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Rallye Deutschland : Segen und Risiko zugleich

Der Mann, der die Konkurrenz verzweifeln lässt: Sebastien Loeb ist zum achtenmal in Folge nicht zu schlagen bei der Rallye Deutschland Bild: dpa

Serientäter Sébastien Loeb: Der Franzose gewinnt die Deutschland-Rallye zum achten Mal in Serie. Während der Weltmeister unschlagbar scheint, steigt bei den Herstellern wieder das Interesse an der Hatz über Stock und Stein. Mini keht zurück, spekuliert wird auch über den Einstieg von VW.

          Es ist ein Rekord, der niemanden überrascht hat: Sébastien Loeb hat die Deutschland-Rallye am Sonntag zum achten Mal gewonnen. Seit 2002 wird der Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in und um Trier ausgetragen, acht Rallyes gab es bislang hier – und jedes Mal hieß der Gewinner Loeb. Der 36 Jahre alte Profi aus dem Elsass kann es einfach nicht lassen: Er ist als Sieger ein Serientäter. Sechsmal in Folge war er Weltmeister, so oft wie kein anderer Rallyefahrer; in dieser Saison führt er die Fahrerwertung schon wieder in aller Deutlichkeit an. Mit 191 Punkten hält er nach dem Triumph von Trier locker die Spitze vor seinem Teamkollegen Sébastien Ogier (133), der als Dritter 2:13,3 Minuten länger als Loeb ins Ziel an der Porta Nigra benötigte. Zweiter wurde Daniel Sordo (51,3 Sekunden Rückstand).

          Damit belegten die schnellen Citroën C4 wieder einmal alle Podiumsplätze. Vor der historischen Kulisse jubelten am Sonntagnachmittag Tausende Zuschauer den Männern in ihren Hightech-Maschinen zu. Held dieser 19. und letzten Prüfung der Rallye war Kimi Räikkönen. Der Formel-1-Weltmeister von 2007 begeisterte die Fans mit einer Bestzeit und fuhr auf den siebten Rang der Gesamtwertung (8:50,5 Minuten Rückstand) – was ihn auf Platz zehn der WM-Fahrerwertung beförderte (21 Punkte).

          Loeb, immer wieder Loeb – der Rekord-Weltmeister ist für die Rallye-WM Segen und Risiko zugleich. Keiner fährt zurzeit besser als der ehemalige Geräteturner aus dem elsässischen Städtchen Haguenau. Keiner der Männer in den auf minimales Gewicht, hohe Leistung und ausgewogenes Handling getrimmten Fahrzeugen kann derzeit an Loeb heranreichen. Selbst sein Teamkollege Ogier, ein Könner der Zunft, wirkte schon fast verzweifelt.

          Auf dem Weg zurück: Prodrive-Chef David Richards will mit Mini in die WM zurückkehren

          Nachdem er am Samstag das erste Mal die anspruchsvolle Prüfung auf der „Panzerplatte“ auf dem Truppenübungsgelände Baumholder absolviert hatte, sagte er kopfschüttelnd: „Sébastien liegt deutlich vorne. Das ist weiter keine Überraschung. Aber ich frage mich, wo ich die Zeit verliere.“ Loeb ist ein Ausnahmetalent. Kein anderer Fahrer der Welt kann ein solches Auto so präzise und schnell bewegen wie er. Dass er ein Spezialist für Asphalt-Strecken sei, will er selbst nicht gelten lassen. „Schotter, Schnee, oder Asphalt“, sagt Loeb, „ich sehe nicht ein, warum ich nicht überall schnell sein kann.“ Der Franzose, der im vergangenen Jahr vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, kann.

          Die WM hat Farbtupfer dringend nötig

          So scheint die Rallye-WM zu einer Loeb-WM geworden zu sein. Denn der Franzose ist auch noch ein gewandter und flinker Öffentlichkeitsarbeiter. Interviews unmittelbar nach der Prüfung? Kein Problem für den 36 Jahre alten Profi. Räikkönen tut sich da viel schwerer. Der Quereinsteiger aus der Formel 1 gab sich wie gewohnt wortkarg und spröde. Als Fahrer weiß er zu gefallen, fuhr die ganze Rallye – eine der schwierigsten des WM-Kalenders – konstant bei neunzig Prozent des Möglichen, kam ins Ziel und sammelte auch noch sechs Punkte in der Fahrerwertung.

          Dem stillen Finnen scheint sein Leben als Rallyefahrer zu behagen. „Man weiß nie, aber ich kehre wahrscheinlich nicht in die Formel 1 zurück“, wurde er auf der Internetseite der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ zitiert. Räikkönen ist ein Mann mit vielen Möglichkeiten, aber als Mann der Medien und der Fans ist er eine graue Maus. Dabei hätte die Rallye-WM Farbtupfer dringend nötig.

          Spekulationen über den Einstieg von VW

          Vor allem in Deutschland ist das Interesse an den wilden Sprints über Stock und Stein deutlich zurückgegangen. Dass Hersteller wie Mitsubishi, Subaru oder Škoda ihre Werksteams nach und nach aus der WM zurückzogen, brachte die Rennserie in Nöte. Inzwischen ist wieder gestiegenes Interesse spürbar. Mit einem Mini Countryman will BMW 2012 erstmals in die WM einsteigen. Macher des Projektes ist der Prodrive-Chef David Richards, der mit Subaru schon spektakuläre Erfolge in der WM feierte. Und Toyota liebäugelt offenbar ebenfalls mit einer Wiederkehr auf die Rallyepisten.

          Spekuliert wird zudem über einen Einstieg von Volkswagen in die Rallye-WM. Die Wolfsburger hatten in Trier am Freitagabend mit einer aufwendigen Show im antiken Amphitheater ihre neue Version des Race-Touareg für die Dakar-Rallye präsentiert. Zudem war als Vorauswagen der Rallye ein VW Scirocco R-Cup unterwegs – politisch korrekt mit Bio-Erdgas befeuert. Dass VW derzeit einen jener 1,6-Liter-Turbomotoren entwickele, die vom kommenden Jahr an in der WM eingesetzt werden sollen, wollte VW-Sportchef Kris Nissen weder bestätigen noch dementieren. Ausgeschlossen sei eine WM-Teilnahme aber nicht. Mit ihr sei jedoch frühestens 2013 zu rechnen, „das wäre realistisch“.

          Trier will die Rallye halten

          Auch die Wolfsburger werden zuvor genau analysieren, was ihnen der Aufwand bringen würde. „Planungssicherheit“, sagte Nissen, sei einer der wichtigsten Faktoren. Eine Kommission um den Fia-Präsidenten Jean Todt arbeitet an einem neuen Konzept, das Sponsoren besser einbinden und ein „höheres Medieninteresse auch vom TV“ bewirken soll, so Nissen.

          So etwas wie Planungssicherheit wünscht man sich auch in Trier. Wenn es nach den Veranstaltern des ADAC und den Stadtpolitikern geht, würde man die Rallye auch gerne in den kommenden zwei Jahren austragen. Jährlich rund 90.000 Euro würde Trier aus dem Stadtsäckel in die Rallye fließen lassen, beschloss jüngst der Stadtrat. 200.000 Besucher zählte man hier während der drei Tage langen Wettfahrten. Man könne es sich einfach nicht leisten, auf eine solche Veranstaltung zu verzichten, hieß es bei der Sitzung des Stadtrates. Nun werden die Trierer noch ein wenig warten müssen, bis sie wieder Gas geben können – die Fia, für die die öffentliche Subvention Bedingung war, entscheidet im Oktober.

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