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Niki Lauda : Einzelkämpfer am Limit

„Ich bin sehr zufrieden.” Niki Lauda erlebt derzeit eine Art zweiten Frühling Bild: Jacqueline Godany / F.A.Z.

Als Rennfahrer hat Nikolaus Lauda gelernt, mit Siegen und herben Rückschlägen zu leben. Hürdenreich ist sein Leben danach als Flugunternehmer geblieben.

          5 Min.

          Nikolaus Lauda erlebt derzeit eine Art zweiten Frühling. Sein Geschäft als Flugunternehmer läuft gut, er hat wieder geheiratet. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er. Noch immer wirkt er spröde. Nach wie vor fällt der schmächtige ehemalige Autorennfahrer durch saloppe Kleidung mit Jeans und Pullover sowie durch unverbrämte forsch vorgetragene Äußerungen auf. Doch ist er eine Spur weicher geworden, vielleicht eine frühe Form von Altersmilde. Lauda ist vor kurzem 60 Jahre geworden.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Wie kaum ein anderer Österreicher hat er durch spektakuläre Wendepunkte in seinem Leben auf sich aufmerksam gemacht. International bekannt geworden ist der Wiener durch seinen schweren Unfall auf dem Nürburgring am 1. August 1976 - ein Jahr nach seinem ersten Weltmeistertitel in der Formel 1. Dessen Spuren entstellen heute noch sein Gesicht. Mit rund 220 Stundenkilometern flog Lauda damals von der Strecke, und der Ferrari fing Feuer. Von Kollegen wurde er aus dem brennenden Wrack gezogen. Fünf Tage hat er mit dem Tod gerungen. Nur sechs Wochen nach dem Inferno kehrte er zurück und wurde in Monza Vierter. Nach der gegen den Willen seiner Altvorderen eingeschlagenen Rennfahrerkarriere war dies der zweite Versuch, gegen das Schicksal zu kämpfen.

          „Der Unfall war Teil meines Lebens damals“

          „Wie kann der Depperte wieder fahren, wenn er gerade verbrannt ist?“, fragt Lauda stellvertretend in seinem typischen Tonfall und rudert dabei mit den Händen herum. Schon lange spricht er ein stark gefärbtes Wienerisch, ungewöhnlich für einen Industriellenspross. „Der Unfall war Teil meines Lebens damals“, erklärt er und fügt hinzu: „Man muss wissen, dass Rennfahren zu dieser Zeit saugefährlich war. Es ist mindestens einer pro Jahr tödlich verunglückt. Also konnte man sich ausrechnen, wann man dran ist.“ Mit dem Todesrisiko müsse man sich natürlich vorher auseinandersetzen, sagt Lauda.

          „Ich bin sehr zufrieden.” Niki Lauda erlebt derzeit eine Art zweiten Frühling Bilderstrecke

          Dieses Bewusstsein hat ihn davor bewahrt, nach dem Unfall in die üblichen Reaktionsweisen zu verfallen: warum ich und nicht der andere. „Mit solchen menschlichen Regungen wollte ich keine Zeit verlieren. Ich habe sofort einen Weg gesucht, um meinen Überlebenskampf zu kämpfen.“ Für ihn war es logisch, so schnell wie möglich wieder zu fahren. Das war sein Beruf. „Ich wusste, je länger man wartet, desto schwieriger wird es, dieselbe Risikobereitschaft wie vor dem Unfall wieder herauszuarbeiten. Deswegen war mir ganz klar: Ich muss so schnell wie möglich in dieses Auto hinein.“

          „Ich bin ein Getriebener“

          Er erzählt von einem enormen Druck, der vor der Wiederkehr aus dem Todesbett auf ihn eingewirkt habe. Der Belastung durch Ärzte und Journalisten. Fertig geworden ist er damit, indem er für sich allein langsam im Kreis fuhr, ohne auf die Zeiten der anderen Fahrer zu achten. Bis er wieder die Sicherheit verspürt hat, „diesen Kübel zu beherrschen“. Fünf bis sechs Rennen hat Lauda gebraucht, bis die volle Risikobereitschaft da war, wieder alle Extreme auszureizen. „Irgendwann kommt der Moment, wo man so fährt wie vorher. Man fährt eben auf drei Millimeter hin zu den Leitschienen und lässt nicht zehn Zentimeter Platz.“ Dann ging es wieder. Der Überlebenskampf nach dem Unfall am Nürburgring hat ihn geprägt und viele Schlappen später relativiert. „Weil ich natürlich aus der Erfahrung schöpfe, was ich schon einmal geschafft habe.“

          Motiviert hat ihn stets, den Rekord zu brechen. „Ich bin ein Getriebener.“ So beschreibt Lauda seinen Weg. Die Risikobereitschaft hat er als Jugendlicher im Aufbegehren gegen die autoritäre Herkunftsfamilie, vor allem den Großvater, einen bekannten Wiener Unternehmer, entwickelt. Sie musste er mit einem gefälschten Abiturzeugnis überlisten, um seiner Rennsportpassion frönen zu dürfen. Gerne wäre er unter den heutigen Bedingungen in der Formel eins. Reizen würden ihn die technischen Möglichkeiten - aber nicht das wesentlich höhere Verdienstpotential, stellt der als knausrig geltende Kappenträger klar. „Als ich 1985 aufgehört habe, war ich bestbezahlter Rennfahrer mit 4 Millionen Dollar im Jahr.“ Ein Zehntel dessen, was Michael Schumacher angeblich zuletzt bekam. Das Geld gehe nicht mit dem Risiko einher, wie Lauda erläutert, sondern mit der Entwicklung des Rennsportmarketing. „Hätte mich meine Mutter später auf die Welt gebracht, hätte ich das Zehnfache bei wesentlich geringerem Risiko verdient.“

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