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Formel 1 in Spanien : Rosberg führt Ferrari vor

Dirigent in Barcelona: Nico Rosberg gewinnt erstmals in dieser Saison ein Rennen Bild: Reuters

Nach dem Triumph beim Großen Preis von Spanien fühlt sich Nico Rosberg gewappnet im Kampf um den Formel-1-Titel gegen den Weltmeister im eigenen Team. Die rote Gefahr scheint gebannt.

          3 Min.

          Der Sieger des Tages wuchtete sich aus dem Cockpit, stieg auf seinen Silberpfeil und hob die Arme wie ein Dirigent. „Das war ein phantastischer Tag heute“, sagte Nico Rosberg. „Ich hatte da vorne keinen Druck und habe mir das Rennen gut eingeteilt.“ Im fünften Rennen der Saison stand der 29 Jahre alte Deutsche zum ersten Mal ganz oben auf dem Podium und reduzierte damit den Rückstand in der Gesamtwertung auf seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton, der beim Großen Preis von Spanien Zweiter wurde vor dem Ferrari-Piloten Sebastian Vettel. Rosberg meldet nun wieder Ansprüche an im Titelkampf der Formel 1. Der Brite hat 111 Punkte, Rosberg folgt mit 91. „Das Kopf-an-Kopf-Rennen wird weitergehen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon am Samstag zeigte sich Rosberg optimistisch. Die Entwicklungsabteilung von Mercedes hatte etwa dreißig neue Teile an den „Circuit de Catalunya“ gebracht, darunter auch eine modifizierte Kupplung des vergangenen Jahres. So glaubte der Deutsche, seine Startprobleme in den Griff zu bekommen. Und er sollte Recht behalten. Scheinbar mühelos verteidigte Rosberg Platz eins auf dem etwa 700 Meter langen Weg zur ersten Kurve. „Das klappte perfekt. Ich schaute raus und sah keinen, genial.“ Teamkollege Hamilton allerdings hatte Schwierigkeiten, vom Fleck zu kommen, weil seine Reifen durchdrehten. Vettel musste der Engländer vorbei lassen, den Angriff von Valtteri Bottas (Williams) konnte Hamilton gerade noch parieren.

          Eine ungewohnte Situation für den Weltmeister, der drei der bisherigen vier Rennen nicht nur gewann, sondern sie auch dominiert hatte. Nun musste er kämpfen, während Rosberg vorne einsam seine Bahnen zog. Mindestens eine halbe Sekunde war er schneller pro Runde als seine Verfolger. Hamilton konnte Vettel zwar folgen, ihn aber nicht überholen. Die Antwort der Strategen am Kommandostand: „Wir wechseln zu Plan B.“ In der vierzehnten Runde folgte die nächste Anweisung: „Mach das Gegenteil von Vettel“, funkte der Renningenieur an Hamilton – und der Brite bog ab in die Boxengasse zu seinem ersten Reifenwechsel.

          Die Mechaniker hinten links allerdings hatte Probleme. 5,3 Sekunden dauerte es deshalb, ehe Hamilton zurück auf die Strecke geschickt wurde. Vettel kam eine Runde später, stand lediglich 2,3 Sekunden und verteidigte damit seinen zweiten Platz. „Das Problem bei Lewis war eine Einladung für uns, die haben wir gern angenommen“, sagte Vettel. Rosberg stand 2,5 Sekunden, seine Führung war nie in Gefahr. Dafür erhielt Hamilton den nächsten Funkspruch: „Wir müssen Vettel angreifen – und du musst das auf der Strecke regeln.“ Seine Antwort: „Ich kann euch sagen, dass das einigermaßen unmöglich ist.“ Zwei, drei Mal scherte der Brite am Ende der Start- und Zielgeraden aus dem Windschatten aus, eine echte Chance, vorbei zu kommen, hatte er aber nicht.

          Da hat einer gut lachen: Nico Rosberg (links) gewinnt in Barcelona  vor Lewis Hamilton Bilderstrecke

          Die Zuschauer auf den Tribünen sahen stattdessen, wie ihr Nationalheld in Schwierigkeiten geriet: Fernando Alonso kam in der 27. Runde zur Box – und hätte seine Mechaniker dabei fast über den Haufen gefahren. Vorne stieg Rauch auf, der McLaren-Honda kam erst mehrere Meter hinter der Position zu stehen, wo der Lollipopp-Mann den Boliden aufbocken soll. Mit einem Sprung rettete der sich vor den Folgen eines technischen Defektes: „Die hinteren Bremsscheiben waren hinüber“, sagte Alonso. Dessen Teamkollege Button wurde Sechzehnter. McLaren-Honda bleibt damit auch nach fünf Grand Prix in dieser Saison ohne WM-Punkt.

