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Niki Lauda im Gespräch : „Wir waren getrieben vom Wahnsinn“

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Ein Leben wie im Film: Die Karriere des Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda wird von Donnerstag an im Film „Rush“ erzählt Bild: dpa

Niki Laudas Leben und besonders die Saison 1976 wurde verfilmt. Am Donnerstag kommt „Rush“ in die Kinos. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister spricht im Interview über seine Karriere am Limit, seine Duelle mit James Hunt und die neue Fahrer-Generation.

          7 Min.

          Niki Lauda im Kino, Daniel Brühl im Cockpit: Der Film „Rush“, der an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, erzählt die Geschichte der Rivalität zwischen Niki Lauda (Daniel Brühl) und James Hunt (Chris Hemsworth) in der Formel 1 der siebziger Jahre. Einigen Filmkritikern gilt das Werk schon als Kandidat für einen Oscar.

          Regisseur Ron Howard sagt: „Wenn einer die Geschichte erfunden hätte, würde man sagen: Das kann doch nicht wahr sein.“ Brühl belegte eigens einen Österreichisch-Kurs, außerdem saß er bei einigen Rennszenen selbst im Auto - und zeigte sich danach beeindruckt von dem, was die Helden der Formel 1 damals geleistet haben.

          In der Saison 1976 gewann der heute 64 Jahre alte Lauda in seinem Ferrari vier der ersten acht Rennen und führte die Gesamtwertung überlegen an. Am 1. August verlor er auf der Nordschleife des Nürburgrings die Kontrolle über seinen Wagen, schlug in der Felswand ein, der Ferrari fing Feuer. Lauda kam mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus, doch er fehlte nur bei zwei Rennen.

          Vor dem letzten Rennen in Fuji lag der Österreicher noch drei Punkte in Führung, verpasste den Titel am Ende aber knapp. Hunt wurde Weltmeister, Lauda gewann seinen zweiten von drei Titeln ein Jahr später. „James würde der Film gefallen“, sagt Lauda. Hunt starb 1993 im Alter von 45 Jahren an einem Herzinfarkt.

          Im Original: James Hunt und Niki Lauda (r.) im Oktober 1976: „Wir haben auch damals schon alles dafür getan, den Gegner zu schwächen“

          Zu viele nackte Menschen, zu viel Alkohol, zu viele Drogen: In Amerika darf niemand unter 17 Jahren den Film „Rush“ ohne Begleitung der Eltern schauen - war es damals wirklich so eine wilde Zeit?

          Ja, es war nicht jugendfrei. Wir haben am Limit gelebt, schneller, intensiver, rauschhafter - wir konnten gar nicht anders, weil wir nicht wussten, wann unser Leben vorbei sein würde. Aber wir wollten nichts verpassen. Wir waren getrieben von dem Wahnsinn, den wir selbst gemacht haben. Beinahe in jedem Jahr ist einer von uns gestorben. Wir sind ins Rennen gegangen und wussten nicht, ob wir später noch alleine aus dem Auto kommen würden.

          Sie haben andere sterben sehen.

          Mehrere. Der Erste war François Cevert 1975 in Watkins Glen. Im Training kam er rechts auf den Randstein, ein Fahrfehler, er schoss nach links direkt unter der Leitschiene durch. Man musste ihn samt Auto abtransportieren, niemand konnte ihn befreien, er hatte keine Chance. Zwei Stunden später war der Kurs wieder offen, und ich bin die schnellste Runde gefahren. Weil ich mir gesagt habe: Ich mache keinen Fehler!

          Unter Beobachtung: Lauda im Wagen, Hunt in Begleitung

          Ein Jahr später hat es Sie am Nürburgring erwischt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

          Gar keine. Durch den Aufprall wurde mein Helm vom Kopf gerissen, ich war zwei Stunden bewusstlos, da war alles ausgeschaltet. Wenn dieser Bub mit seiner Super-8-Kamera nicht diesen Film gedreht hätte, wüsste ich nie, was passiert ist. Nun weiß ich, warum mein Ohr nicht mehr da ist. Es ist verbrannt.

          Sie haben fünfzig Sekunden im Feuer gesessen.

          55 Sekunden, 800 Grad, der Sprit hat gebrannt, die Plastikkarosserie ist geschmolzen, die Dämpfe haben mir die Lunge verätzt. Daran wäre ich beinahe gestorben.

          Haben Sie sich damals mit dem Tod beschäftigt?

          Ja, ich lag im Spital, ich hatte Schmerzen. Da gab es einen Moment, wo mein Körper einfach nicht mehr konnte. Ich habe ein Gefühl der Wärme bekommen und dachte, dass ich rücklings irgendwo runterfallen würde. Da habe ich mir gedacht: Du stirbst jetzt! Du stirbst jetzt! Ich weiß noch, wie einer der Ärzte auf einmal sagte: Wenn wir ihm Sauerstoff geben, dann wird er das nicht überleben. Darüber habe ich mich so geärgert, dass ich irgendwie versucht habe, am Leben zu bleiben. Als ich mich später das erste Mal im Spiegel gesehen habe, bin ich erschrocken. Der Kopf war so dick, das kann man sich gar nicht vorstellen.

          „Es ist nicht leicht für mich, dich zu spielen, weil du noch am Leben bist“

          42 Tage später sind Sie in Monza wieder ein Rennen gefahren. War das nicht wahnsinnig?

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