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Neue Autos der Formel 1 : Mann, sind die breit!

  • -Aktualisiert am

Schnittig: Der neue Sauber C36 wurde am Montag präsentiert. Bild: Foto Sauber

Die Formel 1 bekommt ein neues Gesicht: Es ist breiter als das alte. Der neueste Jahrgang der Rennwagen soll der schnellste werden, den es je gab.

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          Die Formel 1 erwacht aus ihrem Winterschlaf – in dieser Woche noch mit Trockenübungen. Die Teams präsentieren ihre neuen Autos. Die einen ganz neumodisch im Internet, die anderen mit realen Fahrzeugen. Am 27. Februar beginnt die zweite Phase der Vorbereitungen für den Saisonstart am 26. März in Melbourne. Dann treffen sich die zehn Teams zu acht Testtagen in Barcelona. Diesmal werden alle pünktlich fertig sein. Weil sie fertig sein müssen. Die Formel 1 bekommt ein neues Gesicht. Zum zwölften Mal in ihrer nun 68-jährigen Geschichte ändern sich die Regeln so gravierend, dass auch der Laie den Unterschied erkennt. Zum dritten Mal nach 1954 und 1966 darf die Königsklasse schneller werden. Normalerweise dienten Regelreformen immer dazu, die Ingenieure einzubremsen.

          Die Hybrid-Formel kam bei den Fans nie besonders gut an. Zu leise, zu langsam, zu bieder. Diese Meinung verfestigte sich in den Köpfen der Zuschauer, obwohl die 2016er Autos auf acht der 20 Strecken neue Rekorde aufstellten. Der Weltverband und der scheidende Formel-1-Chef Bernie Ecclestone versprachen deshalb dem meuternden Publikum mehr Spektakel. Der Formel-1-Jahrgang 2017 soll der schnellste werden, den es je gab. Autos und Reifen wachsen in die Breite: die Autos von 180 auf 200 Zentimeter, der Frontflügel von 165 auf 180 Zentimeter, der Heckflügel von 75 auf 95 Zentimeter, die Reifen vorne um sechs und hinten um acht Zentimeter. Macht 25 Prozent mehr Auflagefläche, bis zu 30 Prozent mehr Abtrieb, in den Kurven um bis zu 40 Kilometer pro Stunde höhere Geschwindigkeiten und um ein „g“ mehr Querbeschleunigung. Die Simulationen prophezeien je nach Strecke einen Zeitgewinn von zwei bis vier Sekunden. Nico Hülkenberg versichert, dass die Realität hält, was die virtuelle Welt verspricht: „Es fühlt sich schon im Simulator echt schnell an. In dem Sinne, dass man es mit freiem Auge an der Strecke erkennen kann.“

          So sieht der Formel-1-Wagen von Williams des Jahrgangs 2017 aus.

          Nach so viel Trommelwirbel war man gespannt, wie die neuen Formel-1-Autos aussehen werden. Williams machte mit einer Computergrafik den Anfang. Sauber stellte am Montag als erstes Team das neue Auto auch auf die Räder. Schon am Mittwoch geht es zu Filmaufnahmen nach Barcelona. Die Sauber-Ingenieure unter der Leitung des früheren Audi-Technikchefs Jörg Zander sind als Erste fertig, obwohl sie als Letzte mit der Arbeit begonnen hatten. Wegen der späten Rettung des Teams durch schwedische Investoren musste der Konstruktionsstart auf Juli 2016 verschoben werden. Drei Monate nach der Konkurrenz. Die Ingenieure in Hinwil schafften die Abkürzung nur, weil sie sich früh dafür entschieden hatten, den Vorjahresmotor von Ferrari zu verwenden. „Damit konnten wir früh das Motorumfeld definieren. Motor und Getriebe und damit auch der Kühlbedarf waren bekannt.“ Der neue Sauber C36 zeigt schon deutlich die Handschrift der neuen Boliden. Der Frontflügel in Deltaform und der nach hinten gepfeilte Heckflügel sind Vorschrift. Das riesige Schwert auf der Motorabdeckung aerodynamische Notwendigkeit. Der um 15 Zentimeter tiefergelegte Heckflügel ist stärker den Luftverwirbelungen von der Vorderachse ausgesetzt. Besonders beim Einlenken. Das Schwert beruhigt die Strömung.

          Die Verkleidung des Autos blieb weiter schlank, die Kühleinlässe sind sogar geschrumpft, obwohl die Regeln auch hier eine Verbreiterung von 140 auf 160 Zentimeter erlauben. Doch die Ingenieure wollen den zwangsläufigen Anstieg des Luftwiderstandes minimieren. Der Höchstgeschwindigkeit und dem Benzinverbrauch zuliebe. Anpressdruck gibt es wegen der breiteren Flügel, des größeren Diffusors und mehr Freiheit bei den Leitblechen fast zum Nulltarif. Bei den Strömungsausrichtern zwischen Vorderachse und Seitenkästen wird die größte Entwicklung stattfinden. Sie sind dazu da, den Unterboden zur Seite hin mit eigens dafür erzeugten Luftwirbeln zu versiegeln und damit Anpressdruck unter dem Auto zu generieren. Sauber biegt dafür sogar die äußeren Kanten des Bodens zur Straße hin. Die Ingenieure erwarten während der Saison den größten Entwicklungswettlauf, den es in der Geschichte der Formel 1 bisher gegeben hat. Und während der Testfahrten die größte Geheimnistuerei. „Die Wahrheit werden wir erst in Melbourne sehen“, prophezeit Red-Bull-Berater Helmut Marko.

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