          Bei Mercedes machten sich die Mechaniker derweil bereit für einen weiteren Stopp (33. Runde). Hamilton fuhr vor, stand dieses Mal 3,4 Sekunden, und ging auf der härteren Reifenmischung wieder auf die Strecke. „Wir denken, dass er auf drei Stopps wechselt“, bekam Vettel von seinem Kommandostand zu hören. Der Ferrari-Mann blieb auf der Strecke, ebenso wie Rosberg. Hinter ihnen gab Hamilton Gas, überholte erst Kimi Räikkönen (Ferrari), dann Bottas und war zeitweise mehr als zwei Sekunden pro Runde schneller als Rosberg an der Spitze.

          Ein Zwischensprint, der sich auszahlen sollte. Als Rosberg und Vettel schon ihre zweiten Stopps absolviert hatten und sich Hamilton in der 51. Runde zum dritten Mal frische Pneus abholte, kam er vor dem Ferrari zurück auf die Piste. Die Strategie von Mercedes war aufgegangen. „Ich habe zu viel Zeit im Verkehr verloren“, klagte Vettel. Hamilton aber beschäftigte sich längst nicht mehr mit dem Ferrari in seinem Rückspiegel, er machte Jagd auf Rosberg vor ihm.

          23 Sekunden trennten beide, Hamilton allerdings war auf weicheren und damit schnelleren Reifenmischung unterwegs. „Ist es unmöglich, ihn noch zu bekommen?“, wollte der Brite von seinem Renningenieur wissen. „Ja, das denken wir.“ Der Champion hakte nach, wollte zunächst nicht akzeptieren, reduzierte dann aber wieder das Tempo, um nicht einen Ausfall zu riskieren.

          17,5 Sekunden trennten die Mercedes-Fahrer im Ziel. Vettel kam sogar erst 45 Sekunden nach Rosberg ins Ziel, dabei waren beide mit der gleichen Strategie unterwegs. Diese Differenz dokumentierte den Klassenunterschied. „Wir konnten ihr Tempo nicht mitgehen“, sagte der Hesse: „Aber wir glauben, dass wir in die richtige Richtung denken.“

          Ferrari hat das Entwicklungsrennen vorerst verloren gegen das Weltmeister-Team. Dabei hatten die Italiener unter anderem einen neuen Frontflügel und einen veränderten Unterboden an den roten Renner von Vettel geschraubt, der erhoffte Effekt aber blieb aus. Räikkönen fuhr in Spanien sogar noch eine alte Version des Ferrari. Für die kommenden Grand Prix verheißt dies nichts Gutes: Der Circuit de Catalunya gilt als Referenzstrecke in der Formel 1. Wer dort schnell ist, ist überall schnell.

          Grand Prix von Spanien, in Barcelona (66 Runden à 4,655 m/307,104 km)

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:41:12,555 Std. (Schnitt: 182,061 km/h);
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 17,551 Sek.;
          3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari + 45,342;
          4. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 59,217;
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 1:00,002 Min.;
          6. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 1:21,314;
          7. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 1 Runde;
          8. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1 Runde;
          9. Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro Rosso + 1 Runde;
          10. Daniil Kwjat (Russland) Red Bull + 1 Runde;
          11. Max Verstappen (Niederlande) Toro Rosso + 1 Runde;
          12. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber + 1 Runde;
          13. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1 Runde;
          14. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber + 1 Runde;
          15. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1 Runde;
          16. Jenson Button (England) McLaren Honda + 1 Runde;
          17. Will Stevens (England) Manor + 3 Runden;
          18. Roberto Merhi (Spanien) Manor + 4 Runden

          Ausfälle: Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda (27. Runde); Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus (46. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:28,270 Min.
          Pole Position:
          Nico Rosberg (Mercedes) 1:24,681 Min.

          Fahrer-Wertung nach 5 von 19 Rennen:

          1. Lewis Hamilton 111
          2. Nico Rosberg 91
          3. Sebastian Vettel 80

          4. Kimi Räikkönen 52
          5. Valtteri Bottas 42
          6. Felipe Massa 39
          7. Daniel Ricciardo 25
          8. Romain Grosjean 16
          9. Felipe Nasr 14
          10. Carlos Sainz jr. 8
          11. Max Verstappen 6
          12. Nico Hülkenberg 6
          13. Sergio Perez 5
          14. Marcus Ericsson 5
          15. Daniil Kwjat 5

          Team-Wertung nach 5 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 202
          2. Ferrari 132
          3. Williams 81
          4. Red Bull 30
          5. Sauber 19
          6. Lotus 16
          7. Toro Rosso 14
          8. Force India 11

          Nächstes Rennen: GP Monaco am 24. Mai in Monte Carlo

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