https://www.faz.net/-gtl-y5ip

Rallye-WM : Die Jagdsaison ist eröffnet

Die Weltmeisterschaftssaison der Rallyefahrer beginnt auch in diesem Jahr in Schweden Bild: AFP

Auch in diesem Jahr eröffnet die Rallye Schweden die Saison. Seit 2004 hieß der Weltmeister am Ende stets Sébastien Loeb. Die schlechte Nachricht für die Konkurrenz und die Veranstalter: Ein Ende der Dominanz ist nicht in Sicht.

          3 Min.

          Es ist wieder Jagdsaison in Värmland. Nicht fern der Waidgründe von Carl XVI. Gustaf, schwedischer König und passionierter Jäger mit Vorliebe für Elche, röhren im Winter Verbrennungsmotoren durch verschneite Wälder. Auch in diesem Jahr eröffnet die Rallye Schweden die Weltmeisterschaftssaison, an diesem Wochenende hat sich eine Jagdgesellschaft rund um Karlstad versammelt, die nur ein Ziel im Blick hat: den Citroën von Sébastien Loeb und seinem Beifahrer Daniel Elena.

          Der Weltmeistertitel ist in den vergangenen Jahren zu einer Art Gewohnheitsrecht des Elsässers geworden – seit 2004 hieß der Weltmeister am Ende der Saison stets Loeb. Mal mit kleinerem, mal mit größerem Vorsprung. In der vergangenen Saison war der Sechsunddreißigjährige besonders gut, er gewann acht von 13 Rallyes.

          Eine solch ununterbrochene Dominanz hat es im Motorsport auf vier Rädern nie gegeben – lediglich Giacomo Agostinis 15 Weltmeistertitel in unterschiedlichen Motorradklassen in den sechziger und siebziger Jahren halten dem statistischen Vergleich stand. Die schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Loeb hat noch immer nicht genug. „Das Fahren ist mir eine Freude“, sagte der Franzose nach seinem siebten Titel. Daran hat sich bis zum Saisonstart nichts geändert.

          Die Skandinavier dominieren die Rennen im schwedischen Schnee
          Die Skandinavier dominieren die Rennen im schwedischen Schnee : Bild: AFP

          Auch mit Kimi Räikkönen bekommt Loeb keinen Konkurrenten

          Die Siegesserie sorgt in der Szene zwar nicht für sonderlich böses Blut, dazu gilt Loeb als zu freundlicher Sportsmann, dazu sind auch die Beißreflexe unter Rallyefahrern deutlich weniger ausgeprägt als etwa in der Formel 1. Aber die Veranstalter hadern seit Jahren mit der abnehmenden Bedeutung der World Rallye Championship (WRC), mit der geringen Zahl der vertretenen Hersteller und mit einer Fernsehpräsenz unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

          Da stärkt ein freundlicher, aber eher wortkarger Abonnements-Weltmeister die Verhandlungsposition nicht gerade. Auch mit der Verpflichtung des früheren Formel-1-Weltmeisters Kimi Räikkönen kam für Loeb kein ernsthafter Gegner hinzu. Räikkönen erzielte 2010 im Werks-Citroën zwar einige ordentliche Resultate, in dieser Saison aber muss er sich den Einsatz im eigenen „Ice1“-Team selbst finanzieren.

          Immerhin, in einigen Punkten sind 2011 Neuerungen in Sicht. So wird es in diesem Jahr bei jeder Rallye eine sogenannte „Power Stage“ geben, eine live im Fernsehen übertragene Wertungsprüfung, für deren Sieger es Zählbares gibt – drei WM-Punkte. Auch der Wertungszweite und -Dritte werden mit Bonuspunkten honoriert.

