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Rallye-Star Ken Block : Der Californicator

Augen auf, Block kommt: Auf der Wertungsprüfung Ruwertal Bild: dapd

Ken Block ist kein besonders guter Rallyefahrer. Dazu ist er zu langsam. Aber Ken Block ist der spektakulärste Typ, der in der internationalen Szene unterwegs ist. Ein Actionheld der kalifornischen Schule. Einer, der quertreibt, weil es Spaß macht.

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          Er ist der Quertreiber der Rallye-WM. Wenn es einen Titel für den spektakulärsten Fahrstil geben würde, wäre Ken Block sicher mit Abstand der Spitzenreiter. Kurven nimmt der Amerikaner meistens mit dem Auto querstehend, am liebsten im haarsträubenden Tempo umrahmt von wegstiebenden Kieseln und einer Staubfahne, die er hinter dem Heck seines in schrillen Farben lackierten Ford Fiesta RS World Rallye Car herwehen lässt. Zuweilen hat der 43 Jahre alte Kalifornier dabei auch Bodenberührung - und zwar nicht nur mit den Reifen.

          Am Freitagmittag röhrte Block mit seinem gezeichneten Boliden in den Servicepark der Deutschand Rallye in Trier. Den Heckschweller, der nur noch locker an der Karosse hing, verstaute sein italienischer Beifahrer Alex Gelsomino schnell im Kofferraum. Block saß derweil vorne und parlierte lässig und völlig cool: „Es war halt ziemlich rutschig und ich bin hinten rechts irgendwo angeschlagen.“

          Blocks Fahrstil wirkt so schicksalhaft wie spektakulär. Die Kurven im Drift zu nehmen, ist eine seiner Spezialitäten. Wer in der WM weiter vorne mitfahren will, versucht es tunlichst zu vermeiden, seinen Wegen seitwärts durch die Kehren schaben zu lassen. Das kostet Tempo, strapaziert die Reifen und macht das driftende Fahrzeug zu einen schwer kontrollierbaren Geschoss. Der Umstand, dass Block im Driften ein König ist, verhindert Schlimmeres. Mit der Spitze der Rallye-WM hat der coole Amerikaner deshalb nichts zu tun.

          Der Mann für das durchgeknallte Biest: Ken Block

          Aber für die Fans am Streckenrand lohnt es sich immer, noch ein wenig zu warten, wenn die Stars schon vorbeigerauscht sind. Wenn Block in seinem Fiesta angeflogen kommt, wird immer etwas geboten. Für viele Rallyefreund ist Block der ungekrönte König des Motorsports. Er sei der „Actionheld der Rallye-WM“, war im Programmheft der Deutschland-Rallye zu lesen. Wer einmal eines seiner Videos gesehen hat, ahnt auch warum.

          Wie ein vom Jenseits geschickter

          Seine über Youtube verbreiteten Gymkhana-Auftritte sind legendär. Gymkhana ist eine hierzulande kaum bekannte Motorsportdisziplin, in der es darum geht, einen Parcours mit Hindernissen und besonderen Aufgaben im Drift und möglichst schnell zu überwinden - eine Art Hardcore-Variante des Rückwärts-Einparkens. Block ist das Idol der Gymkhana-Gemeinde. Inzwischen ist die vierte Folge seiner Video-Autritte ins weltweite Netz gegangen - ein völlig durchgeknalltes, aufwändig produziertes Video, in dem Block zunächst mit brennendem Overall durchs Bild schlendert und dann in seinem Fiesta durch die Universal-Studios in Hollywood fegt, dass einem Hören und Sehen vergeht.

          Block, der wie ein vom Jenseits geschickter durch die Szenerie rast, lehrt dem Weißen Hai genau wie King Kong mit ballerndem, feuerspeiendem Auspuff das Fürchten, jubelt mit singendem Getriebe und glühendem Turbolader durch die Hollywood-Kulissen und lässt die wildesten Autostunts der Filmgeschichte wie Kinderfilm-Produktionen aussehen. Schon die dritte Folge der Gymkhana-Auftritte wurde im Internet fast 35 Millionen Mal angesehen - die neue Folge wird wohl kaum weniger Zuschauer finden.

          Block ist nicht nur das Enfant Terrible der Rallye-WM, sondern tanzt auf drei Motorsport-Hochzeiten. Im Amerika fährt der Tausendsassa sowohl in der Gymkhana-Serie als auch in der Rallyecross-Meisterschaft. Wegen der unterschiedlichen Beanspruchungen hat Block sich ein „Hybrid“-Auto bauen lassen - das freilich mit dem Antrieb durch alternative Energien rein gar nichts zu tun hat. Sein Fiesta für Amerika lässt er sich umbauen - von der 600-PS-Monsterversion für die Gymkhana zur etwas zahmeren Rallyecross-Variante, bei der ein Restrictor ein wenig Dampf aus dem Turbolader nimmt. Dieses Auto, sagt Block, „ist ein durchgeknalltes Biest, das unendlich viel Spaß macht, gefahren zu werden.“

          Blocks Boliden sind über und über mit Werbung beklebt. Üppig vertreten auf den schrillen Karossen ist die Schuhmarke DC. Denn Block ist nicht nur ein Wahnsinns-Autofahrer, sondern auch ein cleverer Unternehmer. 1993 gründete er gemeinsam mit seinem Landsmann Damon Way die Firma DC Shoes - lässige Treter, vor allem in der Skaterszene gefragt. Nun jagt er auf breiten Rallye-Schlappen durchs Leben. Und dies meistens querstehend.

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