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Formel 1-Verkauf : Der Pate grummelt

  • -Aktualisiert am

Bernie Ecclestone hat für die Zukunft der Formel 1 seine eigenen Vorstellungen. Bild: AFP

Aufbruchstimmung in der Formel 1: Die neuen amerikanischen Manager wollen aus der Königsklasse wieder einen Volkssport machen. Bernie Ecclestone favorisiert allerdings die Rolex-Klientel.

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          Einen Fuß hat Liberty Media schon in der Tür. Der amerikanische Medienkonzern hat 18,7 Prozent der Formel-1-Holding Delta Topco gekauft. Wenn die EU-Kommission und der Automobilweltverband (Fia) zustimmen, dann vergrößert sich der Anteil der Amerikaner im ersten Quartal 2017 auf 35 Prozent. Liberty Media hält dann die wichtigsten Aktien in dem schnellen Geschäft. Jene von CVC Capital Partners, dem Luxemburger Finanzunternehmen, das 100 Prozent aller Stimmrechte besitzt.

          Es ist nicht das erste Mal, dass die Formel 1 ihren Hausherrn wechselt. Bernie Ecclestone begann 1999 damit, sein Tafelsilber zu verkaufen. Jedes Mal sah die kleine Fahrerlager-Gemeinde einem Besitzerwechsel mit Skepsis entgegen. Es ist eine Welt, die Veränderung scheut. Viele Dinge laufen heute noch so ab wie vor 30 Jahren. Ecclestone regierte sein Reich nach eigenen Gesetzen. Weil es immer gutging, blieb alles gleich. Wer auch immer gerade am Ruder saß, ließ Ecclestone schalten und walten, wie er wollte. Hauptsache, es kam genug Geld in die Kasse.

          Diesmal ist alles anders. Man könnte fast von einem Aufatmen sprechen. „Ich sehe mehr Chancen als Risiken“, sagt Christian Horner. Dabei zählt der Teamchef von Red Bull zum Kreis der Vertrauten des Formel-1-Paten. Doch wie viele in dem Zirkus spürt auch Horner so etwas wie Aufbruchstimmung. „Bei den bisherigen Besitzern ging es nur um eines: so viel Profit so schnell wie möglich. Liberty Media weiß, dass sie gewisse Dinge wegen des Concorde-Abkommens bis 2020 nicht ändern können. Wenn sie trotzdem kaufen, haben sie ganz offenbar einen langfristigen Plan.“ Die Fahrer denken genauso. „Es kann eigentlich nur besser werden“, hofft Carlos Sainz als Vertreter der jungen Garde. „Die Amerikaner werden unseren Sport besser vermarkten und um die Welt tragen. Junge Leute sitzen nicht am Sonntag um 14 Uhr vor dem Fernseher. Sie wollen sich das Rennen dann anschauen, wenn sie Lust haben. Für die gibt es bis jetzt noch kein Angebot.“ Sergio Perez wünscht sich wie sein Team Force India eine gerechtere Verteilung der Einnahmen. „Damit auch ein Mittelfeld-Team wieder mal gewinnen kann.“ Darauf muss der Mexikaner noch vier Jahre warten. Oder darauf, dass die EU-Kommission einschreitet. Die Profiteure der Bonuszahlungen pochen darauf, dass der Verteilungsschlüssel bis 2020 festgeschrieben ist.

          Wohin geht die Fahrt der Formel 1? In Singapur ist das längst noch nicht klar.
          Wohin geht die Fahrt der Formel 1? In Singapur ist das längst noch nicht klar. : Bild: dpa

          Eigentlich wollte Ecclestone gar nicht nach Singapur reisen. Nun kam er doch. Sein künftiger Chef Chase Carey kündigte an, seiner neuen Wirkungsstätte einen Besuch abzustatten. Schon am Samstag hatte Carey Termine mit allen Teams. Da konnte Ecclestone dem 62-jährigen Amerikaner das Feld nicht allein überlassen. Sein neuer Dreijahresvertrag heißt nicht, dass er drei Jahre bleiben wird. Der große alte Mann war nie ein Freund der Doppelspitze. Jeder, den man ihm bislang an die Seite gestellt hat, gab nach kurzer Zeit auf. In dem Dickicht aus Verträgen, Abmachungen und Abhängigkeiten blickte nur einer durch: Bernie Ecclestone. Die neuen Besitzer sehen nicht so aus, als würden sie die Flinte im Dschungel der Intransparenz gleich ins Korn werfen. Liberty Media hat ganz offenbar einen Plan, der über die reine Geldvermehrungs-Maschine hinausgeht. Die Amerikaner wollen ihre Medienkanäle mit Inhalten füllen, die Teams beteiligen und neue Fans gewinnen. Und begeben sich dabei automatisch in das Revier des Formel-1-Paten.

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