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Rallye-WM : VW sucht einen neuen Walter Röhrl

Modell sucht Fahrer: Der Polo R WRC, mit dem VW von 2013 an in der Rallye-WM starten will Bild: picture alliance / dpa

Die Wolfsburger wollen 2013 in der Rallye-WM angreifen und suchen nach geeigneten Piloten. Wunschpilot Loeb bleibt bei Citroën. Es bleiben noch drei Kandidaten. Und eine deutsche Nachwuchskraft soll für Identifikation sorgen.

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          Die Zukunft steht gleich rechts neben dem Eingang zum Servicepark der Deutschland-Rallye in Trier. Dezent in Blau und Weiß gehalten, thront da ein Volkswagen Polo auf einem Podest. Besucher des Rallye-Weltmeisterschaftslaufes rund um Trier bleiben gerne stehen und beäugen den Kleinwagen, auf dem das Logo der Rallye-Weltmeisterschaft prangt: WRC. Der Polo ist die große, weiß-blaue Hoffnung der Wolfsburger. 2013 will VW damit in der Rallye-Weltmeisterschaft starten.

          Und da man in der Konzernleitung und der Motorsportabteilung des Automobilherstellers alles andere als bescheidene Erwartungen hat, ist man auf der Suche nach geeignetem Personal. Den „schärfsten Polo aller Zeiten“, so VW-Marketingchef Luca de Meo, sollte auch der weltweit erfolgreichste Rallyefahrer steuern. Doch Sébastien Loeb, der siebenmalige Weltmeister, verlängerte unmittelbar vor der Deutschland-Rallye seinen Vertrag mit Citroën um zwei Jahre. Jetzt sucht VW weiter. „Drei Kandidaten“, so sagt VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen, habe man im Blick. „Alles Fahrer, die auch schon mal etwas gewonnen haben in der WM.“

          Das Sportgerät im Biedermann-Look hat allerhand zu bieten. 300 Pferdestärken wird der 1,6-Liter-Turbomotor produzieren, auch sonst entspricht der Polo dem technischen Stand, der in der Rallye-WM Voraussetzung ist, um erfolgreich zu sein. Nissen hat für seinen Arbeitgeber schon allerhand Erfolge eingefahren. Im Januar war er bei der nach Südamerika verpflanzten Dakar-Rallye mit seinem Team der große Sieger, als drei von vier eingesetzten VW Race-Touaregs die ersten drei Plätze belegten. Sieger wurde Nasser Al-Attiyah aus Qatar, der auch einer der Kandidaten für einen von drei freien Plätzen im Polo R war.

          Doch das Herz des Arabers hängt an der Wüstenrallye. Deshalb schlug er das Angebot aus Wolfsburg aus. Der Dakar haben die Wolfsburger inzwischen den Rücken gekehrt. Sicherlich auch, weil man dort alle Ziele erreicht hatte. Zuletzt hatte es ausgerechnet in der Stunde des Triumphes unschöne Schlagzeilen gegeben. Nissen waren sexuelle Nötigung, Bestechung und Steuerbetrug vorgehalten worden. Der Däne hat stets alles abgestritten, sprach von einer „inszenierten Kampagne“ gegen ihn. Sein Arbeitgeber untersuchte die Vorwürfe, die einen teilweise etliche Jahre zurückliegenden Hintergrund hatten. „Die Anschuldigungen erwiesen sich alle als haltlos“, sagt der 51 Jahre alte Familienvater, für den die Angelegenheit damit erledigt war. Nissen hat den Ruf, ein harter Hund zu sein. Er gilt als Meister der Renntaktik, ist ein kühler, manchmal unnahbar wirkender Kalkulator – und ein ehemals erfolgreicher Rennfahrer, der auch wegen eines schlimmen Feuerunfalls 1988 in einem Porsche 962 der Gruppe C die dunklen Seiten des Sports kennt. Noch heute ist Nissen von den Brandnarben gezeichnet.

          Hoher Druck

          Es ist ein Riesenprojekt, das die Wolfsburger in Angriff nehmen. Die Kosten betragen jährlich einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag. Carlos Sainz, der zweimalige Rallye-Weltmeister (1990 und 1992), steht dem deutschen WRC-Team zur Seite. Die hohen Ansprüche hält er für realistisch: „Ich bin mir sicher, dass VW versuchen wird, von Anfang an konkurrenzfähig zu sein“, sagt der Spanier. Doch „El Matador“ weiß auch: „Gewinnen ist eine andere Geschichte.“

          Nun braucht VW auch noch einen deutschen Fahrer. Zurzeit versucht das Team Talente aufzubauen. Christian Riedemann ist ein Kandidat, dem VW die Chance gibt, sich zu bewähren. Bei der Deutschland-Rallye chauffierte der Blondschopf, der in einer Woche 24 Jahre alt wird, einen von VW eingesetzten koda-Fabia der Super-2000-Serie. Der Auftrag des aus dem niedersächsischen 13.000-Einwohner-Örtchens Sulingen stammenden Nachwuchsfahrers: an diesem Sonntag das Auto heil ins Ziel an der Porta Nigra von Trier bringen. „Und vielleicht in der einen oder anderen Prüfung den Finger heben“, sagt Riedemann, der für die Freiwillige Feuerwehr seines Heimatortes schon mal den Wagen der Einsatzleitung steuert. Es gibt noch andere deutsche Kandidaten. Hermann Gassner junior kämpft in Trier ebenfalls um einen Startplatz im neuen VW-Team. „Ein neuer Walter Röhrl wäre uns am liebsten“, sagt VW-Sprecher Stefan Moser und lächelt.

          Nissen sieht die Dinge sachlich. „Für uns ist die Frage der Nationalität bei der Besetzung der drei Plätze im Team für 2013 eher zweitrangig“, sagt der VW-Sportchef. „Was zählt, ist der Speed.“ Um ihm zu bekommen, brauchen die Wolfsburger Rallye-Lehrlinge vor allem eines: Erfahrung. VW wird in dieser Saison noch bei den WM-Läufen in Spanien und England Wagen seiner Konzerntochter Skoda einsetzen, um anderen Talenten eine Chance zu geben. „Höchstens ein Deutscher“, sagt Nissen, könne bei den beiden nächsten Werkseinsätzen am Start sein, „wenn sich hier jemand bewährt.“ Ein hoher Druck wird also aufgebaut. 2012 soll die Aufbauarbeit weitergehen, damit 2013 ein starkes Team von Beginn an Vollgas geben kann.

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