https://www.faz.net/-gtl-9nid0

Laudas Lebensretter Merzario : „Ciao Niki. Es war schrecklich“

  • Aktualisiert am

„In den vergangenen 20 Jahren haben Niki und ich viel telefoniert und diskutiert“: Arturo Merzario rettete Niki Lauda einst das Leben. Bild: AFP

1976 zog ein anderer Pilot Niki Lauda aus den Flammen seines Autos und rettete ihm damals das Leben. Nun kam Arturo Merzario zur Beerdigung und trauerte. Besonders emotional war auch ein anderer Rennfahrer-Kollege.

          1. August 1976, der Rennwagen von Niki Lauda verschwindet nach einem schweren Unfall auf dem Nürburgring in einem Ball aus Flammen. Es ist ein Wunder, dass der Österreicher diesen Unfall überlebt. Maßgeblich daran beteiligt: Arturo Merzario, dem es damals gelang, die Sicherheitsgurte von Lauda zu lösen. Am Mittwoch verabschiedete sich auch der ehemalige italienische Rennfahrer vom dreimaligen Formel-1-Weltmeister. „Ciao Niki“, sagte Merzario, der mit seinem weißen Cowboy-Hut bei den Trauerfeierlichkeiten in Wien nicht zu übersehen war.

          „In den vergangenen 20 Jahren haben Niki und ich viel telefoniert und diskutiert“, zitierte die Gratiszeitung „Österreich“ Merzario. Der Moment, in dem Laudas Sarg am Mittwoch nach einer bewegenden Trauerfeier aus dem Wiener Stephansdom getragen wurde, sei für ihn „schrecklich“ gewesen, „weil es nun der Abschied für immer war“.

          Wie Merzario nahmen am Mittwoch zahlreiche Ehrengäste und Tausende Fans Abschied von Lauda, der in Österreich nicht weniger als ein Nationalheld war. Die ersten Fans standen schon um sieben Uhr morgens im strömenden Regen am Stephansdom, in dem Laudas geschlossener Sarg einige Stunden lang öffentlich aufgebahrt wurde – im Stephansdom war das eine Premiere für einen Sportler. Die Familie der Motorsport-Legende hatte darum gebeten und Dompfarrer Toni Faber diesen Wunsch gerne erfüllt, wie er den Medien berichtete. Faber, der Lauda einen Freund nannte, bezeichnete den im Alter von 70 Jahren Gestorbenen als „unprätentiösen, bescheidenen, strahlenden Stern am Rennfahrer-Himmel“.

          Zu den Prominenten, die dem in Österreich als „Niki Nazionale“ verehrten Lauda die letzte Ehre erwiesen, gehörten Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, die ehemaligen Rennfahrer Nico Rosberg, Alain Prost, Gerhard Berger, Marc Webber und David Coulthard, Motorsport-Weltverbandschef Jean Todt, Ferrari-Grande Luca di Montezemolo, Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, die Schauspieler Arnold Schwarzenegger und Daniel Brühl sowie der frühere Kanzler Sebastian Kurz. „Er hat uns gezeigt, wie weit ein Mensch es bringen kann“, sagte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen dabei über Lauda. „Goodbye, great Champion.“

          Besonders emotional war die Rede des österreichischen Rennfahrer-Kollegen Gerhard Berger, der sichtlich ergriffen Anekdoten über die aus seiner Sicht uneitle, geradlinige und nicht immer einfache Motorsport-Legende erzählte: „Niki, ich würde lieber mit dir persönlich sprechen, als über dich.“ Bei der Zeremonie wurden zudem Lieblingslieder von Lauda gespielt, darunter „Amazing Grace“ und der Tracy-Chapman-Song „Fast Car“.

          Niki Laudas Formel-1-Karriere begann 1971, vier Jahre später wurde er zum ersten Mal Weltmeister. Am 1. August 1976 passierte der Horrorunfall auf dem Nürburgring, den Lauda trotz schwerer Verbrennungen und einer verätzten Lunge überlebte. Im Krankenhaus gab dem Weltmeister ein Priester damals sogar schon die letzte Ölung. Doch Lauda wollte nicht sterben – und wurde 1977 und 1984 noch zwei Mal Formel-1-Champion. Sein Markenzeichen wurde die rote Kappe, die stets seinen schwer vernarbten Kopf bedeckte.

          Parallel zur Rennfahrerkarriere engagierte sich Lauda auch als Luftfahrtunternehmer, bis zuletzt war er in führender Position bei der nach ihm benannten Airline Laudamotion im Dienst. Auch der Formel 1 blieb er treu und wurde eines der Gesichter des andauernden Erfolgs von Mercedes. Im Sommer 2018 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand so sehr, dass eine Lungen-Transplantation nötig war. Lauda erholte sich laut seinen Ärzten zunächst gut, an die Rennstrecken dieser Welt schaffte er es aber nicht mehr zurück. Am 20. Mai starb er mit 70 Jahren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein älterer Mann springt in den Trepliner See.

          Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

          Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.
          Arbeit im Zeichen des Vegan-Trends: Mitarbeiter des Supermarktes „Veganz“ am Kühlregal

          Vegane Ernährung : Arbeit ohne Heiligenschein

          Immer mehr vegane und vegetarische Lebensmittel kommen auf den Markt. Um sie herum gibt es jede Menge Berufe. Wie ideologisch muss man sein, um in der Branche klarzukommen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.