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Branchenstar Valentino Rossi : Der Motorrad-Papst

Der Große ganz klein: Valentino Rossi vor der Steinwand in Alcaniz. Bild: AP

Nach einem Sturz beim Rennen in Aragon erleidet Valentino Rossi eine Gehirnerschütterung. Doch der 35-Jährige denkt längst an die Zukunft: Er will noch einmal Weltmeister werden.

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          Er wollte angreifen, weiter nach vorne und ging deshalb volles Risiko: Valentino Rossi zog nach links auf die Randsteine, ging aus dem Windschatten von Daniel Pedrosa - und verlor dabei die Kontrolle über seine Maschine. Der Italiener wirbelte durch die Luft, das Karbonkleid seiner Yamaha splitterte. Auf einer Trage wurde Rossi weggebracht, in der Klinik an der Strecke in Alcañiz untersucht und später in einem Krankenhaus untersucht. Rossi erlitt bei seinem Sturz Prellungen und eine Gehirnerschütterung. Doch  noch am Sonntagabend twitterte er: „Hi Leute, ich bin ok – abgesehen von den Kopfschmerzen.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den Großen Preis von Aragon am Sonntag gewann Jorge Lorenzo, Rossis Teamkollege bei Yamaha. Der Deutsche Stefan Bradl wurde auf seiner Honda Vierter und egalisierte damit sein bestes Resultat in dieser Saison. Neben Rossi stürzten auch der WM-Führende Marc Márquez und dessen Honda-Teamkollege Daniel Pedrosa. 

          Es war ein Spektakel auf zwei Rädern - und Rossi mittendrin. Der Mann sucht noch immer den Kick, dabei ist er inzwischen 35 Jahre alt. Beinahe die Hälfte seines Lebens ist der Italiener nun Teil der Motorrad-Weltmeisterschaft. Im März 1996 startetet er auf einer Aprilia zum ersten Mal und wurde auf Anhieb Sechster in der Klasse bis 125 Kubikzentimetern. Schon in seiner zweiten Saison wurde Rossi seinerzeit Weltmeister in der kleinsten Kategorie, seither hat er auch Titel in allen anderen Klassen (250, 500, MotoGP) gewonnen und ist aufgestiegen zu einem der erfolgreichsten Rennfahrer der Geschichte.

          „Ich will wieder um Titel kämpfen. Bevor ich nur um gelegentliche Podestplätze fahre, bleibe ich lieber zu Hause“, sagt Rossi.

          Erst vor zwei Wochen stand seine Welt wieder einmal kopf: Rossi gewann in Misano vor Zehntausenden seiner Anhänger, noch auf dem Podium kniete er vor ihnen nieder, lächelte, verdrückte eine Träne und sagte später: „Es waren so viele begeisterte Menschen da, dass ich mich für einen Moment wie der Papst fühlte.“ Wie der Papst! Für einige seiner Fans ist er genau das: der Motorrad-Papst.

          Rossi ist noch immer ein außergewöhnlicher Rennfahrer, ein Entertainer auf zwei Rädern. Doch längst wurde er außerdem zu einem erfolgreichen Geschäftsmann. VR46 - das ist sein Markenzeichen und der Name eines Rossi-Imperiums, das aus einer eigenen Marketing-Linie, mehreren Restaurants und einem Moto3-Rennstall besteht, mit dem er Talenten den Weg in die Weltspitze weisen will. Einer von ihnen ist der 18 Jahre alte Romano Fenati, der am Sonntag in Spanien seinen vierten Grand Prix gewann und noch immer Chancen auf den Titel besitzt. Kreist dort schon der nächste Champion aus Italien?

          Rossi ist inzwischen vielfacher Millionär, einer der reichsten Italiener überhaupt. Dabei ist seine aktive Karriere noch nicht beendet: Anfang Juli verlängerte Rossi seinen Vertrag bei Yamaha um zwei Jahre bis 2016. „Es ist wichtig, dass er weitermacht“, sagt Carmelo Ezpeleta, der Geschäftsführer des Rechteinhabers Dorna. Der Superstar aus Italien hat weltweit noch immer die größte Fangemeinde, derzeit fasziniert sie vor allem das Generationen-Duell gegen den erst 21 Jahre alten Spanier Márquez. Rossi will den dreimaligen Champion nochmals herausfordern. „Ich will wieder um Titel kämpfen. Bevor ich nur um gelegentliche Podestplätze fahre, bleibe ich lieber zu Hause“, sagt er.

          Insgeheim spekuliert er sogar noch auf etwas ganz Großes: auf den Rekord seines Landsmannes Giacomo Agostini, der in den sechziger und siebziger Jahren 122 Erfolge errungen hatte. Rossi steht derzeit bei 107 Siegen. „Ich denke, dass ich derzeit der beste Valentino überhaupt bin“, sagt der Italiener. „Aber meine Gegner sind auch viel stärker geworden, sie arbeiten viel professioneller als noch vor einigen Jahren.“

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