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Formel 1 : Niki Lauda will die Regeln kippen

  • -Aktualisiert am

Regelhüter aufgepasst: Die Formel 1 ist auf der Suche nach der erwünschten Härte Bild: AFP

Red Bull im Zweikampf mit Mercedes? Verstappen als Silberschrott-Produzent? Beim Rennen in São Paulo wachen die Verkehrsrichter wieder mit Argusaugen über die Einhaltung neuer Überholregeln. Niki Lauda will sie streichen.

          Kinder hören auf ihre Eltern? Mercedes hat mit einem Appell versucht, vor dem Kampf um die Formel-1-Weltmeisterschaft im eigenen Team potentielle Störenfriede zur Räson zu bringen. Anruf von Teamchef Torger Wolff beim Vater von Red-Bull-Pilot Max Verstappen: Jos Verstappen, der frühere Formel-1-Pilot, möge dem hochgeschätzten Sohnemann vor dem Großen Preis von Brasilien an diesem Sonntag in São Paulo (17 Uhr MEZ/RTL, Sky und F.A.Z.-Liveticker) zu verstehen geben, dass ein Crash mit den WM-Kandidaten in den Silberpfeilen lange an ihm hängenbleiben würde. Das soll ein gutgemeinter Rat gewesen sein. Doch die Führungspersönlichkeiten im Team des Brause-Verkäufers schäumten am Freitag ob dieser verkehrspolitischen Einmischung an ihnen vorbei. Mercedes, ließ Red-Bull-Berater Helmut Marko sinngemäß ausrichten, möge doch am Sonntagvormittag unter sich fahren, der Rest bestreite dann am Nachmittag das Rennen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Es knistert im Fahrerlager. Pünktlich zum ersten Matchball von Nico Rosberg im Duell mit seinen Teamkollegen Lewis Hamilton rücken die Konkurrenten gefährlich nahe. Die Silberpfeile, obwohl bislang die Sieger-Boliden in siebzehn von neunzehn Grands Prix dieser Saison, werden am Sonntag vermutlich nicht davonsausen. Denn zum Wochenende ist eine tiefgraue Wolkendecke über der Millionen-Metropole aufgezogen.

          Sie wird auch während des Rennens Regen bringen, sagen die Meteorologen. Und das ist ein Segen für Red Bull, eine große Chance auf den dritten Saisonsieg, zumindest auf Zweikämpfe mit der Mercedes-Fraktion. Nico Rosbergs Titelfeier, ein Sieg reichte ihm, könnte also ins Wasser fallen. Schlimmer noch: Was, wenn der Deutsche seinen 19-Punkte-Vorsprung vor Hamilton verliert, weil der fröhliche, freche, schnelle Verstappen bei seinen forschen Attacken wieder den Bremspunkt verpasst und auf nasser Piste vom Supertalent zum Silberschrott-Produzenten mutiert?

          Besorgte Anrufer, empörte Adressaten, kecke Antworten. Das Tiefdruckgebiet über São Paulo erzeugt im Rennzirkus einen ganz gut begründeten Hochdruck: Die Red-Bull-Crew zählt zu den aggressivsten in der Szene. „Ich bin doch der risikofreudigste Fahrer“, sagt Daniel Ricciardo mit seinem entwaffnenden Lächeln. Nur ist der Australier lange nicht so aufgefallen wie sein 19-jähriger Nebenmann Verstappen: Die Weltmeister Hamilton, Räikkönen und Vettel haben sich öffentlich über die Profilierungsaktionen des Jungspunds bei Tempo 300 beklagt. Verstappen greift, vom Vater-Berater auf die Spur gesetzt, die Platzhirsche an. Wie es mehr oder weniger alle taten, die zu Champions wurden. Nur schießt er ein Tick zu häufig über das Ziel hinaus.

          Zwischen Begeisterung und Empörung

          „Es haben nur Zentimeter gefehlt“, sagt Niki Lauda, „und er hätte den Nico abgeschossen in Mexiko.“ In der ersten Kurve nach dem Start hatte Verstappen auf der Jagd nach dem Führenden der WM den Bremspunkt verpasst und den Mercedes touchiert. „Mit Glück hat er die Aufhängung verfehlt“, fügt der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes hinzu: Max sei ein großartiges Talent, aber er fahre maximal um Rang vier. Er solle keinen Einfluss nehmen auf den Ausgang der WM.

          Ein Talent, das für Ärger sorgt: Max Verstappen ist manchen zu wagemutig

          Die Formel 1 schwankt zwischen Begeisterung und Empörung, zwischen der Hoffnung auf einen großartigen Entertainer und der Sorge, der spürbare Respekt-Verlust unter jungen Leuten habe nun auch ihre Kreise erfasst. Das Egozentrum des Berufssports als Benimmschule?

          Der frühere Weltmeister Jacques Villeneuve (1997 im Williams nach Rammstoß von Michael Schumacher) glaubt, dass Typen wie Verstappen mit dem Begriff Respekt (noch) nicht viel anfangen könnten. Wolff hätte er vom Anruf beim Vater abgeraten: „Reden bringt nichts“, sagte er in einem Interview mit RTL, „das muss man auf der Strecke diskutieren, so haben wir das gemacht.“ Den Piloten sind aber die Freiheiten, Probleme unter sich auszutragen, so beschnitten worden wie den Schuljungen die Hierarchie-Kämpfchen auf dem Pausenhof. Beim ersten Hauch eines Streits wird eine Klassenkonferenz einberufen.

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