https://www.faz.net/-gu4-9ni22

Formel 1 in Kanada : Strafe verhindert Sieg – Vettel völlig frustriert

  • Aktualisiert am

Sebastian Vettel will nicht wahrhaben, dass Platz eins an Lewis Hamilton geht – und vertauscht einfach die Aufsteller. Bild: AFP

Kuriosum in Kanada: Sebastian Vettel fährt als Erster ins Ziel. Doch weil er noch eine Strafe erhält, profitiert Weltmeister Lewis Hamilton und gewinnt. Danach benimmt sich der verärgerte Vettel daneben – und übt harte Kritik.

          Voller Empörung verstand Sebastian Vettel die Welt nicht mehr. Ein knallhartes Manöver gegen Lewis Hamilton kostete den deutschen Ferrari-Star den ersehnten Befreiungsschlag beim Formel-1-Rennen von Kanada. Vettel verpasste nach einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe in Montréal den ersten Sieg nach 287 Tagen und musste sich am Sonntag hinter Hamilton mit dem zweiten Platz begnügen. Wütend schnappte sich der Hesse im Parc Fermé sogar den Aufsteller mit der Nummer eins von Hamiltons Auto und stellte ihn demonstrativ vor den Platz seines eigenen roten Rennwagens. „Nein, nein. Mir gefällt das nicht. Wo zur Hölle sollte ich denn hin, das war nicht fair“, schimpfte Vettel, der zwar als Erster über die Ziellinie fuhr, aber doch nicht gewann. „Man muss echt blind sein. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

          Schon vorher hatte er geklagt. „Sie stehlen uns das Rennen“, sagte er über den Boxenfunk, nachdem er nach einem Fahrfehler in der 48. Runde den britischen Mercedes-Piloten Hamilton fast in die Mauer gedrängt hätte. „Natürlich willst du so nicht gewinnen, aber ich habe bis zum Ende alle gegeben. Ich habe ihn zu dem Fehler gezwungen und er ist aufs Gras gefahren“, sagte der verlegene Hamilton, der auf dem Podium Vettel an sich zog. „Wir mussten den Crash vermeiden. Es war hart, dranzubleiben.“ Dritter wurde Vettels Stallrivale Charles Leclerc. Ferrari kündigte dem Motorsport-Weltverband FIA später offiziell an, einen Protest zu planen. Die Scuderia hat durch den Schritt die Möglichkeit, innerhalb von 96 Stunden weiteres entlastendes Beweismaterial zu sammeln und dann formell Einspruch einzulegen.

          Hamilton fuhr seinen siebten Erfolg in Kanada ein und stellte damit den Rekord von Michael Schumacher ein. Mit seinem fünften Grand-Prix-Erfolg in diesem Jahr baute der Engländer seine WM-Führung auf 162 Punkte aus. Vettel hat nach dem siebten Saisonrennen nur 100 Zähler auf seinem Konto und muss als Drittplazierter weiter auf seinen ersten Triumph 2019 warten. Zweiter ist Mercedes-Pilot Valtteri Bottas mit 133 Punkten. In Kanada belegte der Finne den vierten Platz.

          Formel 1

          Vettel ging auf dem Circuit Gilles Villeneuve zum ersten Mal in diesem Jahr von Platz eins in Rennen – und verteidigte diesen beim Start souverän. Der Hesse, der im Vorjahr als Polesetter auf der Île Notre-Dame im Sankt-Lorenz-Strom noch gewonnen hatte, beschleunigte am besten und ließ zu Beginn weder dem Zweiten Hamilton noch seinem Scuderia-Stallrivalen Charles Leclerc eine Chance.

          Während für Ferrari alles nach Plan lief, hatte Mercedes in den Stunden vor dem siebten Grand Prix der Saison mehr als gewünscht zu tun. Hydraulikprobleme am Motor Hamiltons führten dazu, dass sein Wagen zunächst aufwendig auseinander und dann wieder zusammengeschraubt werden musste. Auf der Einführungsrunde beklagte der 34 Jahre alte Brite technische Schwierigkeiten, sein Renningenieur entgegnete am Funk jedoch: „Nein, du hast kein Problem.“

          Vettel spulte auf dem 4,361 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitskurs an der Spitze souverän sein Programm ab und profitierte vom starken Motor der Italiener. Bereits in den Trainings und im Qualifying hatte Ferrari im Dauerduell mit den Silberpfeilen den besseren Eindruck hinterlassen. Etwas mehr als zwei Sekunden betrug Vettels Vorsprung vor Hamilton konstant, dahinter hielt nur Leclerc den Kontakt zur Spitze. Der WM-Zweite Valtteri Bottas im zweiten Mercedes konnte zunächst nicht in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen.

          Dafür zeigte Nico Hülkenberg ein starkes Rennen und erkämpfte sich im Renault von Startrang sieben zwischenzeitlich den vierten Platz. Allerdings bereitete dem 31-Jährigen aus Emmerich nach eigenen Aussagen zwischenzeitlich das Getriebe Probleme, am Ende reichte es zu Rang sieben. Nach 20 Runden erhöhte der 21 Jahre alte Monegasse Leclerc den Druck auf Hamilton, ehe Vettel kurz darauf als erster der Topfahrer zum Reifenwechsel an die Box kam. Die Strategie von Ferrari ging auf und auch nach dem fehlerlosen Stopp behielt er die Führung vor Hamilton, der erst zwei Runden später seine Pneus wechseln ließ.

          Formel 1

          Zwischen Vettel und Hamilton entwickelte sich ein erbitterter Kampf um die Führung. Bis auf 0,7 Sekunden kam der Brite nach etwas mehr als der Hälfte des Grand Prix heran, verbremste sich jedoch kurz darauf. Sein Deutscher Rivale antwortete mit der zu diesem Zeitpunkt schnellsten Runde und zeigte sich noch nicht beeindruckt.

          Im 48. Umlauf änderte sich das. Vettel musste nach einem Fahrfehler von der Strecke ausweichen und ins Gras. Einen Crash mit dem heranschießenden Hamilton konnte er in Kurve vier nur knapp verhindern, drängte seinen ärgsten Widersacher aber fast in die Streckenmauer. Der Zwischenfall wurde von der Rennleitung untersucht und mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden für den Ferrari-Star belegt. „Ich habe ihn nicht gesehen“, funkte Vettel an die Box. In der Schlussphase hielt Hamilton den Kontakt und siegte.

          Formel 1
          Liveticker

          Weitere Themen

          Erfolg über Eck beim CHIO

          Reitturnier in Aachen : Erfolg über Eck beim CHIO

          Ingrid Klimke und Michael Jung beweisen in den Aachener Wiesen, was Linientreue in der Vielseitigkeit einbringt: Platz eins und zwei beim CHIO. Und auch die deutschen Dressurreiter haben Grund zur Freude.

          Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Tour de France : Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

          Topmeldungen

          Manchmal unangenehm, aber wichtig: Aufklärungsunterricht für Kinder.

          FAZ Plus Artikel: Aufklärung für Kinder : „Mein Körper gehört mir“

          Kinder stark machen, ihren Missbrauch verhindern: Die Pro-Familia-Sexualberater Maria Etzler und Florian Schmidt geben Tipps, wie Erwachsene Aufklärungsgespräche führen und welche Regeln für Kinder bei Doktorspielen gelten sollten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.