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Niki Lauda im Gespräch : „Wir erleben ein ganz großes Duell“

Heute Aufsichtsratschef des Mercedes-Rennstalls, in den Siebzigern der große Rivale von James Hunt: Niki Lauda (links) kennt sich aus mit offenen Zweikämpfen. Bild: © Phipps/Sutton Images/Corbis

Niki Lauda ist begeistert von der aktuellen Saison der Formel 1. Im FAZ.NET-Interview spricht er über den Kampf zwischen Vettel und Hamilton, Psycho-Tricks – und Abenteuer mit einer Adligen.

          4 Min.

          Erleben wir in diesem Jahr ein Duell um die Fahrer-WM von besonderer Qualität?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sebastian Vettel ist viermal Weltmeister, Lewis (Hamilton/d. Red.) dreimal. Da knallen zwei aufeinander, die bewiesen haben, dass sie die Besten sind. Das ist ein unglaubliches Glück für die Formel 1. Wir haben schon beim Rennen in Barcelona einen Kampf auf dem höchsten Niveau gesehen. Ich habe mit Lewis darüber gesprochen. Er erzählte mir, dass es richtig hart gewesen sei. Das zeigt, wie eng es zugeht, was Lewis leisten musste, um Sebastian schlagen zu können. Es geht um Nuancen. Deshalb erleben wir gerade ein ganz großes Duell.

          Warum war es hart?

          Lewis hatte einen Mercedes, der leicht unterlegen war. Aber der Hauptunterschied ist, dass der Ferrari im Grenzbereich einfacher zu fahren ist. Er fährt wie auf Schienen. Das Auto ist sehr gut ausbalanciert, es geht gut mit den Reifen um, alles passt. Für Lewis und Valtteri (Bottas, Teamkollege bei Mercedes/d. Red.) aber ist der Grenzbereich zwischen Durchkommen und Abfliegen noch dünner als bei Vettel. Das Verhalten des Hecks ist nicht so vorhersehbar, wie sich die Fahrer das wünschen. Beim Ferrari ist das besser. Wir müssen das Auto trimmen, damit es zusammenwächst.

          Aber dann ist es auf gleichem Niveau?

          Nein. Lewis sagt, dass Vettel aus den Kurven heraus besser beschleunigen kann als er. Er muss vorher noch aufpassen, dass er sein Heck nicht verliert. Deshalb musste er für seinen Sieg in Barcelona etwas Besonderes leisten, das muss man ihm doppelt anrechnen. Und dieser Kampf geht weiter.

          Sie relativieren die Leistung von Vettel ...

          ... nein, nein. Was die beiden in Barcelona abgeliefert haben, ist unschlagbar. Auch Vettel muss mit einem um ein Zehntel leichter zur fahrenden Auto Gas geben, dass die Fetzen fliegen. Die technischen Unterschiede können und werden sich von Rennen zu Rennen verschieben. Dabei geht es um Sekundenbruchteile. Das wird richtig spannend.

          Sind zwei Top-Piloten in zwei Teams mit annähernd schnellen Autos Ihre Traumkonstellation?

          Ja, weil es problematisch sein kann, wenn du gegen den eigenen Teamkollegen um die WM fahren musst. Was immer wir technisch draufpacken können, wird Lewis voranbringen. Und andersherum bekommt Vettel einen Vorteil, wenn Ferrari einen Fortschritt entdeckt. Wenn du aber im eigenen Team um die Krone fährst, dann bringt dir der technische Fortschritt nichts. Jede Entwicklung hilft ja auch dem Teamkollegen. Es kommt also nicht nur auf die Fahrerleistung an, sondern auch auf den Entwicklungsspeed. Beide Teams stehen deshalb unter einem enormen Druck bis zum Ende der Saison.

          Hamilton und Vettel versichern sich eines gegenseitigen Respekts. Unter großen Vorgängern der beiden hat das auch so angefangen, endete aber mitunter in absichtlichen Karambolagen wie bei Ayrton Senna und Alain Prost 1990. Sehen Sie so eine Gefahr?

          Erst einmal schaue ich aufs eigene Team, weil dort der Konkurrenzkampf im gleichen Auto viel größer sein müsste. Lewis und Valtteri pflegen aber ein ganz anderes Verhältnis zueinander, als es Hamilton und Rosberg (Nico, Teamkollege 2016 und zurückgetretener Weltmeister/d. Red.) zuletzt taten. Die hatten sich auseinandergelebt. Wie in einer scheiternden Ehe ist eines Tages der Punkt gekommen, wo man sich gegenseitig nervt und das dann in Abneigung umschlagen kann. Die Stimmung zwischen den beiden war zuletzt eher negativ. Die haben sich zwar noch gratuliert, weil sich das so gehört. Aber mehr auch nicht. Jetzt aber freut sich Lewis wirklich über einen Sieg von Bottas. Die respektieren sich, das wird so bleiben.

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