          „Wenn ich Siebter oder Achter bin, gehe ich vielleicht aufs Ganze“

          An diesem Sonntag (von 15 Uhr an bei Sport 1) hat das Format Premiere, auf den vier Kilometern der Etappe Gustavsfors 2. Allerdings: Das ganz große Spektakel werden die „Power Stages“ wohl nicht bringen. „Klar, wenn ich Siebter oder Achter bin, gehe ich vielleicht aufs Ganze“, sagt der Finne Mikko Hirvonen (Ford). „Aber wenn ich in der Gesamtwertung besser stehe, fahre ich auf Nummer sicher und bringe meine Punkte nach Hause.“ Es ist eine simple Rechnung: Solange in der Gesamtwertung, in der die Punktevergabe analog zur Formel 1 mit 25 Punkten für den Sieger beginnt und mit einem Punkt für den Zehnten endet, mehr zu verlieren als in der „Power Stage“ zu gewinnen ist, wird der Einsatz dort im Zweifel eher fern des fahrphysikalisch Möglichen und vom Programmdirektor Erhofften ausfallen.

          Zudem werden die Zuschauer zunächst wieder vor allem zwei Automodelle zu sehen bekommen. Citroën und Ford bleiben beim Saisonstart die einzigen Werksteams, im Laufe der Saison wird das Prodrive-Team den neuen WRC-Mini an den Start schicken. Da das Reglement als Basis nun die kleineren und günstigeren Fahrzeuge der S2000-Klasse vorsieht, in denen der sogenannte „Weltmotor“ zum Einsatz kommt, ein auch in anderen Rennserien einsetzbarer 1,6-Liter-Turbovierzylinder, setzen Citroën mit dem DS3 und Ford mit dem Fiesta Neuentwicklungen ein.

          Sämtliche Sieger seit 1950 aus Schweden, Finnland oder Norwegen

          Der Motorsport-Weltverband Fia hofft auf diese Weise, Hersteller wie Fiat, Peugeot, Proton, Skoda oder VW, die alle bereits Fahrzeuge für die S2000-Klasse entwickelt haben, von einem WRC-Einsatz überzeugen zu können. Bis dahin aber drehen Ford und Citroën im Zweikampf ihre Runden, und der Gejagte bleibt Sébastien Loeb.

          Wer ihn besiegen will, sollte damit in Schweden beginnen, zumal Citroën seine Autos im Hinblick auf die neun (von 13) Saisonläufe aufgebaut hat, die auf Schotter ausgetragen werden. Anders formuliert: Gewinnt Ford nicht auf dem in großen Mengen gefallenen schwedischen Schnee, ist das schon ein gewaltiger Rückschlag im Kampf um die WM. Außerdem hat Loeb hier erst ein Mal gewonnen (2004), was ihn allerdings auch zum einzigen Sieger der Rallye macht, der das Autofahren nicht zwischen skandinavischen Bäumen und Seen gelernt hat. Ansonsten kamen sämtliche Sieger seit 1950 aus Schweden, Finnland oder Norwegen.

          Auch in diesem Jahr scheint es, als sollten die Skandinavier an ihrer geschätzten Tradition festhalten können. Nach sieben Wertungsprüfungen führt der Norweger Mads Östberg (Ford) vor dem Finnen Hirvonen und seinem Landsmann Petter Solberg (Citroën). Loeb ist derzeit nur Neunter. Das wird sich ändern. Spätestens beim nächsten WM-Lauf in Mexiko.

          Weitere Themen

          Die starke Eintracht stürmt auf Platz eins

          3:1 bei Hertha BSC : Die starke Eintracht stürmt auf Platz eins

          Hertha BSC wollte den Schwung vom Auftaktsieg mitnehmen. Der Plan geht gewaltig nach hinten los. Frankfurt verliert zwar früh einen Spieler, nutzt aber die Torchancen – und steht vorerst an der Tabellenspitze.

          Duplantis siegt auch ohne großen Höhenflug

          Diamond League : Duplantis siegt auch ohne großen Höhenflug

          Zuletzt meisterte Stabhochspringer Armand Duplantis 6,15 Meter. In Doha bei der Diamond League bleibt er nun weit unter seinem Rekord. Dennoch gewinnt er. Auch ansonsten gibt es wenige überragende Leistungen.

          Topmeldungen

          Besucher auf der Pekinger Automesse probieren den neuen Mercedes V260 L SPV.

          Pekinger Automesse : Autobauer hoffen auf China

          Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie kommt die Autowelt wieder in China zu einer großen Messe zusammen. Die Aussichten für den größten Automarkt sind gut - aber auch die Abhängigkeit von China wächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.