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Pirelli-Sportchef Mario Isola : Der Druckspezialist in der Formel 1

  • -Aktualisiert am

Rettungs­wagenfahrer in der ­Freizeit: Mario Isola Bild: Reuters

Wer in der Formel 1 gewinnen will, muss die Reifen verstehen. Nach den beiden Unfällen in Baku zuletzt zeigt Pirellis Sportchef Mario Isola den cleveren Rennställen die Grenzen auf.

          2 Min.

          Mario Isola der „Kopf der Woche“ im Sport? Der Italiener ist ein sportlicher Typ, aber kein Athlet. Er fährt Krankenwagen, in der Freizeit. Vor einem guten Jahr war das eine harte Zeit für den Mailänder. Trotz schrecklicher Erfahrungen mit all den Corona-Infizierten hinter ihm segensreich, wie er sagt. Man werde geerdet. Isola, 51 Jahre alt, steht alltags im Fahrerlager der Formel 1.

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          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er ist der wohl unbekannteste Dauersieger. Alle fahren sie mit seinen Reifen. Das ist das Problem. Das Monopol von Pirelli in der Formel 1 unter Leitung von Sportchef Isola hält die Kosten niedriger, weil es kein irres Wettrüsten mehr gibt. In Indianapolis kreisten 2005 nur Autos auf Bridgestone-Gummis, weil in der Steilkurve die Reifen von Michelin den Piloten um die Ohren geflogen wären. Ein Albtraum.

          Das Desaster führte aller Welt vor Augen, wie wichtig die Reifen sind, lebenswichtig. Aus Sicht des Piloten, weil sie die entscheidende Verbindung zwischen ihm, dem Auto und der Straße sind. Von den Reifen hängt es ab, wohin die Reise geht. Eine Wissenschaft. Heute wird vom „Temperatur-Fenster“ gesprochen, das man suchen muss, damit sie funktionieren. Wer fündig wird, kann im Handumdrehen ein Held werden. Wer den Zeitpunkt verpasst, rutscht ins Abseits.

          Heikles Spiel in der Formel 1

          Deshalb schimpfen die Fahrer so gerne. Darum hat der Formel-1-Chef, Stefano Domenicali, vor der Saison die Fahrer darum gebeten, jedes Wort zu bedenken. Aber sie können es nicht lassen, die Reife der Reifen infrage zu stellen. Ihr Wohlgefühl hängt davon ab. Sie wollen Gummis, die immer und überall kleben. Für ihren Kurvenrausch. Ein heikles Spiel. Die Konstruktion solcher Reifen ist anfällig für Schäden.

          Vor zwei Wochen in Baku haben Lance Stroll (Aston Martin) und dann Max Verstappen (Red Bull), in Führung liegend, bei mehr als 300 Kilometern pro Stunde die Kontrolle über ihre Rennwagen verloren. Sie blieben unverletzt. Je ein Hinterreifen hatte Form und Fassung verloren. Jetzt versteht man, warum Isola nur verlieren kann. Wenn seine Reifen vor Millionen Zuschauern der Belastung nicht standhalten, ist der Schaden kaum zu fassen: Sind die Pneus ein Sicherheitsrisiko?

          Formel 1

          Nein, behauptet der frühere Testfahrer mit Blick auf seine Laboranalyse: kein Material- oder Qualitätsfehler! Er hält die „Betriebsbedingungen“ für die Unfallursache, sprich: den Menschen. Prompt empörten sich die zwischen den Zeilen angesprochenen Rennställe Red Bull und Aston Martin. Sie hätten den vorgeschriebenen Reifendruck „zu jeder Zeit“ eingehalten, antwortete Red Bull.

          Das muss man glauben bis zum Beweis des Gegenteils. Wiewohl das Spiel mit dem Reifendruck den Internationalen Automobil-Verband FIA alarmiert hat. Er glaubt zu wissen, dass mit einem Aufheizen der Pneus vor der Kon­trolle der Reifendruck das geforderte Maß erreicht, danach beim Abkühlen aber sinkt, was die Haftung steigert – und das Risiko einer Überlastung. Rennfahrer, Rennställe sind Grenzgänger. Wer weiß schon, was beim Reifenwechsel während des Rennens für ein Druck herrscht?

          Die FIA, Regelhüter, Sicherheitspolizei und Richter in einem, hat Mario Isola zugehört. Vom Rennen an diesem Sonntag (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) in Frankreich an werden die Ventile versiegelt, Infrarotkameras für die Temperaturprüfung eingesetzt – und wird erstmals nach dem Rennen die Pression der Luft überprüft, stichprobenartig. Manchen am Steuer mag dieser Druck nicht gefallen. Aber im Zweifel ist Isolas Sieg gesund für sie.

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