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Niki Lauda : Der letzte Zeuge der Formel 1

  • -Aktualisiert am

In Monte Carlo kreist die Formel 1 erstmals ohne Niki Lauda nach seinem Tod. Bild: Reuters

In Monte Carlo kreist die Formel 1 an diesem Sonntag erstmals ohne den verstorbenen Niki Lauda. Einen wie ihn kann es nicht noch einmal geben – dazu hat er selbst beigetragen.

          Niemand ist unersetzbar! So hätte Niki Lauda geantwortet auf die Nachrufe zu seinem Tod am vergangenen Montag. So wichtig, wie er war für die Formel 1, hat sich der Österreicher nie genommen. Aber er wusste um die Wirkung seiner Haltung, auf Nachfrage das kleinste wie das größte Rädchen zu kritisieren. Der Mut zu dieser Freiheit ohne Rücksicht auf Gesprächspartner vor laufender Kamera verlieh seiner Meinung eine besondere Glaubwürdigkeit.

          Obwohl er die Komplexität der Formel-1-Technik mitunter auf recht simple Aussagen herunterbrach, eine Art Schwarz-Weiß-Malerei kultivierte. Das kommt an in Zeiten, in denen die Menschen wenigstens beim Sport verstehen wollen, was um sie herum passiert. Deshalb stieg Laudas Wert als unterhaltsamer Zeuge vermeintlich guter alter, ganz sicher aber übersichtlicher Zeiten zuletzt mehr und mehr. Die Formel 1 hat einen brillanten Übersetzer verloren.

          Jeder Mensch ist unersetzbar. Das werden Angehörige oder Freunde bestätigen. Aber warum sollte es keinen geben, der zumindest im Ansatz die Rolle des dreimaligen Weltmeisters eines Tages übernimmt? Weil die Entwicklung einer so beeindruckende Biographie unter den herrschenden Bedingungen ausgeschlossen ist. Alle zwei Wochen transportierte Lauda die Todes-Gefahr der Formel 1 und damit einen Teil der Faszination für den Mut der Piloten mit seinem gezeichneten Antlitz aus den siebziger Jahren in die Gegenwart. Obwohl das Risiko heute viel geringer ist. Er trug mit seiner Sicherheitskampagne selbst dazu bei.

          Lauda war es auch, der die Professionalisierung der Piloten vorantrieb, die Schumacher auf das nächste Level hob. Heute gelingt 19-Jährigen ein nahtloser Einstieg, weil sie schon elf oder mehr Jahre in einem Wettbewerbsdrill alle Klassen durchfahren haben. Lauda begann seine Motorsportkarriere mit dem Erwerb des Führerscheins. Er hatte vorher Zeit, die Welt kennenzulernen, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Seine „Enkel“ werden inzwischen genötigt, sich von Kindesbeinen an allein zwischen Leitplanken zu bewegen, falls sie im Rennen bleiben wollen. Dieses Systematik unterdrückt zwangsläufig, was Lauda interessant machte.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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