und Alonso. So dramatisch wie im vergangenen Jahr sieht Todt die Situation allerdings nicht: "Diesmal haben wir ein gutes Paket, wir müssen es nur demonstrieren."

          Schon im nächsten Rennen in Imola, so glaubt der Franzose, werde man konkurrenzfähig sein. Daß in diesem Jahr drei Spitzenrennställe mit Bridgestonereifen ausgerüstet sind, nährt Todts Optimismus auf eine schnelle Besserung. 2006 werden viel mehr Daten bei Testfahrten generiert, als es Ferrari im Vorjahr im Alleingang schaffen konnte. Noch einfacher wäre es für Ferrari allerdings, an die Spitze zurückzukehren, wenn mehr Rennen in der Wüste stattfänden. "Sie hätten wohl nichts dagegen, wenn zehn Grand Prix in Bahrein stattfänden?" wurde Todt gefragt. Der Franzose fragte zurück: "Warum nicht 18 Rennen? Dann würde ich dort auch ein Haus kaufen." Dann verabschiedete er sich: "Auf nach Bahrein."

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