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DTM in Budapest : „Das akzeptiert niemand, das darf nicht sein“

  • -Aktualisiert am

Der Regen in Budapest machte der DTM ganz schön zu schaffen. Bild: Picture-Alliance

Die DTM erlebt Turbulenzen mit lebensgefährlichen Unfällen in der Boxengasse im Regen von Budapest. Aber schon am Vortag gab es Aufregung um das erste Rennen des Wochenendes.

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          Eines kann man der DTM des Jahrgangs 2018 nicht mehr vorwerfen: Langeweile kommt bei den Rennen nicht auf. Auf dem Hungaroring vor den Toren von Budapest siegte am Sonntag Marco Wittmann vor Timo Glock, der wieder die Tabellenführung übernommen hat. Dritter wurde Philipp Eng, wie die anderen beiden auf BMW. Dabei hatte dieses Trio von ganz weit hinten starten müssen. Wittmann von Platz 14, Glock als Achter und Eng vom 15. Rang. „Nach diesem Qualifying hatte ich nicht mehr mit dem Sieg gerechnet“, sagte Wittmann. Glock übernahm wieder die Führung in der Fahrerwertung.

          Die Freude über den Erfolg fiel allerdings in Moll aus. Die drei Männer auf dem Podium verzichteten auf das Verspritzen des Champagners. Denn Grund für das turbulente Rennen waren unter anderem lebensgefährliche Unfälle in der Boxengasse. Der Regen zu Beginn zwang die Piloten zum Wechsel der profillosen Reifen. Der führende Lucas Auer rutschte dabei in seinem Mercedes über die Markierung vor der Box seines Teams in zwei Streckenposten hinein. Einer erlitt einen offenen Schienbeinbruch. Auch andere Fahrer konnten ihre Autos auf dem vom Regen rutschigen Beton nicht rechtzeitig stoppen und rissen Mechaniker zu Boden. Drei Personen wurden mittelschwer verletzt, andere erlitten Prellungen. Weil die Verletzten mit Rettungswagen über die Boxengasse abtransportiert werden mussten, wurde das Rennen unterbrochen. Die Rangordnung wurde durcheinandergewirbelt.

          Schon am Samstag hatte es Aufregung um das erste Rennen des Wochenendes gegeben. In der 22. Runde hatte der bis dahin Führende Auer seinen Mercedes-Kollegen Paul di Resta widerstandslos überholen lassen, nachdem er auf der Geraden zweimal kurz die Bremse angetippt hatte. Ein Geheimcode? Der ehemalige DTM-Champion Timo Scheider, in diesem Jahr als Experte beim TV-Sender Sat1 beschäftigt, vermutete dahinter eine Manipulation. „Di Resta hatte Auer nach dem Stopp erst vorbeifahren lassen, später wurde zurückgetauscht. Das ist eigentlich ein No-Go und wollen wir nicht sehen“, sagte Scheider. Auch Gerhard Berger, der DTM-Chef, war von dieser Aktion alles andere als begeistert. „Ich weiß nicht, warum Lucas auf der Geraden auf die Bremse steigt. Jemand, der Meister werden will, der muss Ellenbogen haben, der muss dagegenhalten und bis zur letzten Kurve mit den Zähnen im Lenkrad kämpfen. Sonst wirst du nie Meister“, sagte der Österreicher.

          Zumal ihm Lucas Auer bestens bekannt ist, der Mercedes-Pilot ist sein Neffe. „Das ist eine ganz neue Seite, die ich so noch nicht kenne“, sagte Berger und wagte die Erklärung in Zweifel zu ziehen. „Die Reifen? In der einen Runde fährt er zwei Sekunden langsamer, dann wieder zwei Sekunden schneller.“ Es sei „kompletter Schwachsinn“ zu behaupten, dass die Reifen nur eine Runde lang nicht halten würden. Die Pneus hatte Auer als Grund für seine Temposchwankung angeführt. „Ich habe nicht an Paul gedacht, sondern an mich selbst. Wenn ich schon nicht gewinne, will ich wenigstens Zweiter werden. Da muss man einfach weiter denken.“ Mercedes’ DTM-Beauftragter Ulrich Fritz wehrte sich gegen den Vorwurf, es habe eine Anordnung vom Kommandostand gegeben.

          Als ehemaligem Rennfahrer war Gerhard Berger Stallorder schon immer zuwider. Als Verantwortlicher für die DTM verabscheut er dieses Eingreifen von außen in den Sport noch mehr. Zumal er nach dem angekündigten Ausstieg von Mercedes zum Saisonende heftig um den Fortbestand der Tourenwagenserie kämpft. Die Änderungen, die seit Bergers Amtsantritt im März 2017 eingeführt wurden, haben zweifellos zu mehr Aktionen, zu spektakuläreren Rennen geführt und den Ruf der DTM verbessert. Es ging bislang sportlicher, fairer zu. Solche Argumente benötigt Berger für seinen Versuch, einen dritten Automobil-Konzern vom Einstieg in die DTM überzeugen zu können. Allein der Anfangsverdacht, dass Verantwortliche der Hersteller das Treiben auf der Piste aus Gründen der besseren Vermarktbarkeit beeinflussen, wirken kontraproduktiv auf die öffentliche Wahrnehmung. Er verstehen, wenn die Fans sauer seien. „Ich kaufe mir doch keine Karte für ein Rennen oder schaue es mir im Fernsehen an, wenn einer auf die Bremse steigt auf der Geraden“, sagte der ehemalige Formel-1-Rennfahrer. Dies sei für den Rennsport eine Todsünde. „Das akzeptiert niemand, das darf nicht sein“ Wer das bewusst steuere, habe im Sport nichts zu suchen.

          Nach dem Rennen am Sonntag stand die Sorge um die verletzten Streckenposten und Mechaniker im Mittelpunkt. Die ersten Drei erkundigten sich via Funk immer wieder nach dem Gesundheitszustand der Verletzten, bevor sie ausstiegen und zur Siegerehrung bereit waren.

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