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Walter Röhrl und Sepp Wiegand : „Man hat keine Zeit, Angst zu kriegen“

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Am Rande des Wahnsinns: Der damalige Audi-Pilot Walter Röhrl fliegt seit 1984 bei der Portugal-Rallye haarscharf an den Fans vorbei Bild: ATP

Walter Röhrl ist der prominenteste deutsche Rallye-Fahrer, Sepp Wiegand sein möglicher Nachfolger. Im F.A.Z.-Interview sprechen beide über Gefahren und Grenzen, Abgründe und Auswüchse.

          8 Min.

          Sepp Wiegand stammt aus dem Städtchen Zwönitz im Erzgebirge und ist im Januar 24 Jahre alt geworden. Rallyes fährt er erst seit 2010, dies aber mit beachtlichem Erfolg. In der Intercontinental Rallye Challenge belegte er im vergangenen Jahr Platz vier. Im Januar fuhr er mit seinem Škoda Fabia beim Weltmeisterschaftslauf in Monte Carlo auf Platz neun, auch sein zweiter WM-Einsatz in Schweden war überaus erfolgreich. Wiegand belegte Platz elf.

          Walter Röhrl, Anfang März 66 Jahre alt geworden, ist der prominenteste deutsche Rallye-Fahrer. Zweimal (1980 und 1982) war der Regensburger Rallye-Weltmeister, einmal (1974) Europameister. Röhrl fuhr für Ford, Fiat, Opel, Porsche, Lancia sowie Audi und genießt auch heute noch den Ruf eines Genies am Steuer. Der schlaksige Bayer arbeitet für Porsche und war unter anderem an der Entwicklung des Supersportwagens Carrera GT beteiligt.

          Die schwierigste Frage gleich am Anfang: Wie muss ein neuer Walter Röhrl sein?

          Röhrl: Das ist die Frage. In Deutschland kam halt nach meiner Zeit nichts mehr. Deswegen hat sich auch keine deutsche Firma mehr zum Rallye-Sport bekannt. Es gab auch keinen Deutschen, der so gut war, dass sich ein ausländisches Werk für ihn interessiert hätte. Jetzt suchen wir seit zehn Jahren einen jungen Mann, der Fuß fasst. Da ist das Angebot von Škoda natürlich ein Signal. Der Sepp Wiegand hat da jetzt das große Los gezogen. Er muss jetzt möglichst viel Auto fahren. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Bei den Rallyes heute darf er zweimal im Schritttempo und im Serienauto trainieren und fährt hinterher 1300 Kilometer. Wissen Sie, was ich damals gefahren bin? Ich bin 300.000 Kilometer im Wettbewerbsauto im Jahr gefahren. Das fährt der Sepp in seinem ganzen Leben nicht. Ich bin jeden Tag 1000 Kilometer gefahren. Das ist unglaublich.

          Herr Wiegand, da wird es sicherlich schwer sein für Sie, sich mit Ihrer Rolle als neuer Walter Röhrl zu identifizieren?

          Wiegand: Das ist schwierig. So schnell geht das nicht. Ich bin noch ganz am Anfang, und ich weiß, dass ich noch so viel lernen muss, um schnell und ganz oben an der Spitze zu sein. Klar, das ist eine Riesenehre, wenn jemand zu mir sagt: Vielleicht bist du der neue Walter Röhrl. Aber das sehe ich noch aus einer sehr großen Entfernung.

          Viele sagen auch, dass der Vergleich unfair ist, weil die Voraussetzungen so unterschiedlich waren.

          Röhrl: Diese ganze Vergleicherei und auch diese Sprüche von wegen bester Rallye-Fahrer des Millenniums - das ist alles ein totaler Blödsinn. Man kann diese Epochen im Rallye-Sport nicht vergleichen. Ich bin schon froh, dass ich das zu dieser Zeit gemacht habe. Weil man nie diese Emotionen erleben kann wie in einem dieser Gruppe-B-Autos. Ich glaube, dass ich es leichter gehabt habe. Heute ist es ziemlich einfach, die modernen Rallye-Autos zu fahren. Mit so einem Auto schnell sein, das können viele. In unserer Zeit war es so schwierig, diese Autos zu fahren, dass sich der Gute ganz schnell zehn Minuten von den anderen abgesetzt hat. Heute muss der Sepp auf der letzten Rille fahren, um sich von den anderen ein bisschen abzusetzen. Diese kleinen Parameter gibt es heute ja gar nicht mehr, in denen wir uns unterschieden haben. Sepp muss ja nicht mehr schalten. Er muss keine Kondition für vierzig Stunden im Auto haben, er muss bei Nebel und in der Nacht nicht besonders gut sehen können. Und deswegen wird es immer schwerer, sich abzusetzen.

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