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Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb : Segen und Problem

Von wegen Abgang: Sebastien Loeb bleibt Citroen treu Bild: dapd

Keiner fährt so schnell und präzise, keiner beherrscht sein Auto so perfekt: Rekordweltmeister Sébastien Loeb bleibt der Rallye und Citroën auch in Zukunft treu. Die Rallye-Welt ist sich nicht ganz sicher, ob sie sich darüber freuen soll.

          Loeb, immer wieder Loeb. Seit 2002, dem Jahr, in dem die Rallye-Weltmeisterschaft in Trier erstmals Station machte, hat den WM-Lauf kein anderer Fahrer als der siebenmalige Weltmeister aus dem Elsass gewonnen. Sébastien Loeb, der 37 Jahre alte Rekord-Weltmeister, ist inzwischen für sein Team und die Rennserie Segen und Problem in einer Person. Keiner fährt so schnell und präzise, keiner beherrscht sein Auto - den Citroën DS3 - so perfekt, keiner scheint an den Überflieger der zurückliegenden sieben Rallyejahre heranzureichen. Inzwischen bekommt der Franzose wegen seiner Dominanz zweifelhafte Grußadressen. „Ich mag Sébastien sehr“, sagte jüngst Armin Kohl, der die Rallye seit ihrer ersten Auflage leitet, und fügte hinzu: „Aber trotzdem würde ich hier gerne einmal einen anderen Sieger sehen.“ Schon möglich, dass sich Kohls Wunsch am Sonntag erfüllt, wenn die Boliden an der Porta Nigra in Trier nach der letzten der 19 Sonderprüfungen ins Ziel kommen.

          Aber eigentlich wäre es eine Überraschung, wenn Loeb ausgerechnet „seine“ Rallye nicht mit einem weiteren Triumph abschließen würde. Denn der neunte WM-Lauf ist die erste reine Asphalt-Rallye, die der WM-Kalender zu bieten hat. Und Loeb mag Asphalt. Er mag auch diesen Lauf, der nur 200 Kilometer von der elsässischen Stadt Haguenau ausgetragen wird, in der er geboren wurde. „Ich liebe die Rallye Deutschland“, sagt Loeb, „es ist ein besonderer Event für mich.“

          Doch auch der Weltmeister zeigte in jüngster Zeit Zeichen der Ermattung. Den Gedanken an ein bevorstehende Ende seiner Rallye-Karriere formulierte er offen: „Vielleicht brauche ich wirklich etwas Neues.“ Inzwischen hat er sich aber entschieden. Loeb verlängerte seinen Vertrag bei Citroën um zwei Jahre und beendete damit Spekulationen über seine Zukunft, in der auch ein Angebot aus der Deutschen Tourenwagen Masters eine Rolle gespielt hatte. Heißestes Gerücht war zuletzt ein Wechsel zu VW gewesen. Der Wolfsburger Konzern plant 2013 seinen Einstieg in die Rallye-WM mit einem Polo R World Rallye Car.

          Gut beobachtet: Loeb mit seinem Beifahrer Daniel Elena am Samstag auf der Panzerplatte in Baumholder

          Loeb bestätigte das DTM-Angebot ebenso wie den Kontakt zu VW: „Ich hatte ein Angebot von VW und muss zugeben, dass es meine volle Aufmerksamkeit hatte.“ Vielleicht können sich die Franzosen sogar bei ihren deutschen Kollegen bedanken, dass Loeb seinen Vertrag mit ihnen verlängerte. „Ich glaube“, verriet Loeb, „dieses Angebot hat mich überzeugt, dass ich im Rallyesport bleibe.“ Bei VW hätte Loeb im ersten Jahr sicherlich so etwas wie Entwicklungshilfe leisten müssen. Bei Citroën weiß er, was er hat: Ein Auto, mit dem er bestens zurecht kommt. Und damit die Chance, die WM weiter zu dominieren.

          Es bleibt das Gefühl, dass sich die Rallye-Welt nicht so ganz sicher ist, ob sie sich freuen soll über so viel Treue und Beständigkeit. „Er hätte zu VW gehen sollen“, sagte Dani Sordo, der lange hinter Loeb die Nummer zwei im Citroen-Team war und nun den Auftritt des BMW-Mini in der WM vorantreibt. Loeb spürt in seinem Team inzwischen den heißen Atem von Sébastien Ogier, seinem zehn Jahre jüngeren Konkurrenten, im Nacken. Bei der Rallye in Griechenland wurde Loeb gar von Ogier bezwungen. Es gab Ärger hinterher, der Weltmeister sah sich vom Team benachteiligt. Das ist zwar nach Loebs Vertragverlängerung vom Tisch - den Eindruck, dass Citroën über den Sieg von Ogier unglücklich gewesen wäre, hatte man aber nicht.

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