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Ogier gewinnt Rallye Deutschland : Der Usurpator

Loeb (vor der Porta Nigra in Trier): Andauernder Machtkampf Bild: dapd

Die Rallye Deutschland, ausgetragen vor der historischen Trierer Kulisse, wird von einem Duell geprägt, das an römische Ränkespiele erinnert: Dauersieger und Weltmeister Loeb unterliegt dem jungen Teamkollegen Ogier. Die Stimmung bei Citroën ist vergiftet.

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          Es war eine Premiere mit Nebengeräuschen. Während die Boliden der Rallye-Weltmeisterschaft am Sonntag Mittag in Trier über den „Circus Maximus“ , die letzte Prüfung der Deutschland Rallye, röhrten, stand es schon so gut wie fest: Sébastien Loeb, der den deutschen WM-Lauf acht Mal gewonnen hatte, würde diesmal nicht der Sieger sein - geschlagen ausgerechnet von seinem jüngeren Teamkollegen, Sébastien Ogier. Loeb, der Mann aus dem Elsass, war diesmal 39,8 Sekunden langsamer als der Südfranzose Ogier, der die Deutschland Rallye zum ersten Mal gewann (3:32:15,9 Stunden).

          Die ersten beiden Plätze waren den beiden Citroën-Piloten schon am Samstag kaum noch zu nehmen gewesen, denn die beiden DS-3-World-Rallye-Cars dominierten das Feld überaus deutlich. So hatte am Sonntag der Dritte, Dani Sordo, einen Rückstand von 1:55,6 Minuten auf den Sieger Ogier, der in der Fahrerwertung mit nun 167 Punkten auf Platz zwei hinter Loeb (192) aufschloss. Der Sturz des Rallye-Machthabers Loeb hat zu Komplikationen geführt - und er war keineswegs eine Teamentscheidung.

          Zwar hatte Citroën-Sportchef Olivier Quesnel angesichts der Dominanz seiner Fahrzeuge mit dem Hinweis auf die wichtige Herstellerwertung in der WM versucht, das Feuer aus des zeitweise von Emotionen gesteuerten Wechsel an der Spitze zu nehmen. Seine Worte klangen wie Tadel für zwei unartige Schüler: „Es gibt noch vier WM-Rallies und wir führen in der Wertung. Wir müssen die Interessen von Citroën vertreten.“ Und deshalb hatte sich Quesnel, offenbar auch in Absprache mit der Spitze des französischen Automobilkonzerns PSA, für eine sehr konservative Variante entschieden und am Freitag eine Teamorder ausgegeben. Loeb sollte als Sieger ins Ziel kommen, Ogier als Zweiter.

          Nachwuchsstar Ogier: Sturz des Machthabers

          Der temperamentvolle Südfranzose war sauer: „Es war sehr schwierig“, wetterte er gegenüber dem Internetportal motorsport-total.com, „so möchte ich keine Rallye fahren, aber letztendlich habe ich mich entschieden, es zu akzeptieren.“ Der wendige Kunstturner Loeb blieb cool und meinte nur, er habe das Gefühl, sein Kollege rede zu viel. Dass der siebenmalige Weltmeister die Rallye trotz der Teamorder dann doch nur als Zweiter abschloss, lag an einem Reifenschaden, der ihn am Samstagnachmittag mehr als eine Minute kostete.

          Loebs Reifenschaden? Für Ogier so etwas wie Gerechtigkeit

          Auf der berüchtigten „Panzerplatte“ in Baumholder fuhr sich der Titelverteidiger auf dem Reibeisen-Beton des Truppenübungsplatzes einen Plattfuss ein. Ogier kam gut durch die Prüfung, löste Loeb an der Spitze ab - und erklärte lapidar, dass es im Sport wohl doch so etwas wie Gerechtigkeit gebe. Sein Chef Quesnel versuchte dieser durchaus offensiven Äußerung mit dem Hinweis aus Ogiers Jugend die Schärfe zu nehmen: „Keiner ist ihm böse, denn er ist noch jung und so etwas kann passieren.“

          Hintergrund des Gefechtes ist eine enorme Rivalität zwischen Ogier und Loeb, die sich im Laufe der Saison entwickelt hat. Loeb hatte sich im Juni bei der Griechenland-Rallye benachteiligt gefühlt, und vermutete eine verdeckte Teamorder, die Ogier schließlich an die Spitze gebracht hatte. Ogier hingegen ist heiß auf den WM-Titel, auf den er nun nach seinem Sieg in Trier realistische Chancen hat. Aus seiner Enttäuschung über Loebs Vertragsverlängerung mit Citroën kurz vor der Deutschland-Rallye hatte er keinen Hehl gemacht.

          Ein Abschied des Rekord-Weltmeisters vom französischen Hersteller hätte ihn zur Nummer eins im Team gemacht. So aber muss er sich wohl weiter mit der Rolle des Kronprinzen abgeben. Die Frage ist nur, ob der Kampf an der Spitze noch lange gut geht. Ogier, dessen Vertrag auch noch die Saison 2013 einschließt, wird sich auf Dauer nicht damit zufrieden geben, nur die Nummer zwei zu sein. Und Loeb wird alles dafür tun, das alles beim Alten bleibt. Ob Citroën das will, ist fraglich: einen andauernden Machtkampf der französischen Streithähne. Dann vielleicht doch lieber einen vorzeitigen Abschied von Ogier? VW will 2013 mit einem Polo R in die WM starten. Die Wolfsburger suchen noch einen Spitzenfahrer.

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