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Formel-1-Weltmeister : Rosbergs Triumph über den Trickser

Am Ende gaben sich die Rivalen Rosberg (links) und Hamilton doch die Hand. Bild: Reuters

Als rollende Blockade versucht Lewis Hamilton den WM-Sieg seines Mercedes-Teamkollegen zu verhindern. Aber der Deutsche behält die Nerven und wird erstmals Formel-1-Champion.

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          Als es vollbracht war, drehte er Donuts mit seinem Mercedes auf der Start- und Zielgerade, ließ die Reifen qualmen, schnallte sich ab, stieg auf seinen Silberpfeil und reckte die Arme in die Dunkelheit von Abu Dhabi. Es war 18.46 Uhr Ortszeit, Feuerwerkskörper stiegen in den Himmel, leuchteten in den schönsten Farben. Nico Rosberg war zum ersten Mal in seiner Karriere Weltmeister der Formel 1. Ein zweiter Platz im letzten Rennen des Jahres hinter seinem Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton genügte ihm. Aber das, was so leicht klingt in einem überlegenden Silberpfeil, war ein erbitterter Kampf, ein Nervenspiel. Hamilton hatte versucht, Rosberg aufzuhalten, ihn in die Fänge der Gegner zu treiben. Das war seine einzige Chance, Champion zu bleiben. Aber sein Plan ging nicht auf. Mit 385:380 Punkten entschied Rosberg das Duell für sich.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach der Siegerehrung brach all die Anspannung aus dem neuen Champion heraus. Tränen flossen, die Stimme stockte. Der erste Dank galt seiner Frau Vivian, danach sagte er: „Ich bin sehr froh, dass ich jetzt das Gleiche erreicht habe wie mein Vater.“ Keke Rosberg wurde 1982 im Williams Weltmeister, mit einem Sieg. Hamilton reichten nicht mal zehn: „Ich habe alles getan, was ich konnte in den letzten vier Rennen“, sagte er und verwies auf die ihn bremsenden technischen Probleme. Aber er sagte auch: „Glückwunsch an Nico, tolle Fahrt.“ Sogar zu einem Handshake der beiden Rivalen kam es auf dem Podium, während sie sich bei der Vorbereitung auf die Zeremonie noch geflissentlich ignoriert hatten.

          Eine halbe Stunde vor dem Start hatten sich ein Dutzend Fernsehteams vor der Mercedes-Box postiert. Sie kamen aus Deutschland, England, aus Italien, Spanien, Brasilien, sie wollten so dicht wie möglich dabei sein, als Hamilton und Rosberg in ihre Autos stiegen. Beide würdigten sich keines Blickes, konzentrierten sich auf ihre gewohnten Abläufe, rollten zur Startposition. Hamilton hatte am Samstag überlegen die Pole-Position gewonnen, Rosberg ging neben ihm als Zweiter ins Rennen.

          „Gehe kein Risiko ein, du machst das richtig“

          Ob er den Deutschen aufhalten würde, in der Hoffnung, die Gegner in den Red Bull und Ferrari könnten einen Angriff wagen, Rosberg auf den vierten Rang verdrängen und ihm so den Titel bescheren? Um kurz nach 17 Uhr Ortszeit erloschen die Startampeln. Hamilton blieb in Führung, Rosberg folgte in dessen Windschatten. Auch nach fünf Runden betrug ihr Abstand lediglich 0,9 Sekunden. In der siebten Runde rief der Kommandostand dem führenden Engländer an die Box und wechselte auf die härteste der drei Reifenmischungen. 3,6 Sekunden brauchten die Mechaniker dafür.

          Eine Umdrehung später bog auch Rosberg ab, er stand sogar 4,8 Sekunden, ehe er wieder Gas geben konnte. In der Zwischenzeit war Max Verstappen (Red Bull) an ihm vorbei gesaust, obwohl sich der Niederländer kurz nach dem Start gedreht hatte. Nun lag er zwischen Hamilton und Rosberg auf Platz zwei. Der Deutsche wagte einen ersten Angriff (zehnte Runde), kam aber nicht vorbei und zog danach zurück. Dafür erhielt er Lob von seinen Ingenieuren: „Gehe kein Risiko ein, Du machst das richtig.“

          Alles bereit für das große Rennen: Rosberg auf dem Weg zum Start. Bilderstrecke

          Am Samstagabend hatte Mercedes-Teamchef Wolff beschrieben, wie groß der Druck innerhalb des Rennstalls war. „Viele glauben, dass wir in einer privilegierten Lage sind, weil auf jeden Fall einer unserer Fahrer Weltmeister wird“, sagte der 44 Jahre alte Österreicher: „In Wahrheit ist die Situation unheimlich schwierig für das Team. Wir müssen uns gerade in diesem Rennen so neutral wie möglich verhalten. Deshalb wollen wir so wenig wie möglich eingreifen und die beiden das Rennen unter sich austragen lassen mit einer Strategie, die beiden gerecht wird.“ Auch wenn es dabei zu einem Crash kommen sollte? „Sie wissen, dass wir von ihnen ein sportlich faires Verhalten erwarten.“

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