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Rallye-Kommentar : Ab in die Wüste

Idyllisch - aber auch zukunftsträchtig? Loeb im vergangenen Jahr an der Mosel Bild: dpa

An diesem Freitag beginnt rund um Trier die Rallye Deutschland. Trotz ihrer spektakulären Szenen kennt die breite Öffentlichkeit in Deutschland die WM nur vage. Und der Weltverband trägt sich mit Abwanderungsgedanken.

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          Ob die Rallye Deutschland die Kurve kriegt? An diesem Freitag beginnt rund um Trier die große Wettfahrt um Punkte in der Rallye-Weltmeisterschaft. Am Start sind die Stars der Szene, so wie der Rekordweltmeister Sébastien Loeb, der sein Citroën World Rallye Car so schnell durch die Haarnadelkurven in den Moselweinbergen driften lässt wie kein anderer Fahrer der Welt. Siebenmal war Loeb Weltmeister, achtmal war er Sieger der Deutschland-Rallye.

          Trotz der spektakulären Szenen, die dieser Motorsport bietet, kennt die breite Öffentlichkeit in Deutschland die Helden der WM nur vage. Sie werden allenfalls in den Spartensendern des Fernsehens präsentiert; so wie am Sonntag, wenn „Sport1“ die Schlussetappe an der Porta Nigra in Trier live überträgt - eine reine Showprüfung, die für Könner wie Loeb keine Herausforderung ist. Hand aufs Herz: Wer kennt Mikko Hirvonen oder Sébastien Ogier? Die beiden stehen auf den Plätzen hinter dem Überflieger Loeb.

          Armin Kohl, der Leiter der Rallye Deutschland, nennt das Problem beim Namen: „Rallye ist leider im deutschen Motorsport noch eine Randsportart.“ Kohl organisiert die „Deutschland-Rallye“ seit neun Jahren und hat sie zu einer Großveranstaltung der Spitzenklasse gemacht. 200.000 Zuschauer werden bei der dreitägigen Wettfahrt erwartet, 20 Millionen Euro Umsatz generiert der WM-Lauf für die Region. Das klingt nach einem Erfolgskonzept mit Zukunft. Doch die ist so ungewiss wie schon lange nicht mehr. Der Vertrag der Veranstalter mit dem Internationalen Automobilsportverband (Fia) läuft noch bis 2012. Ob es 2013 eine Rallye Deutschland geben wird, hängt von der Entscheidung der Fia ab, die im Herbst fallen soll.

          Der alle überragende Star: Sebastien Loeb am Donnerstag vor dem sogenannten „Shakedown” in Grewenich

          Der mächtige Verband hat Pläne, die in eine andere Richtung deuten. Im Juni sagte Fia-Präsident Jean Todt: „Die Rallye-Weltmeisterschaft findet im Moment zu oft in Europa statt.“. Die WM müsse aber „die ganze Welt abdecken“. Sicher ist, dass Todt mit der Rallye-WM wieder in den Mittleren Osten zurückkehren will, nachdem Abu Dhabi für 2012 aus dem Rennkalender gefallen war. Gut möglich, dass die Fia die Rallye im doppelten Sinne in die Wüste schickt. Denn die ständigen Reglementsänderungen haben nicht gerade zur Transparenz beigetragen. So irrt die WM zwischen Super 2000, Downsizing auf 1,6-Liter-Turbomotoren, Morgen- und Abendland hin und her. Der Versuch einer Stabilisierung ist nicht zu erkennen.

          So stellt sich die Frage, ob die Stars der Rallyeszene auch 2013 durch die Weinberge donnern werden? Es ist das Jahr, in dem VW seinen Einstieg in die WM plant. Die Wolfsburger hätten in der globalisierten Rallye-Welt kein Heimspiel, wenn die Veranstaltung in Deutschland die Kurve nicht kriegt. Was schade wäre. Aber die Pläne der Fia sind so weltumspannend wie die Marketingstrategien der großen Automobilkonzerne. Sie geben den Kurs vor.

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