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Formel 1 : Angriff auf Mercedes

Die neuen Konstruktionsregeln sollen die Dominanz der Silberpfeile um Nico Rosberg brechen Bild: dpa

Die neuen Konstruktionsregeln der Formel 1 sollen die Dominanz der Silberpfeile brechen. Statt der Deutschen aber ist eher ein anderer in der Gefahr, überholt zu werden.

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          Rosberg oder Hamilton? Red Bull! Das ist die Antwort auf die jüngste Formel-1-Frage von Gewicht: Wer könnte der nächste Gewinner sein. Nein, nicht an diesem Sonntag, beim Formel-1-Grand-Prix in Russland (Start 14.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Weltmeister Lewis Hamilton wird zum vierten Mal seit dem Saisonstart versuchen, den Teamkollegen Nico Rosberg am Sieg im Silberpfeil zu hindern. Der Champion steht unter Druck. Das Mercedes-Duell geht in die nächste, spannende Runde. Aber im kommenden Jahr soll das ganz anders aussehen. Weil die Boliden sich verändern werden: breiter, flacher, schnittiger, vor allem schneller. Die Formel-1-Mächtigen haben den Rennwagenkonstrukteuren am Dienstag die letzte, nun mehr oder weniger gültige Konstruktionsvorschrift für 2017 gemacht. Es gibt neue Chassis - und damit ein neues Rennen um die besten Lösungen, also neue Chancen, das Gesamtbild wesentlich zu ändern: Mercedes soll überholt werden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Christoph Becker

          Den Angriff auf die Dominanz ihres Silberpfeil-Teams nehmen Teamchef Torger Wolff und Aufsichtsrat-Chef Niki Lauda nicht persönlich. Er gehört zum Kreislauf der Formel 1. Während einer Erfolgsphase werden alle Register gezogen, den Seriensieger einzubremsen. Zu den letzten Mitteln gehören neue Konstruktionsregeln. Weil die Chefstrategen glauben, alle fingen wieder mit einem weißen Blatt Papier an. Da Red Bull über die Jahre die besten Chassis produzierte, werden die Aussichten auf ein Comeback der Österreicher mit ihrer Rennwagenmanufaktur in England hoch eingeschätzt. Das vergangene Rennen in China verstärkt diese Sicht. Statt Mercedes abzuhängen, musste Ferrari die Red-Bull-Fraktion im Nacken ertragen und niederkämpfen. Obwohl das Antriebsmodell im Heck des Red Bull aus dem Hause Renault nicht die Kraft des Scuderia-Motors hat. Aber das Auto liegt besser in den Kurven, die Aerodynamik scheint effizienter. Eine Red-Bull-Stärke, die Sebastian Vettel half, vier Mal Champion zu werden.

          Am Ende der Leidtragende? Sebastian Vettel im Ferrari

          Die Mercedes-Crew gibt sich gelassen in Sotschi. Weil sie nach ihren Analysen längst weiß, dass der Sprung an die Spitze der Formel 1 mit 35 Siegen in den vergangenen 41 Rennen kaum allein dem starken Hybrid-Motor zu verdanken ist. Die Streicheleinheiten für den Silberpfeil untermalen Rosberg und Hamilton mit Lobpreisungen: starke Traktion, hervorragende Abtriebswerte, ein Supermodell in allen Lagen. Auf dem Spezialgebiet von Red Bull, der Aerodynamik, sind die Deutschen mit ihrem Produktionssitz in Mittelengland keinesfalls schlechter. Über die segensreiche Wirkung des Luftflusses denken auch bei Mercedes inzwischen ausgewiesene Könner nach. Das Modell 2017 steht längst im Wind: Inklusive der Reifen (Chassis 160 Zentimeter) wird es zwei Meter breit sein. Auch Front- (180) und Heckflügel (95) werden mächtiger. Der Abtriebswert, so die Simulationen, soll um wenigstens 25 Prozent steigen. Die Autos werden trotz einer Gewichtszunahme auf 820 Kilogramm schneller. Vermutlich fällt die Rundenzeit um drei bis fünf Sekunden.

          Namhafte Fahrer wie Hamilton und Vettel fordern schon lange eine Beschleunigung der Formel 1. Auch in Sotschi zeigten sie wie einige Kollegen am Donnerstag ihren Missmut. Denn die Erhöhung des Abtriebswerts macht es ihnen schwerer, zu überholen. In den Luftwirbeln eines vorausfahrenden Rennwagens verliert der Verfolger einen Teil des Anpressdrucks auf der Vorderachse, die Bremswirkung lässt nach, das Risiko des Auffahrunfalls steigt enorm. Und so hält der clevere Pilot Abstand, bis er auf einer langen Geraden mit Hilfe des Windschattens genügend Tempo für ein relativ gefahrloses Überholmanöver hat. Die Folge: trotz des höheren Speeds weniger Attacken. Hamilton plädiert deshalb für „mehr mechanischen Grip“ im Verhältnis zum aerodynamisch erzeugten Abtrieb. Sei es über die Gummimischungen der Reifen oder über das Fahrwerk.

          Womöglich lachender Dritter: Red Bull

          Hamilton weiß, dass Mercedes mit seiner modernen Vorderachse allen voraus ist. Der Rennstall kann seinen über die Jahre auf mehreren Gebieten erarbeiteten Vorsprung für eine kontinuierliche, unaufgeregte Weiterentwicklung nutzen, während die Jäger unter dem Erfolgsdruck alle Kraft in die Aufholjagd legen müssen. Weil Fiat-Boss Sergio Marchionne Ferrari keinen Spielraum lässt, bleibt weniger Energie für das Entwicklungsprogramm übrig. Deshalb droht der Scuderia eine Gefahr von hinten, von Red Bull und zum Beispiel McLaren, dass sich mit Honda längst auf die Saison 2017 konzentriert. Die Japaner bauen für das nächste Jahr an einem komplett neuen Motor unter den alten Bedingungen. Sie setzen darauf, dass die Bestimmungen an diesem Freitag bestätigt werden.

          Die Hybrid-Konzepte sollen ein paar Millionen Euro billiger werden und sich in der Leistungsfähigkeit bis auf wenige Zehntel annähern. Bei einer Ablehnung bliebe alles, wie es ist. Vielleicht schaut man bei Mercedes auch deshalb in diesen Tagen so froh aus der frisch gebügelten Formel-1-Wäsche. Eine Rückkehr zu konventionellen V8-Motoren wird es nicht geben. Bei allen Varianten besitzt Mercedes einen Vorsprung.

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