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Nick Heidfeld : Immer nur der Zweitbeste

  • -Aktualisiert am

Heidfeld im Qualifying in Monza: Platz zehn, besser als der Teamkollege - doch das kann zu wenig sein Bild: AFP

Zum Schluss ist es eine Vertrauensfrage: Ist er ein Siegertyp? Nick Heidfeld hat schon viel erreicht. In Monza steht er vor dem Teamkollegen am Start - und doch nur auf Platz zehn. Um seinen Platz bei BMW zu sichern braucht er dringend einen Sieg.

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          Zum Schluss ist es eine Vertrauensfrage. Ist er ein Siegertyp? Nick Heidfeld hat schon viel erreicht. Nach Meisterschaften in allen Aufbauserien für die Formel-1-Lizenz etablierte sich der Mönchengladbacher als Überlebenskämpfer im großen Kreisverkehr, stieg sogar auf zum deutschen Führungspiloten nach Punkten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er steht an der Spitze der deutschen Pilotenschar vor dem fünftletzten Grand Prix der Saison (siehe: Formel 1 in Monza: Spettacolo in der Heimat von Ferrari) an diesem Sonntag in Monza. Er wohnt mit Familie in einem gediegenen Heim in der Schweiz, er fährt als BMW-Mann für den drittbesten Formel-1-Rennstall und braucht sich um die Rente schon lange nicht mehr zu sorgen. Heidfeld zählt zu den Gewinnern.

          Sieben Mal war er ganz nahe dran - und doch nur Zweiter

          Es fehlt nur die letzte Runde. Der letzte Beweis, dass er kann, was er will: „Siegen, Weltmeister werden.“ Da lässt er nicht locker. Nicht mal nach 145 Rennen, in denen er sieben Mal ganz nahe dran war am Triumph. Sieben zweite Plätze in fast neun Jahren Formel 1; das ist mehr, als die meisten Piloten zu bieten haben. Aber viel weniger, als Heidfeld sich erträumt hat. Nur der weitaus Zweitbeste?

          Nachdenklich: Nick Heidfeld braucht dringend weitere gute Resultate - am besten jedoch wäre der Sieg, dem er schon so lange nachjagt

          Er kann das begründen, Station für Station ab dem Debüt 2000: Sein Prost schleppte sich mit Mühe über die Piste, den Sauber bremste das Budget-Limit eines Privatteams, der Jordan blieb stets unterentwickelt, der Williams trotz BMW-Unterstützung flügellahm. Jahr für Jahr lag es am Auto. Doch kaum hat Heidfeld mit dem BMW-Sauber 2008 einen Boliden zur Hand, der für Angriffe auf das Establishment taugt, da kommt der Steuermann ins Schleudern. Noch ist nicht sicher, ob er auch im nächsten Jahr BMW fährt. Denn Heidfeld konnte oft das Potential des Boliden nicht nutzen, brauchte Sondertests, um zu finden, was ihm auf dem Weg zum großen Ziel fehlt: Vertrauen.

          Wäre Heidfeld schneller im Training, BMW wäre wohl gleichauf mit McLaren-Mercedes

          Bei Rennfahrern hängt die Zuversicht vom Gefühl im entscheidenden Moment ab. Kann ich am Limit einlenken? Macht das Auto, was ich erwarte? Teamchefs orientieren sich vor der Antwort auf die Vertrauensfrage eher an Statistiken. Elf Mal hat Teamkollege Robert Kubica den siebeneinhalb Jahre älteren Heidfeld in 14. Qualifikationsrunden geschlagen. Auch der kleine Erfolg am Samstag, Zehnter vor dem Polen (siehe: Formel-1-Sensation in Monza: Vettel fährt auf die Pole), ändert kaum den Schnitt: Heidfeld startete drei bis vier Startplätze hinter dem Jungstar.

          BMW läge in der Fahrerwertung wohl gleichauf mit McLaren-Mercedes auf Rang zwei, wenn Heidfeld nicht nur in den Rennen auf Touren käme, sondern auch samstags fixer wäre. Jahrelang hat der Deutsche Könner in dieser Disziplin in Schach gehalten: Jean Alesi, Kimi Räikkönen, Heinz-Harald Frentzen oder auch Felipe Massa. Trotzdem fiel die Wahl der Topteams immer auf andere. Mercedes kaufte Räikkönen bei Sauber aus dem Vertrag und ließ den Protegé Heidfeld links liegen. Massa stieg inzwischen bei Ferrari zum WM-Kandidaten auf. Heidfeld aber droht nun die Verdrängung durch einen Piloten, dem man alles zutraut: Fernando Alonso.

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