https://www.faz.net/-gtl-8y9lf

Niki Lauda im Gespräch : „Wir erleben ein ganz großes Duell“

Wird es auch zwischen Vettel und Hamilton so bleiben?

Grundsätzlich ja. Aber wenn der WM-Kampf so weitergeht, dann wird es auf der Strecke zu weiteren Berührungen kommen, die zu Diskussionen führen. Daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert. Je enger der Zweikampf, desto wahrscheinlicher ist ein hartes Treffen auf der Piste.

Wie war das zu Ihrer Zeit?

Einfacher. Wenn sich mal einer schlecht verhalten hatte, dann wurde er abgedrängt irgendwo auf der Strecke. Der kam dann nachher und fing an zu diskutieren. Aber so ein Manöver konnte doch keiner beweisen, es gab nicht so viele Kameras, nicht jeder Meter war überwacht. Heute ist jede Lenkbewegung per Telemetrie nachweisbar. Wir haben damals manche Dinge unter uns auf der Strecke geklärt. Ich habe schon ein paar abgedrängt, die dann auf der Wiese herumgefahren sind.

Haben Sie die Fahrer, mit denen Sie um die WM fuhren, respektiert?

Ja, wenn ich mich recht erinnere. James Hunt (Weltmeister von 1976) war ein Kumpel, ich mochte ihn. Ich habe ihm den Titel gegönnt. Nach meinem Unfall am Nürburgring im August hatte ich allerdings auch andere Probleme, ich war ja halbtot. Als Gegner war er mir wurscht, weil er in einem anderen Team fuhr. Alain Prost war mühsam für mich. Ich hatte nach meiner Rückkehr 1982 das Turboauto entwickelt. Weil mein Teamkollege bei McLaren, John Watson, wegen eines Streits um 5000 Dollar mit Teamchef Ron Dennis den Vertrag nicht unterschrieb – der war ja deppert, ich hatte ihm angeboten, die 5000 zu zahlen –, bekam Prost das Cockpit im November 1983. Er war bei Renault rausgeflogen. Und dann falle ich im ersten Rennen 1984 in Brasilien vor Prost liegend aus und sehe im Hotel im Fernsehen, wie er mit meinem Auto gewinnt. Das hat mich genervt.

1. August 1976: Niki Lauda verliert auf der Nordschleife die Kontrolle über seinen Ferrari. Bilderstrecke
1. August 1976: Niki Lauda verliert auf der Nordschleife die Kontrolle über seinen Ferrari. :

Nicht sein Können?

Doch, schon. Im Qualifying hatten wir für eine Runde statt 600 PS 1200 PS und Quali-Reifen. Ich habe das gehasst. Prost war immer schneller. Jedes Mal habe ich gedacht, ich erwische ihn, aber ich bin nie näher als bis auf zwei Zehntelsekunden an ihn rangekommen. Dann habe ich meine Strategie geändert und mich auf das Rennen konzentriert. Das hat gereicht zum Titel, um einen halben Punkt.

Der Zweikampf hat das Beste aus Ihnen herausgeholt?

Ja, Prost hat mich herausgefordert wie kein anderer. Es kam nie zu Aggressionen, aber ich habe auf allen Ebenen kämpfen müssen.

Sie haben in die Trickkiste gegriffen, um ihn zu destabilisieren?

Dauernd, dauernd. Der Prost hat immer Nägel gekaut. Ich habe ihn beobachtet, auf jedes Detail geachtet. Beim „Grüß Gott“ in der Früh habe ich ihm in die Augen geschaut, um herauszufinden, ob er gut oder schlecht drauf ist, und immer versucht, ihn spüren zu lassen, dass ich in Topform bin.

Das hat funktioniert?

Er war häufig nervös, das habe ich ausgenutzt und die Rennen dann auch meistens gewonnen. Aber manchmal war es knapp. Am Abend vor einem Rennen habe ich eine interessante Dame zum Nachtessen eingeladen. Exakt eine Stunde hatte ich mir erlaubt, von acht bis neun Uhr, mehr nicht. Mir war es immer wichtig, extrem gut vorbereitet ins Rennen zu gehen, wenn es um die Wurst ging. Am nächsten Morgen bekam ich dann ein schlechtes Gewissen und habe ernsthaft geglaubt, dass mich der liebe Gott bestrafen wird, dass die WM verloren ist. Aber dann kam der Prost mit einem breiten Lächeln um die Ecke und erzählte mir ganz offenherzig von seinem nächtlichen Abenteuer mit einer Adeligen aus Monaco. ,Ja, ja‘, habe ich innerlich gerufen, ,Gott sei Dank‘. Mein Problem war erledigt. Ich gewann.

Weitere Themen

„Der kleine Schumi fährt wie ein Großer“

Mick Schumacher : „Der kleine Schumi fährt wie ein Großer“

Mick Schumacher kommt der Formel 1 immer näher. Bevor er im Training mitmachen darf, testet er in einem alten Ferrari. Die Veranstalter am Nürburgring freuen sich sehr. Und die italienischen Medien loben den jungen Schumacher.

Topmeldungen

Moskau über Nawalnyj-Interview : „Putin hat sein Leben gerettet“

Russland reagiert empört auf ein Interview, in dem Alexej Nawalnyj den russischen Präsidenten persönlich für seine Vergiftung verantwortlich macht. Der Kreml bemüht sich, Nawalnyjs Kollaps als „Inszenierung“ darzustellen.
Osten als Superopfer, ewiger Schuldwesten? Feierlichkeiten am Brandenburger Tor am 3. Oktober 1990

30 Jahre Deutsche Einheit : Die Flucht aus unserer Geschichte

Die Gewaltmaschine der Ost-Diktatur wurde aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt, aber auch die Westdeutschen haben ihre blinden Flecken. Ein Gastbeitrag über das ungleiche kollektive Gedächtnis der Deutschen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.