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Formel 1 in Silverstone : Warum Hamilton nicht für alle ein Held ist

Lewis Hamilton steht gerne im Mittelpunkt. Geliebt wird er dennoch nicht von allen. Bild: dpa

Lewis Hamilton ist der Superstar der Formel 1. Doch das Verhältnis zu seinen Landsleuten ist kompliziert. Seit Jahren. Sie lieben ihn nicht so, wie er es manchmal gerne hätte. Dafür gibt es einige Gründe.

          Er steht dort nun schon seit mehr als einer halben Stunde. Vor ihm kreischen die Menschen, kleine Kinder, Familienväter, sogar alte Damen sind darunter. Manche von ihnen haben sich die „44“ auf die Haut tätowieren lassen, es ist die Startnummer von Lewis Hamilton. Schulter an Schulter stehen sie an den Metallgittern, die ihre Welt von der ihres Helden trennen. Es ist Donnerstagnachmittag, es ist die Autogrammstunde im Fahrerlager der Formel 1 von Silverstone. Andere Piloten sind längst wieder verschwunden, Hamilton macht noch immer Selfies mit seinen Fans, gibt Autogramme, lässt sich umarmen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Tag später, das Training vor dem Großen Preis von Großbritannien. Jedes Mal, wenn Hamilton aus der Box heraus auf die Strecke fährt, winkt er in Richtung der Tribünen. „Sie sollten einfach wissen, dass ich sie sehen kann und ihre Liebe und Unterstützung wirklich zu schätzen weiß“, erzählt Hamilton. Ein britischer Held? Nein, das wäre zu einfach.

          Ein paar Tage zuvor in London. Da feierte die Formel 1 am Trafalgar Square eine Riesenparty mit mehr als 100.000 Fans – und ausgerechnet Hamilton fehlte. Er entspannte lieber auf Mykonos. „Lewdicrous“ titelte die Boulevardzeitung „Sun“ danach, eine Abwandlung von „ludicrous“: Lächerlich! Die „Daily Mail“ behauptete gar, Hamiltons Fehlen sei eine Reaktion darauf gewesen, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff zuvor bei der Geburtstagsfeier von Sebastian Vettel (Ferrari), dem großen Rivalen im Kampf um diese Weltmeisterschaft, gewesen sei. Was er dazu sage, wollte der Reporter der „Daily Mail“ wissen. „Das ist die dümmste Frage, die ich je gehört habe“, antwortete Hamilton.

          Das Verhältnis zwischen ihm und den Briten ist kompliziert, das ist es seit Jahren. Aber warum? „Wir Engländer lieben Underdogs, wir lieben Menschen, die sich nach oben kämpfen mussten. Lewis hat es für einige zu einfach gehabt, er saß sofort in einem McLaren und konnte um die WM fahren“, sagt Formel-1-Reporter Will Buxton, der für den amerikanischen Sender „NBC“ arbeitet: „Und er wird von einigen nicht mehr unbedingt als Brite wahrgenommen, er ist ein Celebrity. Das ist genau wie bei David Beckham, als Fußballer haben wir ihn geliebt, dann hat er ein Spice Girl gedatet – und er war in einer anderen Umlaufbahn unterwegs.“ Andere sagen, auch Rassismus spiele noch immer eine Rolle. Hamilton war der erste dunkelhäutige Weltmeister in der Geschichte der Formel 1, in diesem Aristokratensport der Weißen. Seine Geschichte ähnelte der von Tiger Woods im Golf. Und doch steht offenbar auch seine Hautfarbe zwischen Hamilton und Teilen der Briten.

          Ein Foto für die sozialen Netzwerke ist schnell gemacht und dem Briten wichtig.

          Dabei ist der Zweiunddreißigjährige längst eine der bestimmenden Figuren in der beinahe siebzigjährigen Geschichte der Formel 1 – in einer Liga mit Michael Schumacher, Ayrton Senna und Alain Prost. In Silverstone sicherte er sich am Samstag bereits die 67. Pole Position seiner Karriere, es ist nur noch eine Frage von Wochen, bis er den bisherigen Rekord von Schumacher (68) übertrifft. Auch bei den Rennsiegen liegt Hamilton (56) auf Platz zwei hinter dem Rekordchampion (91).

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